Thema Oktober 2005 01 / 282 22 44
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Auf dem Weg zur Zwei-Klassen-Medizin?


Immer bessere Medikamente: Eine Reihe neuer Medikamente erzielt bessere Ergebnisse - sie sind dafür auch teurer: So verursacht allein das neue Krebsmittel Herceptin lediglich im Wiener Hanusch-Spital zusätzliche Kosten von 300.000 Euro im Jahr.
Immer bessere medizinisch-technische Geräte: Zum Beispiel steht man vor der Entwicklung einer neuen Generation von Computertomografen, die in der Lage sein werden, Schädigungen des Herzens frühzeitig zu erkennen und es damit zu ermöglichen, Herzinfarkte und Schlaganfälle präventiv zu behandeln.

Wir alle profitieren vom medizinischen Fortschritt. Die Lebenserwartung steigt in etwa mit jedem Jahrgang um drei Monate.

Und genau diese - an sich erfreuliche - Entwicklung verursacht wieder neue Kosten. Mehr Menschen erreichen ein Alter, in dem die Wahrscheinlichkeit für eine Pflegebedürftigkeit, aber auch für zusätzliche - kostspielige - Krankheiten steigt. So wächst das Bevölkerungssegment der über 70-jährigen rasant, Demenzerkrankungen wie Alzheimer gelten bereits als "Krankheit des 21. Jahrhunderts". Daher arbeiten Forscher fieberhaft daran, eine Kur - etwa Regeneration von Nervenzellen durch Stammzellen - zu entwickeln.

Logische Konsequenz aus dieser Entwicklung ist, dass die Defizite der Krankenkassen von Jahr zu Jahr steigen. Um diese nicht gänzlich aus dem Ruder laufen zu lassen, wird an allen Ecken und Enden gespart - so wurde etwa die Rezeptgebühr seit dem Jahr 2000 um insgesamt 36,1 % erhöht, von 3,27 auf 4,45 Euro. Die maximale Bezugsdauer des Krankengeldes wurde - von den meisten Krankenkassen - von 78 Wochen im Jahr 1999 auf 52 Wochen im Jahr 2005 gekürzt.

Die Mediziner schlagen Alarm. Die steigenden Kosten in der medizinischen Behandlung drohen Österreichs Gesundheitswesen in eine Zwei-Klassen-Medizin zu führen: hier die einkommensstarke Bevölkerungsgruppe, die sich jede teure Therapie auf eigene Kosten leisten kann; dort die breite Masse an Einkommensschwächeren, für die die Grundversorgung gerade gut genug sein muss.

Noch wird die Existenz einer derartigen Zwei-Klassen-Medizin nicht offen zugegeben. Jeder bekomme die bestmögliche Behandlung, betont etwa die zuständige Gesundheitsministerin.

Aber welche anderen Möglichkeiten gibt es, die höheren Kosten der - immer leistungsfähigeren und effektiveren - Medizin zu decken, welche andere Möglichkeiten, als dass derjenige, der es sich leisen kann, die entsprechenden Kosten privat zahlt - und die anderen eben mit der Grundversorgung vorlieb nehmen müssen.

Peter Michael Lingens zählt in der Zeitschrift "profil" folgende Maßnahmen auf, die dazu beitragen könnten, die steigenden Kosten in den Griff zu bekommen:
  • Eindämmung des Medikamentenverbrauchs durch drastische Erhöhung des Selbstbehalts, wobei "Arme" und chronisch Kranke davon ausgenommen sein sollen.
  • Verminderung der Dauer von Spitalsaufenthalten - ebenfalls durch Einhebung eines höheren Selbstbehalts.
  • Ende der "lokalpatriotischen Verteilung von Spitälern über das Bundesgebiet" - also das Schließen von Krankenhäusern.
  • Schaffung einer Konkurrenz unter den Sozialversicherungen.
  • Erhöhung des - preisdämpfenden - Wettbewerbs unter den Ärzten.

Was ist Ihre Meinung?
  • Werden vom Fortschritt der Medizin alle profitieren können?
  • Oder gibt es nur mehr eine medizinische Grundversorgung für alle, während es Spitzenmedizin nur für jene gibt, die es sich leisten können?
  • Wie soll die teurer werdende Medizin finanziert werden?
  • Durch die Erhöhung der Krankenversicherungsbeiträge?
  • Gibt es - sinnvolle - Möglichkeiten zu Einsparungen?

Befinden wir uns auf dem Weg zu einer Zwei-Klassen-Medizin?

Wie denken Sie darüber? 
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