Thema Februar 2006 01 / 282 22 44
pfarre.stadlau@donbosco.at

Gute Filme - böse Filme.

Am Beispiel "Narnia".


Wieder einmal läuft ein Film in den Kinos, der eine gewisse Aufregung verursacht - aus religiösen Gründen.

In den vergangenen Jahren waren es immer wieder die Bücher und Filme aus der "Harry Potter"-Serie, die für Kritik aus gewissen katholischen Kreisen sorgten. Der Film "Die Passion Christi" wiederum wurde einerseits wegen seiner realistisch-brutalen Szenen, andererseits auch wegen seines Regisseurs Mel Gibson, der einen sehr traditionalistischen Katholizismus vertritt, kritisiert

Und nun also "Der König von Narnia". Die Kritik kommt hier von ganz anderer Seite.

So mahnen nicht-christliche Gruppen in Amerika atheistische Eltern, diesen Film zu boykottieren - und bezeichnen ihn als christliche Propaganda.

Die Gruppen haben im Internet Kampagnen gestartet, die den Film für seine angeblichen religiösen Untertöne kritisieren. Sie behaupten, der Film nach dem Roman von C.S. Lewis sei voll von bedeutenden christlichen Themen - so werde beispielsweise der symbolische Jesus-Charakter durch den heldenhaften Löwen Aslan porträtiert. Ein Sprecher sagt: "Der Film ist nicht mehr als ein Werbefilm für den christlichen Glauben und tut alle anderen Glaubensrichtungen als zweitrangig ab".

Was hat es nun mit dieser Kritik auf sich?

Der Film basiert auf "Die Chroniken von Narnia", der sieben Bücher umfassenden Serie von Fantasy-Romanen, die zwischen 1950 und 1956 vom britischen Schriftsteller C.S. Lewis geschrieben und veröffentlicht wurden. Die Chroniken thematisieren christliche Motive, enthalten aber auch Anleihen aus der griechischen und römischen Mythologie sowie aus traditionellen englischen und irischen Märchen. Die Chroniken erzählen die Abenteuer verschiedener Kinder, die eine zentrale Rolle in der magischen Welt Narnia spielen.

Der Autor C.S. Lewis lebte von 1898 bis 1963. Er war Schriftsteller und Literaturwissenschafter. Neben den "Chroniken von Narnia" veröffentlichte er literaturkritische Werke und christliche apologetische Schriften. Er war lange mit J.R.R. Tolkien befreundet, dem Autor von "Der Herr der Ringe". Durch Tolkien bekehrte sich Lewis auch zum Christentum, vorher bezeichnete er sich selbst als Agnostiker.

Was ist nun das angeblich Christliche in diesen Büchern bzw. in diesem Film?

Die Geschichte handelt von 4 Kindern, die durch einen Zufall den Weg nach Narnia finden. Dort treffen sie den Löwen Aslan und kämpfen gegen die "Weiße Hexe".

Dieser Löwe Aslan weist etliche Parallelen zu Jesus Christus auf: Die Opferung Aslans ist deutlich als Anspielung auf den Stellvertreter-Tod Jesu am Kreuz erkennbar. "Es ist vollbracht!", sagt Aslan, als er die Hexe besiegt. Der Altar, auf dem er stellvertretend für den "sündigen" Edmund hingerichtet wird, zerbricht nach seinem Tod in zwei Stücke. Aslan ersteht auf wundersame Weise wieder auf und bringt die Schlacht um Narnia zu einem glücklichen Ende.

Vorher kommen, Maria und Maria von Magdala gleich, die beiden Mädchen Lucy und Susan im Morgengrauen als erste zum Leichnam Aslans und trauern um den eigentlichen König von Narnia.

Nirgends im Film wird der Zuschauer freilich direkt mit der neutestamentlichen Aussage konfrontiert. Aber doch zieht sie sich wie ein roter Faden durch die Geschichte.

Nach der Aussage von C.S. Lewis selbst waren die Chroniken von Narnia nicht als Werkzeug konzipiert worden, Kindern das Christentum nahezubringen. Er schreibt dazu:

"Manche Menschen glauben, dass ich damit begonnen habe, mich zu fragen, wie ich das Christentum Kindern vermitteln könne; dass ich mich daraufhin auf ein Märchen als Werkzeug festgelegt habe, dann Informationen über Kinderpsychologie gesammelt und mich entschieden habe, für welche Altersgruppe ich schreiben wolle; und dass ich anschließend eine Liste von grundelgenden christlichen Wahrheiten aufgestellt und Allegorien ausgearbeitet habe, um sie zu verkörpern.
Das ist aber kompletter Unsinn. Ich hätte nicht auf diese Weise schreiben können. Es begann alles mit Bildern: Einem Faun, der einen Schirm trägt, einer Königin auf einem Schlitten, einem prächtigen Löwen. Am Anfang war nichts Christliches an ihnen; dieses Element hat sich aus eigenem Antrieb hineingedrängt."
Aslan
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