Die Kirche - "Schutzburg" oder "belagerte Festung"?
|
| Christen seien zwar für “menschlichere” Gesetze,
damit die schwächsten Glieder der Gesellschaft geschützt
werden, das bedeute aber nicht, dass sie eigene Gesetze schmieden
wollen, erklärte die italienische Zeitschrift " La Civiltà
Cattolica“ vor kurzem in einem Artikel mit der Überschrift
"Die Kirche: Schutzburg oder belagerte Festung?".
Das Magazin geht darin der Frage nach, ob die Kirche angesichts
des "heute so modernen Säkularismus ['Laizismus'], der
die Kirche auf derart heftige Weise" attackiere, nun eher
"eine 'Schutzburg' oder eine 'belagerte Festung'" sei.
|
|
Um die Frage beantworten zu können, wird zunächst
festgehalten, dass “die Kirche nicht davon absehen
sollte, die eigenen Lehren, die in der Person Jesu Christi gründen,
zu bekräftigen". Sie sollte vielmehr "unterstreichen,
dass ihre Lehren nicht nur eine religiöse Bedeutung
haben, sondern auch eine zutiefst menschliche",
heißt es im Aufsatz.
|
|
|
|
"Wir sind der Ansicht, dass Christen heute nicht überrascht
oder geschockt darüber sein müssen, wenn ein ideologischer
Säkularismus den Glauben und die christliche Moral ablehnt
und dagegen ankämpft. Die Bedingungen, unter denen
Christen in der heutigen Zeit leben, dürfen sie nicht dazu
veranlassen, sich in Schweigen zu hüllen oder sich zu verschließen.
Auch nicht dazu, Haltungen eines Kreuzritters anzunehmen, der
gegen die moderne Welt kämpfen möchte".
|
"Christen müssen mit
den Menschen unserer Zeit in Dialog treten.
Sie müssen im Gespräch zeigen und beweisen,
dass die Kirche dazu beitragen will,
die Gesellschaft menschlicher zu machen." |
|
"Aufgrund des verbreiteten Säkularismus
ist gegenüber Katholiken zuweilen eine wachsende Aggressivität
zu verzeichnen, denn Säkularismus tendiert oft dazu, seinen
säkularen Charakter zu verlieren und sich in einen ideologischen
Säkularismus zu verwandeln, der dementsprechend intolerant
und aggressiv ist“, so der Artikel, der in Folge zwischen
Säkularität und Säkularismus unterscheidet: "Politische
Säkularität richtet sich nicht gegen Religion.
Vielmehr gibt sie den Religionen, die auf ihrem Territorium präsent
sind, den Raum, den sie benötigen – ohne eine bestimmte
Religion zu bevorzugen oder auszugrenzen.
"Säkularismus hingegen
neigt stark dazu, eine Ideologie zu werden, die gegenüber
Religion nicht nur eine gleichgültige, sondern eine gegengerichtete
Position einnimmt, ihr gegenüber also intolerant ist. Mit
dieser Haltung begegnet man besonders dem Katholizismus".
|
|
|
|
In der Folge wird dargelegt, wie als weitere Folge
der beschriebenen Position Religion "in die Privatsphäre
verbannt und aus allen öffentlichen Räumen und Ereignissen
herausgehalten“ werde. "Das bedeutet für
einen Katholiken, dass er seinen Glauben frei nach seinem Gewissen
leben kann. Er kann das auch an Stätten tun, die für
den Gottesdienst bestimmt sind. Aber er wird davon abgehalten,
seine moralischen und religiösen Überzeugungen auszudrücken,
besonders wenn es sich um jemanden handelt, der ein öffentliches
Amt bekleidet." |
Zudem bedeute das, dass man der Rolle der katholischen
Religion bei der Grundlegung der europäischen Zivilisation
keine Anerkennung zollt. Doch weshalb diese große Angst vor
Katholiken?, fragen sich die Autoren. Weil man Angst davor habe,
dass "Katholiken ihre ethischen Prinzipien auf dem
Weg der Gesetze durchsetzen wollen und somit zum Stolperstein derer
würden, die eine weitgehende Liberalisierung von Gewohnheiten
praktizieren."
|
|
|
“Das Evangelium, das die Kirche verkündet, ist
das Evangelium des Lebens.
Es ersehnt die Erfüllung und das Glück der Menschen
in einer aufstrebenden Gesellschaft."
|
Kann Glaube Privatsache sein?
Kann es eine echte Trennung von Kirche und Staat geben?
Wo sind die Grenzen zu ziehen und wo kann es sinnvolle
Ergänzungen geben?
Wie denken Sie darüber?
Schreiben Sie uns Ihre Meinung in unser
FORUM
Quellen:
Zenit
Zusammengestellt von F. Herzog
|