Thema September 2005 01 / 282 22 44
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1. September - Tag der Schöpfung!?

1989, im Jahr der Europäischen Versammlung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung, erging von Patriarch Dimitros I. von Konstantinopel die Einladung an die gesamte Christenheit, am 1. September (in antiker Tradition der Beginn des neuen Jahres) "in besonderer Dankbarkeit und Achtung dem Schöpfer der Welt zu begegnen, bittend um Erlösung und Ermutigung". Seinen liturgischen Auftakt fand der Tag der Schöpfung anlässlich der 10. Vollversammlung der Konferenz Europäischer Kirchen in Prag 1992.

Im Jahr 1996 nahm die Arge Schöpfungsverantwortung diese Einladung an und beging diesen Tag erstmals als Exerzitien im Alltag. Das Europäische Christliche Umweltnetzwerk hat vorgeschlagen, den Schöpfungstag am 1. September als Beginn einer "Zeit der Schöpfung" bis zum Sonntag nach dem 4. Oktober - dem Gedenktag des Heiligen Franz von Assisi - bzw. bis zum 2. Sonntag im Oktober in den Kirchenkalender aufzunehmen.

Obwohl sich dieser Vorschlag bislang nicht flächendeckend durchgesetzt hat, haben viele Gemeinden diesen Vorschlag aufgegriffen und begehen einen "Tag der Schöpfung" bzw. eine "Zeit der Schöpfung".


Welche Gründe sprechen für einen derartigen Gedenktag?
  • Politisch: Wohl ist viel geschehen in den letzten Jahren und Jahrzehnten, was den Umweltschutz anbelangt. So gut wie jede politische Partei nimmt sich dieses Themas an. Dennoch ist noch viel zu tun, darf die ökologische Sache nicht aus den Augen verloren werden. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten werden wieder andere Prioritäten gesetzt. Auch gibt es in Entwicklungs- und Schwellenländern gewaltige ökologische Probleme (Regenwald!). Die Kirche könnten mit einem "Tag der Schöpfung" ihrer politischen Verantwortung nachkommen und ein Zeichen für die Bewahrung der Schöpfung setzen.

  • Theologisch: "Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde ...". - Wo wird diese Erfahrung des Glaubens in der Kirche regelmäßig gefeiert und neu vergegenwärtigt? Es ist offensichtlich, dass Gott, als der Schöpfer im Kirchenjahr keine zentrale Stelle einnimmt. Die großen Feste im christlichen Kalender haben Gottes "große Taten" in Christus zum Inhalt: Kreuz und Auferstehung, die Ausgießung des Heiligen Geistes und Christi Menschwerdung. Im Laufe eines Jahres feiert die Christenheit die grundlegenden Ereignisse der Offenbarung in Christus. Sie lässt sich aber zu keiner Zeit und an keinem Tag an Gott den Schöpfer erinnern. Das Kirchenjahr konzentriert sich fast ausschließlich auf den zweiten und dritten Teil des christlichen Credo. Ist nicht die Zeit gekommen, den Ablauf des Kirchenjahres neu zu überdenken?

Was ist Ihre Meinung?
  • Soll die katholische Kirche in verstärktem Ausmaße dem Beispiel der orthodoxen Kirche folgen und dem Schöpfergott einen Tag, bzw. sogar einen Zeitraum vom mehreren Wochen widmen?
  • Wäre das ein Wahrnehmen der politischen Verantwortung der Kirche oder eine unzulässige Einmischung?
  • Ist Gott, als der Schöpfer, tatsächlich unterrepräsentiert im Kirchenjahr?
  • Ist es zu begründen, warum es zwar einen Dreifaltigkeitssonntag gibt und einen Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit aber keinen Tag des Schöpfers?

1. September - Schöpfungstag?

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