"Chancen des Christlichen in einer ökonomisierten Welt
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Der große evangelische Theologe Dieter Bonhoeffer
prophezeite dem Christentum, in einer Welt auftreten
zu müssen, die ohne Gott auskommen wird. Diese Welt scheint
im so genannten Westen Wirklichkeit zu werden. Und
sie tut es mehr, als es sich Bonhoeffer in den 30er und 40er
Jahren des 20.Jahrhunderts vorstellen konnte. In etlichen Bereichen
unserer westlichen Kultur(en) – in der Wirtschaft, auf
dem Finanzmarkt, in der Politik, in der Wissenschaftsszene,
innerhalb der Medienimperien – haben sich bereits Spielregeln
durchgesetzt, die jeder, der darin mitmacht, einhalten muss,
ob er will oder nicht. Die Frage,die sich nunmehr stellt, lautet:
Lassen diese Spielregeln noch Platz für Ethik im Allgemeinen
und für christliches Verhalten im Speziellen? Gibt es in
ihrem Rahmen noch eine Chance für eine Verwirklichung christlicher
Überzeugungen?
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Kirche muss mit moderner Welt "auf Augenhöhe"
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Für eine Kirche, die mit der modernen Welt
"auf Augenhöhe" ist, hat der Bischof von Trier,
Reinhard Marx, in seinem Eröffnungsvortrag bei den diesjährigen
"Salzburger Hochschulwochen" plädiert. Bischof
Marx warnte vor einer ausschließlich negativen Sicht der
Moderne. Die Achillesferse des modernen Staates seien
Freiheitsentscheidungen, die nicht erzwungen werden können,
wie etwa die Entscheidung, eine Ehe zu schließen und Kinder
zu zeugen und großzuziehen. Man müsse sich daher in
Europa fragen, "ob die Voraussetzungen für gelungenes
Menschsein gegeben sind, ohne sie jemand aufzuzwingen". |

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Reiche werden immer reicher und Freche immer frecher
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Der Generaldirektor der Raiffeisenbank Salzburg,
Manfred Holztrattner sprach zum Thema Arm und Reich. Denn in einem
genossenschaftlich organisierten Unternehmen, das seinen Mitgliedern
verpflichtet ist, sieht man im gegenwärtigen Wirtschaften
eine falsch verstandene Form der Marktwirtschaft. "Reiche
werden immer reicher und Freche immer frecher" aber wenn
man meine, man könne nichts dagegen tun, "so ist das
sicher das falsche Rezept". Vertrauen, Ehrlichkeit, Verlässlichkeit
seien im internationalen Wirtschaftsleben kaum noch zu erkennen.
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| Die Folgen dieser Form des Wirtschaftens sieht der Raika-Chef
pessimistisch: "Es ist eine neue moralische Kompetenz
in Politik und Wirtschaft zu entwickeln. Deregulierung, Privatisierung
und Liberalisierung haben alle Schleusen geöffnet." |
Mehr Freiheit - weniger Festigkeit
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Der St. Gallener Soziologe Peter Gross wies bei
seinem Vortrag besonders auf die Probleme des heutigen Menschen
mit seiner Freiheit hin. Die moderne Gesellschaft sei eine "Multioptionsgesellschaft",
so Gross. Unter den Bedingungen der totalen Freiheit sei
es aber schwieriger geworden, "Festigkeit" im Leben
zu finden. Vielmehr sei es zur "gigantischen Vervielfältigung
von Wahl- und Handlungsmöglichkeiten" gekommen. Das
betreffe die Menschen nicht nur als Konsumenten und Kunden. Auch
"Theorien, Weltanschauungen und Führungslehren"
stünden heute in inflationärer Weise zur Auswahl.
Wenngleich nicht alle Menschen die heutige Freiheit und Vielfalt
nutzen könnten, gebe es das "Prinzip der Wahlmöglichkeit".
Darin unterscheide sich die heutige Gesellschaft von früheren.
Kennzeichen dieser Gesellschaft sei auch die "Enttraditionalisierung".
Als ein Beispiel nannte Gross den Wegfall von Regeln bei den Feiern
an Lebensübergängen, die früher bis ins Detail
festgelegt waren. Einzig die Kirche habe heute noch Erfolg
mit dem Argument: "Wir machen das, weil wir das immer so
gemacht haben", so Gross. |
Welche Chancen haben Christen in einer zunehmend ent-christlichten
Welt ?
Wie können Christen solidarisch sein in einer ent-solidarisierten
Gesellschaft?
Wie denken Sie darüber?
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FORUM
Zusammengestellt von F. Herzog
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