Thema April 2004 01 / 282 22 44
pfarre.stadlau@donbosco.at

Atheismus und religiöse Gleichgültigkeit

Der Vatikan führte kürzlich weltweit eine Umfrage über Atheismus und religiöse Indifferenz durch. Das Ergebnis dieser Untersuchung des Päpstlichen Rates für die Kultur zeigt, dass der Atheismus zurückgeht, während die religiöse Gleichgültigkeit und die „alternativen Religionen“ sich im Aufwind befinden. Vor allem in der westlichen Gesellschaft wurde der militante und organisierte Atheismus früherer Zeiten abgelöst von einer Situation praktischer Indifferenz, vom Bedeutungsverlust der Gottesfrage und von der Aufgabe der Religionsausübung, wird im Bericht festgehalten. „Der Glaube an Gott“ sei jedoch nicht „aufgegeben worden“.

Die Studie wurde anhand eines „Fragebogens über den Unglauben“ vorbereitet, den Korrespondenten des Rates aus allen fünf Kontinenten beantwortet haben. Die aktualisierte „Landkarte“ des Unglaubens, die von der Studie gezeichnet wurde, kommt zu sechs Schlussfolgerungen, die von Kardinal Paul Poupard, Präsident des Päpstlichen Rates für die Kultur, auf einer Pressekonferenz vorgestellt wurden.

(1) Der Unglaube in der Welt nimmt nicht zu. Er ist ein Phänomen, das vor allem die westliche Gesellschaft betrifft. Sie zeichnet sich nicht in den asiatischen, lateinamerikanischen, oder afrikanischen Weltteilen ab und in ganz geringerem Maß in den muslimischen Weltteilen.
(2) Der militante Atheismus ist im Rückgang begriffen und übt keinen politischen Einfluss aus, mit Ausnahme der Staaten, in denen noch immer ein atheistisches politisches System herrscht. Dahingegen ist vor allem in Europa das Aufkeimen eines gewissen militanten Laizismus zu beobachten.
(3) Die religiöse Gleichgültigkeit und der praktische Atheismus sind im Wachstum begriffen. Die Grenzen zwischen Agnostikern und nichtpraktizierenden Gläubigen werden fließend und es entsteht ein Umfeld, in dem man faktisch so lebt, als würde Gott nicht existieren.

(4) Atheismus und Unglaube, traditionelle Phänomene, die vermehrt bei Männern, im urbanen Umkreis und der kulturellen Mittelschicht zu beobachten waren, breitet sich heute auch unter den berufstätigen Frauen aus: Unter ihnen wächst der Unglaube und erreicht ein fast gleich hohes Niveau wie bei den Männern.
(5) Überall nimmt die Anzahl der Personen ab, die regelmäßig in die Kirche gehen. Es bedeutet nicht ein Ansteigen des Unglaubens, sondern eher die Transformation der Religionsausübung und der Art des Glaubens: man glaubt, ohne einer Religion anzugehören.
(6) Gleichzeitig ist auch eine neue Suche nach Geistigem im Aufschwung, nicht nach Religiösem. Nicht selten ist sie mit dem Rückgang traditioneller Religionspraktiken verbunden.
Die Herausforderungen durch den Dialog mit Nichtglaubenden seien in den letzten Jahren signifikant angestiegen. Die Kirche müsse sich diesen Herausforderungen stellen - der Globalisierung, dem Einfluss der elektronischen Medien, der Entstehung neuer Sekten sowie dem Fehlen von wirksamen Medien, durch die der Glaube verbreitet werden kann. Um eine Neuevangelisierung durchführen zu können, müsse die Kirche zuallererst das weitverbreitete Desinteresse an religiösen Fragen überwinden, ist Poupard überzeugt: Die Ära, die für den Menschen am gefährlichsten sei, sei "nicht jene, die die Wahrheit verleugnet, sondern jene, die sich nicht um die Wahrheit kümmert".

Als Gegenmaßnahmen schlägt er vor: „eine neue Präsenz der Kirche in der öffentlichen Diskussion“, „eine neue Sprache, die den Verstand und das Herz erreicht“, „eine Initiation im christlichen Glauben, die von der Familie und der Gemeinschaft der Gläubigen gestützt wird und die ihre Fortsetzung in gemeinsam unterhaltenen Erziehungseinrichtungen findet. Es geht darum „die Liebe Christi, des Erlösers der Welt,“ miteinander zu teilen.


Atheismus schwindet und Gleichgültigkeit steigt.

Wie soll die Kirche auf diese neue Situation reagieren?

Wie denken Sie darüber? 
Schreiben Sie uns Ihre Meinung in unser FORUM

Quellen:
zenit
kath.net

Zusammengestellt von F. Herzog