Thema Jänner 2006 01 / 282 22 44
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Kombilohn -

Ausweg aus der Langzeitarbeitslosigkeit?


In den letzten 20 Jahren hat sich in den Ländern der Europäischen Union ein Phänomen herauskristallisiert, das als 'soziale Dauerkrise Europas' beschrieben wird. Gemeint ist damit der dauerhafte Ausschluss eines immer größer werdenden Anteils der erwerbsfähigen Bevölkerung aus dem Arbeitsmarkt und die damit verbundene soziale Ausgrenzung - die Langzeitarbeitslosigkeit.

Insbesondere für bestimmte, beruflich zumeist nicht oder nur gering qualifizierte Gruppen, verengen sich systematisch die Zugänge zum Erwerbssystem. Bereits 1997 musste in den Ländern der Europäischen Union beinahe jeder zweite Arbeitslose der Kategorie zugeordnet werden, die länger als ein Jahr ohne Beschäftigung sind.

Eine Maßnahme, mit der dieser Zustand verbessert werden soll, ist der so genannte "Kombilohn".

Der Kombilohn besteht aus dem Lohn des Arbeitgebers und einem staatlichen Zuschuss für den Beschäftigten zu diesem Lohn. Die Höhe dieser Beihilfe hängt ab vom angebotenen Entgelt, das sich nach den entsprechenden kollektivvertraglichen Regelungen zu richten hat. Die Förderung soll sich dabei in einem Bereich zwischen 5 % und 50 % des Arbeitslosengeldanspruches bewegen.Mit 1. 2. 2006 tritt dieses Kombilohn-Modell in Österreich in Kraft. Zwecks Erprobung ist es aber vorläufig auf ein Jahr befristet.

Caritas-Präsident Franz Küberl hat in einem Brief an Wirtschaftsminister Martin Bartenstein die Einführung des Kombilohn-Modells begrüßt, gleichzeitig aber auch Nachbesserungen gefordert. Das Modell greife nicht bei allen, da die Zielgruppe "nicht einheitlich" sei, so Küberl.

Das Modell der subventionierten Jobs sei für manche Langzeitarbeitslose ein guter Anreiz, andere wiederum schafften die Aufnahme einer regelmäßigen Arbeit nicht sofort. Für diese Personen seien neben dem Kombilohn noch flankierende Maßnahmen erforderlich. Der Caritas-Präsident bezeichnet es auch als "problematisch", dass für die Erprobung des Kombilohns nur ein Jahr vorgesehen ist. Dieser Zeitraum sei für die Reintegration vieler Personen mit mehrfachen Vermittlungshindernissen "einfach zu kurz".

Die Caritas hatte im Jahr 2002 das "Equal"-Projekt "Erweiterter Arbeitsmarkt - Integration durch Arbeit" initiiert, um arbeitslose Menschen am Rande der Gesellschaft mittels geeigneter Beschäftigungs- und Beratungsangeboten wieder näher an den Arbeitsmarkt heranzuführen. Die praktische Erfahrung mit diesem Projekt zeige, dass die allgemeine Arbeitsmarktpolitik an Grenzen stoße, wenn es um die Integration von Personen mit vielfältigen Arbeitsmarktproblemen geht, plädiert Küberl für weitere Maßnahmen auf diesem Gebiet.

Alles in allem wird das Komiblohn-Modell von der Caritas positiv beurteilt.


Von anderer Seite, z. B. von den Gewerkschaften, wird dieses Modell jedoch auch kritisiert:

Unternehmer könnten sich versucht sehen, teurere Arbeitskräfte durch billigere, mit Komiblohn subventionierte, zu ersetzen. Dadurch würden einerseits Konkurrenten benachteiligt, die sich nicht auf derartige Praktiken einließen. Weiters könnten dadurch notwendige Rationalisierungen verpasst und die Wettbewerbsfähigkeit verloren werden. Es bestünde die Gefahr, dass durch die Kombilohn-Arbeitsplätze reguläre Stellen verloren gingen.

Schweissen

Darüber hinaus befürchten die Gewerkschaften einen generellen Druck auf die Löhne, wenn gewisse Tätigkeiten subventioniert und damit Lohnregelungen in Gesamtarbeitsverträgen unterlaufen würden.


Was halten Sie davon?
  • Können subventionierte Arbeitsplätze - so genannte Kombilöhne - das Problem Langzeitarbeitslosigkeit mildern?
  • Oder bringen diese Subventionen auch noch reguläre Arbeitsplätze in Gefahr?
  • Behindern sie die notwendige Strukturanpassung?
  • Sollte das befristete Kombilohn-Modell zur ständigen Einführung gemacht werden?

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