Thema Jänner 2005 01 / 282 22 44
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Die Kirche - "Schutzburg" oder "belagerte Festung"?

Christen seien zwar für “menschlichere” Gesetze, damit die schwächsten Glieder der Gesellschaft geschützt werden, das bedeute aber nicht, dass sie eigene Gesetze schmieden wollen, erklärte die italienische Zeitschrift " La Civiltà Cattolica“ vor kurzem in einem Artikel mit der Überschrift "Die Kirche: Schutzburg oder belagerte Festung?".

Das Magazin geht darin der Frage nach, ob die Kirche angesichts des "heute so modernen Säkularismus ['Laizismus'], der die Kirche auf derart heftige Weise" attackiere, nun eher "eine 'Schutzburg' oder eine 'belagerte Festung'" sei.

Um die Frage beantworten zu können, wird zunächst festgehalten, dass “die Kirche nicht davon absehen sollte, die eigenen Lehren, die in der Person Jesu Christi gründen, zu bekräftigen". Sie sollte vielmehr "unterstreichen, dass ihre Lehren nicht nur eine religiöse Bedeutung haben, sondern auch eine zutiefst menschliche", heißt es im Aufsatz.

"Wir sind der Ansicht, dass Christen heute nicht überrascht oder geschockt darüber sein müssen, wenn ein ideologischer Säkularismus den Glauben und die christliche Moral ablehnt und dagegen ankämpft. Die Bedingungen, unter denen Christen in der heutigen Zeit leben, dürfen sie nicht dazu veranlassen, sich in Schweigen zu hüllen oder sich zu verschließen. Auch nicht dazu, Haltungen eines Kreuzritters anzunehmen, der gegen die moderne Welt kämpfen möchte".

"Christen müssen mit den Menschen unserer Zeit in Dialog treten.
Sie müssen im Gespräch zeigen und beweisen,
dass die Kirche dazu beitragen will,
die Gesellschaft menschlicher zu machen."

"Aufgrund des verbreiteten Säkularismus ist gegenüber Katholiken zuweilen eine wachsende Aggressivität zu verzeichnen, denn Säkularismus tendiert oft dazu, seinen säkularen Charakter zu verlieren und sich in einen ideologischen Säkularismus zu verwandeln, der dementsprechend intolerant und aggressiv ist“, so der Artikel, der in Folge zwischen Säkularität und Säkularismus unterscheidet: "Politische Säkularität richtet sich nicht gegen Religion. Vielmehr gibt sie den Religionen, die auf ihrem Territorium präsent sind, den Raum, den sie benötigen – ohne eine bestimmte Religion zu bevorzugen oder auszugrenzen.

"Säkularismus hingegen neigt stark dazu, eine Ideologie zu werden, die gegenüber Religion nicht nur eine gleichgültige, sondern eine gegengerichtete Position einnimmt, ihr gegenüber also intolerant ist. Mit dieser Haltung begegnet man besonders dem Katholizismus".

In der Folge wird dargelegt, wie als weitere Folge der beschriebenen Position Religion "in die Privatsphäre verbannt und aus allen öffentlichen Räumen und Ereignissen herausgehalten“ werde. "Das bedeutet für einen Katholiken, dass er seinen Glauben frei nach seinem Gewissen leben kann. Er kann das auch an Stätten tun, die für den Gottesdienst bestimmt sind. Aber er wird davon abgehalten, seine moralischen und religiösen Überzeugungen auszudrücken, besonders wenn es sich um jemanden handelt, der ein öffentliches Amt bekleidet."
Zudem bedeute das, dass man der Rolle der katholischen Religion bei der Grundlegung der europäischen Zivilisation keine Anerkennung zollt. Doch weshalb diese große Angst vor Katholiken?, fragen sich die Autoren. Weil man Angst davor habe, dass "Katholiken ihre ethischen Prinzipien auf dem Weg der Gesetze durchsetzen wollen und somit zum Stolperstein derer würden, die eine weitgehende Liberalisierung von Gewohnheiten praktizieren."

“Das Evangelium, das die Kirche verkündet, ist das Evangelium des Lebens.
Es ersehnt die Erfüllung und das Glück der Menschen
in einer aufstrebenden Gesellschaft."


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Quellen:
Zenit

Zusammengestellt von F. Herzog