Thema Dezember 2005 01 / 282 22 44
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Die "Anderen" und wir -

40 Jahre Nostra Aetate




"Die katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist."

Mit diesem Kernsatz stellt das Dokument des II. Vatikanischen Konzils "Nostra Aetate" die Beziehungen der römisch-katholischen Kirche zu den nichtchristlichen Religionen auf eine neue Basis.

Vor 40 Jahren, am 28. Oktober 1965, verabschiedete das Zweite Vatikanische Konzil in Rom die "Erklärung über das Verhältnis zu den nichtchristlichen Religionen". Sie wird oft nach den Anfangsworten "Nostra Aetate" genannt.

Ursprünglich sollte sich die Erklärung auf das Verhältnis der Kirche zu den Juden beschränken. Schließlich wurden aber auch die anderen nichtchristlichen Religionen einbezogen.

Es wird betont, dass sich alle Religionen den gleichen Fragen nach den "ungelösten Rätseln" des Leben stellen:
"Was ist der Mensch? Was ist Sinn und Ziel unseres Lebens? Was ist das Gute, was die Sünde? Woher kommt das Leid, und welchen Sinn hat es? Was ist der Weg zum wahren Glück? Was ist der Tod, das Gericht und die Vergeltung nach dem Tode? Und schließlich: Was ist jenes letzte und unsagbare Geheimnis unserer Existenz, aus dem wir kommen und wohin wir gehen?"(Art. 1)

Dieses Grundanliegen der Religionen sieht Nostra Aetate in den einzelnen Religionen auf folgende Weise gegeben:

Im Hinduismus bringen die Menschen das göttliche Geheimnis in einer Vielzahl von Mythen und in tiefdringenden philosophischen Versuchen zum Ausdruck und suchen durch aszetische Lebensformen oder tiefe Meditation oder liebend-vertrauende Zuflucht zu Gott Befreiung von der Enge und Beschränktheit unserer Lage.

Der Buddhismus anerkennt das radikale Ungenügen der veränderlichen Welt und lehrt einen Weg, auf dem die Menschen entweder den Zustand vollkommener Befreiung erreichen oder zur höchsten Erleuchtung gelangen können.

Mit Hochachtung werden auch die Muslim betrachtet, die den alleinigen Gott anbeten, den Schöpfer des Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat. Insbesondere werden die Gemeinsamkeiten mit dem christlichen Glauben betont: Jesus wird im Islam zwar nicht als Gott anerkannt, aber doch als Prophet verehrt. Es wird auch nicht verschwiegen, dass es im Lauf der Jahrhunderte zu manchen Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Christen und Muslim kam. Zugleich wird aber die Ermahnung ausgesprochen, das Vergangene beiseite zu lassen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung des Friedens und der Freiheit für alle Menschen.

Am ausführlichsten beschäftigt sich das Dokument mit dem Verhältnis der Kirche zum Judentum. Bis zu diesem Konzil erhielt der Antisemitismus auch aus vielen Bestandteilen der katholischen Liturgie, Katechese und Predigt immer neue Nahrung.



Es wird in Erinnerung gerufen, dass der christliche Glaube in Israel seinen Anfang hat und dass Israel die bleibende Wurzel der Kirche ist. Es wird betont, dass nicht nur Jesus, sondern auch Maria, die Apostel und die meisten der ersten Jünger Jesu dem Judentum entstammen. Für Jesu Tod können keinesfalls alle damals lebenden Juden und schon gar nicht die heutigen Juden verantwortlich gemacht werden.

Wenn heute das christliche Bewusstsein von der Verantwortung für eine Welt, in der Jüdinnen und Juden ohne Angst leben können, weit verbreitet ist, ist das wesentlich auf den Anstoß des II. Vatikanischen Konzils zurückzuführen.

Es hat sich gezeigt, dass die Anstrengungen in diese Richtung nicht nachlassen dürfen. Wichtig werden gemeinsame Anstrengungen auf sozialem, ethischem und politischem Feld sein, z. B. Bewahrung der Schöpfung, Friedenssicherung, Armutsbekäpfung, Eintreten für die Menschenrechte und vieles mehr.

Die gemeinsamen religiösen Wurzeln legen ein gemeinsames Engagement nahe. Von der Wahrheit des einen Gottes Zeugnis zu geben, ist die gegenwärtig wohl wichtigste Aufgabe von Christen und Juden.


Wie sehen Sie das?
  • Lässt sich der Wahrheitsanspruch, den jede Religion hat, mit einem konstruktiven Dialog vereinen?
  • Oder ist der "Kampf der Kulturen" vorprogrammiert?
  • Worin unterscheiden sich Religionen voneinander?
  • Ist es egal, an welchen Gott man glaubt?
  • Gibt es "wahre" und "falsche" Religionen?
  • Hat das II. Vatikanische Konzil mit Nostra Aetate einen guten Weg eingeleitet?
  • Oder aber sind Gemeinsamkeiten mit dem Islam, mit dem Judentum, mit den fernöstlichen Religionen einfach nicht möglich?

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