Thema Mai 2005 01 / 282 22 44
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"Wirtschaftswachstum hat ein Ziel"

Im Vorfeld zu den Unterhaus-Wahlen am 5. Mai in Großbritannien hat die Organisation "Churches together in Britain and Ireland" (CTBI, "Zusammenschluss der Kirchen in Großbritannien und Irland"), in der alle größeren christlichen Kirchen vertreten sind, das Diskussionspapier "Prosperity with a Purpose" ("Wirtschaftswachstum hat ein Ziel") vorgelegt, in dem Fragen der sozialen Gerechtigkeit erörtert werden.
"Die Veröffentlichung ruft dazu auf, den Kampf gegen die Armut voranzutreiben, indem Wohlstand auf der Basis marktwirtschaftlicher Prinzipien geschaffen wird", hieß es in einer Pressemeldung. Das Dokument fordert eine neue, umfassendere Auffassung von Solidarität, verbunden mit einer tief gehenden Erneuerung der bürgerlichen Gesellschaft.

Die Kirchen erkennen in ihrem gemeinsamen Schreiben den positiven Beitrag der Marktwirtschaft an: "Unter den richtigen Bedingungen kann Wirtschaftswachstum den Zielen Gottes dienen", bekräftigen sie. Diese Bedingungen sind folgende:

-- Die Menschheit muss als eine einzige menschliche Familie betrachtet wird.

-- Das Streben nach Reichtum und nach sozialer Gerechtigkeit gehören zusammen.

-- Die Kräfte des Marktes müssen das Wirtschaftswachstum fördern und gemäß den Interessen der Gemeinschaft geregelt werden.

-- Die Umwelt ist durch effiziente Bemühungen zu schützen.

-- Niemand darf beim wirtschaftlichen Wachstum vergessen werden.

-- Weltweit soll man sich zunächst um jene Länder kümmern, deren Volkswirtschaften von internationalen Schulden belastet werden oder die Opfer ungerechter Geschäftsbedingungen sind.

-- Schließlich gehören die Strukturen der bürgerlichen Gesellschaft erneuert, so dass lokale Gemeinwesen ihre eigene Zukunft gestalten können.

Der christliche Beitrag

Das Papier beschäftigt sich auch mit dem Beitrag, den die christlichen Kirchen für die Wirtschaftspolitik leisten können. Ausgangspunkt für jeden Nachdenkprozess über den Wohlstand "muss die unveräußerliche Würde und der unermesslich hohe Wert des einzelnen Menschen sein", wird betont. Außerdem, hätten die christlichen Kirchen " auf nationaler und globaler Ebene eine gemeinsame Verpflichtung zu sozialer Gerechtigkeit. Sie entspringt der tiefen Überzeugung, dass Christus selbst ihnen gebietet, sich mit jedem Menschen zu identifizieren, ohne auf seinen Status oder seine Herkunft zu schauen, und jede Ungerechtigkeit und Unterdrückung zu bekämpfen." Soziale Gerechtigkeit bedeute nicht nur, Notleidende zu schützen, sondern gehe viel weiter: "Es geht um die gegenseitige Verantwortung auf allen Ebenen und um eine gemeinsame Verpflichtung zum Gemeinwohl."

Wirtschaftskapital und "moralisches Kapital"

Den Lebensstandard der Bevölkerung anzuheben und damit den Armen zu helfen, "ist Teil des Willens Gottes für die Menschheit. In der Tat müssen wir Christen anerkennen, dass der wirtschaftliche Fortschritt direkt und indirekt ein Hauptmotor für jeden Fortschritt und für mehr Wohlergehen im modernen Zeitalter ist, und dafür müssen wir Gott danken."
Die Förderung von Moral und Tugend in der Gesellschaft komme zwar im Besonderen den Kirchen und den Eltern zu, stellt das Dokument fest, sei aber genauso auch Aufgabe der Medien und der Gesetzgebung.

Jene Menschen, die sich für die soziale Gerechtigkeit einsetzen, werden dazu aufgerufen, ein höheres Maß an ökonomischem Sachverständnis zu erwerben, denn "wenn man moralische Prinzipien vereinfachend und ohne die erforderliche Beachtung wirtschaftswissenschaftlicher Analysen anwendet, kann dies leicht zu falschen Lösungen führen", warnt das Dokument. Deswegen müssten sich die Kirchen verstärkt der Sachkenntnisse ihrer Mitglieder bedienen, die in Wirtschaft und Unternehmensführung beheimatet sind.


Ist die christliche Lehre mit der Marktwirtschaft vereinbar?

Ist Wirtschaftswachstum und Fortschritt auf Dauer ethisch vertretbar?

Oder führt dies nicht zwangsläufig zu Ungerechtigkeit in der Verteilung des Wohlstandes?

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Quelle: Zenit
Zusammengestellt von F. Herzog