Thema November 2006 01 / 282 22 44
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Zehn Thesen zum Religionsunterricht


Ethikunterricht oder Religionsunterricht?
Religionsunterricht in öffentlichen Schulen - vereinbar mit Trennung von Kirche und Staat?

Der konfessionelle Religionsunterricht ist ins Gerede gekommen. Die evangelische Kirche in Deutschland hat zu diesem Themenkomplex in guter, alter Tradition Thesen formuliert. Zehn Thesen sind es diesmal - und diese zehn Thesen sind durchaus auch als Argumentationshilfe für den katholischen Religionsunterricht geeignet:

  • 1. Religion stellt eine unverzichtbare Dimension humaner Bildung dar.
    Geschichte und Kultur in Europa sowie im weltweiten Zusammenhang lassen sich ohne Vertrautheit besonders mit dem Christentum, dem Judentum und dem Islam nicht ausreichend verstehen.

  • 2. Nach evangelischem Verständnis muss der Gottesbezug im Zentrum der religiösen Bildung stehen. Gleichzeitig eröffnet religiöse Bildung Zugänge zu zukunftsfähigen Werten.
    Manchmal wird religiöse Bildung bloß als eine Form der Werteerziehung gesehen. Aus evangelischer Sicht (und wohl auch aus katholischer, Anm. d. Verf.) geht jedoch mit dem Bezug auf Gott die Wahrheitsfrage allen Werten voraus. Die Werte folgen aus dem Glauben. Religion ist die wichtigste Quelle der ethischen und normativen Orientierung.

  • 3. Religiöse Bildung braucht ein eigenes Schulfach Religion.
    Es ist zwar wichtig, religiöse Themen auch in anderen Fächern aufzunehmen. Aber ähnlich wie die Muttersprache in allen Fächern der Schule gepflegt werden muss und doch ein eigenes Fach braucht, ist auch religiöse Bildung auf eine fachlich gesonderte Wahrnehmung angewiesen.

  • 4. Der Religionsunterricht findet bei den Schülerinnen und Schülern ebenso positive Resonanz wie bei den Lehrerinnen und Lehrern, bei den Schulen und in der Elternschaft.
    Umfragen belegen, dass der Religionsunterricht bei den Schülerinnen und Schülern auf deutliche Zustimmung stößt. Eltern wissen um die Bedeutung des Religionsunterrichts und erwarten von diesem Fach einen Beitrag zur Werteerziehung und Lebensorientierung ihrer Kinder.

  • 5. Der Religionsunterricht unterstützt die Ausbildung zentraler Kompetenzen.
    Über den Beitrag zum Aufbau religiöser und ethischer Kompetenzen hinaus ist die Bedeutung von Religionsunterricht für den Erwerb von Sprach- und Reflexionskompetenz kaum zu überschätzen. Das Wort spielt eine zentrale Rolle. Es werden auch soziale, kommunikative, ästhetische und mediale Kompetenzen gefördert.

  • 6. Religionsunterricht ist eine Aufgabe der staatlichen Schule und des freiheitlich-demokratischen Staates, die nur in Zusammenarbeit mit den Religionsgemeinschaften erfüllt werden kann.
    Wenn Religion zur Bildung gehört, gehört dieser Unterricht zu den Aufgaben der staatlichen Schule. Da der Staat zugleich zu weltanschaulicher Neutralität verpflichtet ist, kann er Inhalte und Ziele des Religionsunterrichts von sich aus nicht vorschreiben. Er ist auf die Zusammenarbeit mit den Religionsgemeinschaften angewiesen.

  • 7. Andere auf Religion und Werte bezogene Fächer können den Religionsunterricht ergänzen, machen ihn aber keineswegs überflüssig.
    Religionsunterricht ist mehr als Religionskunde. Es wird der Versuch zurückgewiesen, den Religionsunterricht durch allein vom Staat verantwortete Pflichtfächer wie Religionskunde oder Werteunterricht zu verdrängen.

  • 8. Der evangelische Religionsunterricht steht allen Schülerinnen und Schülern offen. Er wird häufig in ökumenischer Kooperation und zum Teil im Dialog mit dem Ethikunterricht erteilt. In Zukunft können auch Formen der Zusammenarbeit mit nichtchristlichem Religionsunterricht erprobt werden.
    Eine besonere Form der Öffnung des konfessionellen Religionsunterrichts stellt der konfessionell-kooperative Religionsunterricht dar. In dieser Form kooperieren der evangelische und der römisch-katholische Religionsunterricht, ohne dass der Unterricht dabei seine konfessionelle Ausrichtung verliert. Vielmehr kommen Gemeinsamkeiten zwischen den Konfessionen hier genauso in den Blick wie die Unterschiede.

  • 9. Der Religionsunterricht trägt zu einer produktiven und profilierten Schulentwicklung bei.
    Bezüge auf Religion, interkulturelle und interreligiöse Verständigung, Toleranz und Solidarität finden sich in einer zunehmenden Zahl von Schulprofilen und -programmen. Damit kommt auch der vom Relitionsunterricht ausgehende Beitrag zum Schulleben neu zur Geltung - angefangen bei Schul- oder Schülergottesdiensten, Projekten, Arbeitsgemeinschaften usw.

  • 10. Die evangelische Kirche wird den schulischen Religionsunterricht auch in Zukunft unterstützen - zugunsten der Kinder und Jugendlichen sowie der Gesellschaft
    Diese These gilt vollinhaltlich wohl auch für die römisch-katholische Kirche.

Zehn Thesen zum Religionsunterricht - formuliert von der Evangelischen Kirche Deutschlands.
Wie denken Sie?


  • Sind diese Thesen auch für den römisch-katholischen Religionsunterricht zutreffend?
  • Ist der schulische Religionsunterricht noch zeitgemäß?
  • Sollte er durch einen Ethikunterricht ersetzt/ergänzt werden?
  • Ist es im Sinne der Trennung von Staat und Kirche überhaupt vertretbar, dass konfessioneller Religionsunterricht in öffentlichen Schulen stattfindet?

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Quellen: Evangelische Kirche in Deutschland
Zehn Thesen zum Religionsunterricht (pdf)

(Josef Falk)