"Proletariat unter Jugendlichen"
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| Die katholischen Bischöfe in Deutschland
warnen vor der Entstehung eines "Proletariats unter Jugendlichen".
Die Kirche rufe alle Verantwortlichen in Staat, Gesellschaft und
Wirtschaft auf, Lösungen zu suchen und umzusetzen, heißt
es in einem Positionspapier der Bischofskonferenz. Der Vorsitzende
der Kommission für Erziehung und Schule, der Münchner
Weihbischof Engelbert Siebler, stellte das Papier "Den
Schüler stark machen - neue Wege in (Haupt-) Schule und Beruf"
in Hamburg vor. |
| Jeder fünfte Jugendliche
verlässt in Deutschland die Schule ohne Abschluss
oder bricht die Ausbildung ab. Diese Jugendlichen werden oft als
nicht ausbildungsfähig kategorisiert, weil ihnen die Grundlagen
in den Kulturtechniken und persönlichen Eigenschaften wie
Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit fehlen. Schließlich
bleibt jeder siebente Jugendliche (14 %) gänzlich ohne Berufsausbildung.
Hinzu kommt ein sich verschärfendes soziales Gefälle:
Kinder aus gut situierten Verhältnissen stehen leistungsmäßig
besser da als Kinder aus sozial schwachen Familien. Die soziale
Ungleichheit erschwert die Förderung der „vergessenen
Jugendlichen“.
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Wer kümmert sich um diese vernachlässigten oder
benachteiligten Jugendlichen?
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Die Schule stößt
an ihre Grenzen. In aller Regel sind diese Jugendlichen
schulmüde oder frustriert, weil sie oft kein oder nur selten
ein Erfolgserlebnis haben. Die Schulen haben häufig nicht
die erforderlichen Möglichkeiten, um die fehlenden Kompetenzen
und die sozialen Defizite allein aufzuarbeiten.
Die Arbeits- und Sozialverwaltung bietet berufsvorbereitende oder
sozialbetreuende Maßnahmen an, aber oft werden diese schulähnlichen
Angebote nicht angenommen, nicht ausreichend genutzt oder abgelehnt,
weil diese Jugendlichen meist die Schule „satt haben“.
Die Wirtschaft ist in aller Regel nicht bereit, Jugendliche
mit Defiziten im Sozialverhalten und mangelndem Wissen und Können
für eine geordnete Ausbildung aufzunehmen, weil
sie nicht die qualitativen und menschlichen Voraussetzungen für
eine erfolgreiche praktische Ausbildung mitbringen. |
Eine vergessene Generation von
Schülern und Jugendlichen
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Mit Sorge ist die Entwicklung einer Gruppe von
Kindern und Jugendlichen zu beobachten, denen die gegebene Bildungs-
und Erziehungssituation in Deutschland keine gerechten Möglichkeiten
der Integration in unser Gesellschafts- und Arbeitsleben eröffnet.
Trotz des differenzierten Schul- und Bildungsangebots in den deutschen
Ländern sind die einzelnen Schulformen und Schulen nur unzureichend
darauf vorbereitet, angemessene Lern- und Leistungsangebote für
diese Mädchen- und Jungen zu entwickeln. |

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Ein freies, demokratisches Gemeinwesen
kann es nicht hinnehmen, dass ein hoher Prozentsatz der Jugendlichen
in schulischer Hinsicht vernachlässigt wird und bleibt.
Sowohl für den Einzelnen als auch für die Zukunft von
Staat und Wirtschaft und Gemeinschaft ist es unerträglich,
wenn sich viele junge Menschen in der Schule nicht qualifizieren
für einen Einstieg ins Berufsleben und frustriert aus der
Schule hervorgehen. Dies zu ändern, ist aber von
der Schule allein nicht zu leisten. Es muss zu einer
gesamtgesellschaftlichen Aufgabe werden, der sich alle relevanten
Einrichtungen und Gruppierungen stellen müssen. Die Schule
muss aufgrund neuer bzw. anderer Rahmenbedingungen in die Lage
versetzt werden, dass alle jungen Menschen eine umfassende und
qualifizierende Erziehung und Bildung erfahren, auf der sie ihr
Leben in persönlicher und beruflicher Hinsicht aufbauen können. |
| Es fehlt an einem schlüssigen Konzept
für alle, die an der Sozialisation, Erziehung und Ausbildung
solcher Jugendlichen beteiligt sind. Die Katholische Kirche
sieht durchaus ihre Aufgabe als Schulträger auf diesem Feld,
aber noch weit mehr als „Fürsorger“ für diese
vergessenen Jugendlichen. Sie will und muss – aus christlicher
Nächstenliebe – mahnend und ermutigend auf diese Generation
aufmerksam machen. Es darf kein Proletariat unter Jugendlichen
entstehen, das in das soziale und gesellschaftliche Abseits abdriftet
– mit allen negativen Folgen für diese Menschen und die
gesamte Gesellschaft. Deshalb macht sich die Kirche zum Anwalt dieser
vergessenen Jugendlichen und ruft alle Verantwortlichen in Staat,
Gesellschaft und Wirtschaft auf, gemeinsam nach Lösungen zu
suchen und diese zügig umzusetzen. |
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Die soziale Schere zwischen Arm und Reich geht immer
mehr auf. Dies steht oft in direktem Zusammenhang mit Bildung. Jugendarbeitslosigkeit,
Jugendkriminalität steigen ständig. Wohin wir dieser Weg führen?
Welche Zukunft hat die "no-future-generation"?
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FORUM
Zusammengestellt von F. Herzog
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