Thema Dezember 2004 01 / 282 22 44
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"Management & Spiritualität"

Jährlich gehen für zwei Tage Zukunftsforscher, führende Manager, Vertreter der Weltreligionen und Glaubensgemeinschaften gemeinsam mit Ethikern, Philosophen, Psychologen und Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlern im Rahmen des "Laxenburger Forums" der Frage nach, welche Werte für die Zukunft handlungsleitend sein können, um den Anforderungen nach verantwortungsvollem Handeln im Wirtschaftsleben gerecht zu werden.

Um in Zeiten schneller Veränderungen und steigender Komplexität die Orientierung zu behalten und nicht vom Wirbel der Ereignisse mitgezogen zu werden, braucht es eine klare innere Verankerung, eine Ausrichtung an einen größeren Sinn und daraus resultierende Werte zur gemeinsamen Struktur- und Orientierungsgebung.

"Eine Gesellschaft der Ich-Aktionäre ist die Bankrotterklärung jedes Wirtschaftens, das immer in einem sozialen Kollektiv vollzogen wird."

Michael Tomaschek

Das Symposion in Laxenburg widmete sich wirtschaftsethischen Fragen, der spirituellen Dimension des Wirtschaftens und den Zugängen der Weltreligionen in diesem Bereich. Eingangs stellte der Wiener Philosoph Konrad Paul Liessmann fest, dass Managementkriterien heute nicht nur für Betriebe, die Wirtschaftsgüter produzieren oder Dienstleistungen anbieten, sondern für alle Bereiche des Denkens, Fühlens und Handelns gelten würden. Die "heiligen Prinzipien der modernen Ökonomie" wie globaler Wettbewerb, Effizienz, Gewinnmaximierung müssten radikal in Frage gestellt, zumindest aber auf jenen Bereich der Gesellschaft beschränkt werden, in dem sie legitimerweise zuhause sind.

Motivationstrainer trimmen uns auf einen "Siegertyp". Erfolg und Wohlbefinden sind längst zu Synonymen geworden; Erfolglose haben ihren Anspruch auf ein geglücktes Leben verwirkt. Dahinter steht ein zentrales Phänomen unserer Zeit: der "Machbarkeits-Mythos". Und plötzlich erleben wir, dass wir eigentlich nur für Höhenflüge trainiert sind und so gut wie gar nicht für Enttäuschungen und Niederlagen.

Ich glaube, wir alle kämen ziemlich rasch ins Dilemma, sollten wir einmal gezwungen sein, unser persönliches Lebensziel in einem Satz zu formulieren.

Heinz Nußbaumer

"Wellness" gilt heute als wichtigste Voraussetzung dafür, das Glück zu finden: Dieser Konzeption hielt der katholische Publizist Heinz Nußbaumer die Weisheit der monastischen (= mönchischen d.V.) Tradition Europas entgegen. Sie biete einen "Schatz an Lebenserfahrungen und Sinnstiftung, der anderswo wohl nicht mehr abzuholen ist". Er selbst reise seit 16 Jahren in ein Kloster auf dem Berg Athos, "anfangs aus Neugierde und aus Flucht vor der permanenten Erreichbarkeit, später aus Faszination und Sehnsucht nach einer Gegenwelt".
Den Mönch in sich entdecken könnten heutige Zeitgenossen, die sich inmitten von so viel Fortschritt mehr und mehr unbehaust und überfordert fühlen, auch ohne Klostermauern, ohne Kutte und ohne radikalen, bis an die Wurzeln des Menschseins gehenden Selbstanspruch. Notwendig sei die Bereitschaft, "ein wenig von den Quellen dieses großen Stromes menschlicher Überlieferung zu lernen", um "das Spiel der Welt nicht unbesehen mitzumachen".
Der Theologe Wolfgang Palaver betrachtete in seinem Vortrag die typischen Probleme des Firmenalltags. Rivalitöätskämpfe, Neid, Eifersüchteleien, die Energie einer Firma aufzehren. Seine Theorie geht davon aus, dass Neid und Konkurrenz im im nachahmenden Beghren wurzeln. "Erst wenn wir unser Leben demütig auf Gott auzurichten beginnen, verliert das nachahmende Begehren sein Zerstörungspotential. Konkurrenz entartet dann nicht mehr in zerstörerischen Neid, sondern hilft das eigene kreative Potential zu entfalten."

Ist Spiritualität im beruflichen und wirtschaftlichen Alltag lebbar?

Läßt sich ökonomisches Denken und ethisches Handeln "unter einen Hut bringen"?

Hemmt oder fördert Spiritualität wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschritt?

Wie denken Sie darüber? 
Schreiben Sie uns Ihre Meinung in unser FORUM

Quellen:
Laxenburger Forum
Stephanscom

Zusammengestellt von F. Herzog