Thema Februar 2005 01 / 282 22 44
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Auch der Gleichgültige ist ein religiöser Mensch

Kardinal Poupard, Präsident des Päpstlichen Rats für Kultur hielt anläßlich einer Konferenz in Minsk (Weißrussland) einen Vortrag zum Thema "Das Christentum und die Herausforderungen des Säkularismus, des Unglaubens und des religiösen Indifferentismus". Hier ein kurzer Auszug.

Zu Beginn postulierte der Kardinal sieben Thesen:

1.) Global gesehen nimmt der Unglaube in der Welt nicht zu. Er ist ein Phänomen, das man hauptsächlich in der westlichen Welt antrifft.

2.) Der militante Atheismus nimmt ab und hat keinen bestimmenden Einfluss mehr auf das öffentliche Leben.

3.) Atheismus und Unglaube haben ein anderes Gesicht bekommen. Heute erscheinen die Phänomene mehr mit dem Lebensstil zusammen zu hängen.

4.) Der religiöse Indifferentismus bzw. der praktische Atheismus nimmt rapide zu.

5.) In jenen Gesellschaften, die von der Säkularisierung geprägt sind, finden wir eine schwindende Zahl der Kirchgänger. Die bedeutet nicht, dass der Unglaube zunimmt.

6.) Im Westen zeigt sich eine neue Suche, die eher spirituell als an eine Religion gebunden ist.

7.) Wir haben es mit einer Feindseligkeit sowohl hinsichtlich des militanten Atheismus, als auch des traditionellen Glaubens zu tun.

Der "homo indifferens" denkt: "Vielleicht existiert ja Gott nicht.
Egal, jedenfalls vermisse ich ihn nicht."

In vielen Teilen der westlichen Welt nimmt die Zahl der Kirchgänger ab, während die Zahl derer, die leben, als ob Gott nicht existierte weiter zunimmt. Paradoxerweise schwindet der 'Glaube' an den Atheismus ebenfalls und liegt nur mehr bei zwei Prozent. Die berühmten Theoretiker des Atheismus wie Nietzsche und Marx sind ziemlich aus der Mode gekommen, und niemand ist an ihre Stelle getreten.
Heutzutage besteht die Neigung, zu behaupten, Agnostizismus und skeptischer Relativismus seien die Philosophie und die grundsätzliche Einstellung, die den demokratischen Strukturen des politischen Lebens angemessen seien.

Wenn es keine letzte Wahrheit gibt, nach der sich das politische Handeln orientiert, dann können Gedanken und Überzeugugen aus Machtgründen beliebig manipuliert werden. Wie die Geschichte zeigt, verwandelt sich Demokratie ohne Werte leicht in offenen oder fadenscheinig verschleierten Totalitarismus.

Der Mensch, den wir als “homo indifferens" bezeichnen, hört nie auf, ein "homo religiosus" zu sein, er sucht nur ständig eine neue, immer wechselnde Religiosität

Säkularismus ist nicht gleichzusetzen mit Säkularisierung [d.i. Verweltlichung], und nicht alles, was nicht ausdücklich religiös ist, ist gottlos. Die transzendentale Wirklichkeit kann auch auf andere Weise aufleuchten! Ein gewisser Grad an Verständnis und Wertschätzung christlicher Kultur ist auch für einen Atheisten erreichtbar. Und dies ist der Ausgangspunkt für die heutige Evangelisierung. Evangelisierung hört nicht mit der Vergangenheit auf, sondern sie muss in die nächste Generation einfließen.

Wandelt sich der Begriff der Religiosität?

Nimmt der religiöse Indifferentismus zu?

Gibt es so etwas wie "Patchwork"-Glauben?

Wie denken Sie darüber? 
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Quellen: Zenit
Zusammengestellt von F. Herzog