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Deus Caritas est - Teil 1


Deus Caritas est

Am 25.Jänner hat Papst Benedikt XVI. seine erste Enzyklika vorgelegt, die nach ihren Anfangsworten "Deus Caritas est" ("Gott ist Liebe") genannt wird.

Eine Enzyklika ist ein vom Papst verfasstes Rundschreiben, das sich an die gesamte Kirche wendet. Enzykliken können grundsätzlichen Themen der Glaubensverkündigung gewidmet sein oder auch besondere pastorale Akzente aufweisen. Sie soll eine Orientierung zu aktuellen theologischen oder weltlichen Fragen bieten und besitzt in der Regel nicht die Autorität der Unfehlbarkeit, gilt aber als authentische Äußerung des kirchlichen Lehramts und hat als solche verbindlichen Charakter.

Besondere Bedeutung kommt der ersten Enzyklika eines Papstes zu. Sie gilt als Grundsatzerklärung eines Pontifikats, gibt Leitthema und Regierungsprogramm an für die kommenden Jahre. Johannes Paul II hatte 1979 mit seinem "Redemptor Hominis" ein Plädoyer für die universalen Menschenrechte vorgelegt und damit dem Imperium Moskaus die Grenzen aufgezeigt.

Benedikt XVI. hat mit seiner Themenwahl überrascht. Von ihm, der als Kardinal Joseph Ratzinger oft als "Großinquisitor" oder als "Panzerkardinal" bezeichnet wurde, hätte man sich eher eine Streitschrift gegen die "Diktatur des Relativismus" erwartet, die er schon in seiner Eröffnungsansprache zum Konklave gegeißelt hatte.

Der Papst wählte jedoch ein anderes Thema: die Liebe. Und er hat damit wohl das zentrale Thema des Christentums schlechthin gewählt. Hängt doch an den Geboten der Gottes- und der Nächstenliebe "das ganze Gesetz samt den Propheten" (vgl. Mt 22,40).

Die Enzyklika besteht aus zwei Teilen. Der erste ist eher philosophisch-theologisch geprägt. Dieser Teil weist auf die Mitte des christlichen Glaubens hin und zeigt diese sowohl im christlichen Gottesbild als auch in dem aus ihm folgenden Bild des Menschen auf. Demgegenüber behandelt der zweite Teil die praktische Umsetzung der chrislichen Nächstenliebe im kirchlichen Leben und will eine neue Lebendigkeit in der caritativen Antwort des Christen auf die erfahrene Liebe Gottes wachrufen. In einem engagierten Plädoyer für Caritas und Diakonie macht sich Papst Benedikt XVI. dafür stark, dass alles Handeln der Kirche Ausdruck einer Liebe sein muss, die das genzheitliche Wohl des Menschen anstrebt, und dass die Diakonie genauso wichtig ist wie Verkündigung und Liturgie.

"Deus Caritas est" hat überwiegend positives Echo ausgelöst. Vor allem auch bei jenen Gruppen und Personen, die Benedikt XVI. kritisch gegenüberstehen.

Papst Benedikg XVI.

Die Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" interpretiert die Aussagen in der Enzyklika als mögliche Hoffnungszeichen für einen Wandel der Amtskirche. Es sei zu begrüßen, dass der Papst in der Enzyklika den untrennbaren Zusammenhang von Gottesliebe und Nächstenliebe betone sowie deren unverzichtbare Bedeutung für den kirchlichen Auftrag hervorhebe, hieß es in einer Erklärung der Kirchenvolksbewegung.

Der katholische Theologe und Kirchenkritiker Hans Küng begrüßte die erste Enzyklika von Benedikt XVI. als "gutes Signal". Sie biete in "sachlichem Stil solide theologische Kost" über die Liebe, sagte er in Tübingen. Viele Katholiken seien froh, dass kein Manifest des Kulturpessimismus oder leibfeindlicher kirchlicher Sexualmoral entstanden sei. Wünschenswert wäre ein zweites Rundschreiben, das von gerechten Strukturen in der Kirche und vom liebevollen Umgang mit allen Gruppen in ihr handle.

Auch seitens der Caritas wird die Enzyklika positiv beurteilt. Caritas-Präsident Franz Küberl und Caritasdirektor Michael Landau freuen sich über die herausfordernde Botschaft der Nächstenliebe an Kirche und Gläubige. "Die erste Enzyklika von Papst Benedikt ist ein klarer Auftrag für die Caritas, aber auch starker Rückenwind", so Küberl.


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    Vorschau: Als "Thema des Monats April 2006" wird sich "Deus Caritas est - Teil 2" mit einigen ausgewählten Aspekten aus der Enzyklika beschäftigen.