Thema Juni 2006 01 / 282 22 44
pfarre.stadlau@donbosco.at

"Mit drängender Sorge" - Die Pfarrer-Initiative


Im Rahmen einer Pressekonferenz stellten Helmut Schüller, Hans Bensdorp, Gerald Gump und P. Udo Fischer am 25. April 2006 die neu gegründete "Pfarrer-Initiative" (PI) vor, die nach eigenen Angaben "mehr Schwung" in die katholische Kirche bringen will.


Von links nach rechts: Dechant Gerald Gump, Dechant Hans Bensdorp, Msgr. Helmut Schüller, P. Udo Fischer

In einer Grundsatzerklärung geben die Proponenten ihrer Sorge und Unzufriedenheit darüber Ausdruck, wie von den Leitungsverantwortlichen in den Ortskirchen und in der Weltkirche derzeit mit den offenen Fragen in der Kirche umgegangen wird. Als Probleme werden angeführt:

  • Die Zukunft der Pfarrgemeinden, die trotz des anhaltenden Rückgangs der Zahl der Priester überschaubar bleiben müssen.
  • Das Recht aller Getauften auf die Feier der Eucharistie und der anderen sakramentalen Heilszeichen.
  • Die Berufung aller Christen zur Mitverantwortung und Mitgestaltung des Weges der Kirche.
  • Die Krise des Bußsakramentes.
  • Die pastoralen und menschlichen Probleme und die damit verbundenen Gewissenskonflikte im Zusammenhang mit dem geltenden Eherecht der lateinischen Kirche.
  • Die Stagnation in den Bemühungen um die Einheit und Abendmahlsgemeinschaft der christlichen Kirchen.

In der Pressekonferenz wurden diese Anliegen von Msgr. Helmut Schüller konkretisiert:
An erster Stelle nannte er die Sorgen um die Zukunft der Pfarrgemeinden. Er halte es für bedenklich, so Schüller, wenn immer mehr Pfarren zu großen Seelsorgeräumen zusammengelegt werden. So gehe für viele Menschen der direkte Kontakt mit dem Pfarrer verloren.
Sorge bereitet der "Pfarrer-Initiative" auch die Krise des Bußsakraments. Eine Ursache liegt für die Pfarrer in der Einengung des Sakraments auf die persönliche Beichte. Schüller wies in diesem Zusammenhang auch auf andere mögliche Formen wie Bußfeiern oder Bußgottesdienste hin.
Probleme orten die Priester auch beim geltenden Eherecht der katholischen Kirche. Es brauche neue Modelle, wie mit menschlichem Scheitern und einem Neuanfang umgegangen werden kann.
Ebenso brauche es auch verstärkte Bemühungen im Bereich der Ökumene. Die nach ihrer Einschätzung derzeit herrschende "Stagnation" könne so nicht hingenommen werden.

Dompfarrer Anton Faber

Die Pfarrer-Initiative findet in der Priesterschaft nicht ungeteilte Zustimmung.

So hat der Wiener Dompfarrer Toni Faber die Initiative kritisiert. Er glaube nicht, dass "solch ein innerer Aufruhr etwas verbessern kann". Er halte es für "nicht effektiv", anderen Vorhaltungen zu machen und "so zu tun, als hätte man die Weisheit mit Löffeln gefressen". Es genüge auch nicht, nur zu fordern: "Man muss sich auch vernünftige Alternativen und Vorschläge überlegen, das geht mir bei dieser Initiative abhanden", so der Dompfarrer.

Auch der Pastoraltheologe Paul Zulehner will die Grundsatzerklärung nicht unterschreiben, da er sich eher "in der Rolle des Vermittlers" sieht. Für die Sorgen der Priester hat er aber Verständnis. Der Wiener Caritas-Direktor Michael Landau hält sich in der Frage der Pfarrer-Initiative an "die gute alte Caritas-Tradition, die auch schon Helmut Schüller gepflegt hat, sich zu innerkirchlichen Diskussionen nicht zu Wort zu melden".

Kardinal Schönborn führte bereits ein Gespräch mit den Proponenten. Darin habe er die Hoffnung zum Ausdruck gebracht, dass "die Pfarrer-Initiative nicht nur zu innerkirchlichen Querelen führt", sondern die eigentliche Sendung der Kirche fördere. Die Proponenten sind auch im neu gewählten Priesterrat vertreten. Dort hätten sie Gelegenheit, "konstruktive Vorschläge im Gespräche mit dem Bischof, seinen engsten Mitarbeitern und den anderen Vertretern der Priester einzubringen", heißt es in der Stellungnahme.


Was ist Ihre Meinung?
  • Halten Sie die Anliegen der Pfarrer-Initiative für gerechtfertigt?
  • Wie wird die Zukunft der Pfarren aussehen? Wird eine "Versorgung" der Gläubigen in der gewohnten Form möglich sein?
  • Gibt es eine "Krise des Bußsakraments"?
  • Sollten die Priester ihre Anliegen nicht eher im Priesterrat vorbringen, wo sie ja vertreten sind?

Sagen Sie Ihre Meinung in unserem FORUM