Thema März 2004 01 / 282 22 44
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Aufbau, Umbau, Rückbau?

Die Zukunft der Kirche

Zunehmende Entfremdung großer Bevölkerungsteile von der Kirche, Überalterung und Kirchenaustritte, gepaart mit oftmals unprofessionellen Finanzgebarungen führen in vielen Diözesen zu immer größer werdenden finanziellen Problemen. Jüngstes Beispiel ist die Diözese Berlin, die in äußerst ernsten finanziellen Problemen steckt und de facto zahlungsunfähig ist. Andere Diözesen werden wahrscheinlich folgen und auch vor Österreich wird diese Entwicklung nicht Halt machen. Hinzu kommen Probleme wie Priestermangel und vermehrte pastorale Probleme in vielen Bereichen der Kirche. Wie ist damit umzugehen? Welchen Ausweg gibt es aus der Krise?

Auf "beunruhigend hilflose Weise" reagiert die katholische Kirche in Deutschland nach Ansicht des Wiener Pastoraltheologen Prof. Paul Zulehner auf die aktuellen Herausforderungen. Sich angesichts von Priestermangel und Finanznöten auf eine "Kernidentität" zu beschränken, sei zwar "betriebswirtschaftlich intelligent, zugleich aber pastoral verheerend", schreibt Zulehner in der neuesten Ausgabe der "Herder Korrespondenz".
Die Zahl der Seelsorgeeinheiten werde der Zahl der für die Pfarrseelsorge verfügbaren Priester angeglichen, was zu seelsorglichen "Megaräumen" führe, so der Theologe. In den pastoralen Großräumen verliere Seelsorge ihre Nähe zu den "Lebensgeschichten", werde aber zugleich immer mehr "betriebsförmig". "Die derzeitige Entwicklung führt zu einer schleichenden Reklerikalisierung des Kirchenbetriebs", schreibt Zulehner. Der Priestermangel sollte nicht vom Klerus, sondern von den Gemeinden her angegangen werden.
Zu den Finanzproblemen der deutschen Diözesen sagte der Theologe, Hauptziel der Diözesen sei, "den Kirchenbetrieb auf jene Größe zurückzufahren, der wieder ohne schlaflose Nächte von Finanzkammerdirektoren finanzierbar ist". Das oberste Gestaltungsprinzip des Kirchenbetriebs sei offensichtlich "betriebswirtschaftliche Vernunft". Theologische Rücksichtnahmen träten weit in den Hintergrund. Saniert und damit stabilisiert werde das "untergehende Kirchensystem".

Die Umbaukrise der Kirche ist tief – und eine grosse Chance

Die überlieferte Sozialform der Kirche sei zwar derzeit am Untergehen, aber es sei dies die grosse Chance zu einem "qualitativ neuen Sprung nach vorne", sagt der bekannte Wiener Pastoraltheologe Paul Michael Zulehner im Interview mit der Presseagentur Kipa. Die Zukunft sei allerdings noch weit weg, mutmasst er. Denn viele kirchliche Planungseinrichtungen seien noch viel zu sehr mit der "Finanzierbarkeit des altes Betriebes" beschäftigt.

Die Kirche steckt in unseren Breitengraden in einer tiefen Umbaukrise. Mit Sicherheit geht jetzt vor unseren Augen diese für die Kirche sehr komfortable Zeit endgültig zu Ende, in der Staat und Gesellschaft mit allen kulturellen Mitteln das christliche Leben garantiert haben. In diesem christentümlichen Europa gehörte das Christentum so sehr zum normalen Leben, dass man es eine kulturelle Selbstverständlichkeit genannt hat. Weltweit ist dies eine Ausnahmesituation, dass ein ganzer Kontinent das Christentum tradiert - und die Kirche dazu eigentlich gar nichts Erhebliches beitragen muss.
Wir leben heute in einer nachchristlichen Kultur. Das heisst nicht, dass dies eine christentumsfeindliche Kultur ist, aber diese Kultur verlangt dem einzelnen Bürger eine Entscheidung ab. Und so sind wir, um es mit Karl Rahner zu sagen, vom "Nachwuchs-Christentum zum "Wahl-Christentum" gelangt.
In dieser Situation muss man nun aber sagen: Tut die Kirche so, als wäre alles schon getan und man müsste sozusagen nur den Betrieb am Leben erhalten, dann irrt sie sich, weil diese Gestalt von Kirche nun zu Ende geht.
Mit dem Untergehen meine ich also dies: Es wird nicht die Kirche untergehen, aber eine bestimmte historische, komfortable soziale Gestalt der Kirche geht vor unseren Augen zu Ende. Das Aufbrechen bedeutet also: Die Kirche muss eine neue Sozialform entwickeln.

Mitgliederschwund, Priestermangel, finanzielle Engpässe. Zweifellos befindet sich die Kirche in einer schwierigen Phase des Umbaus.

Doch wie soll sie auf die Veränderungen reagieren?

Was wäre zu tun, um auch in diesen schwierigen Zeiten die Menschen zu erreichen?

Wie denken Sie darüber? 
Schreiben Sie uns Ihre Meinung in unser FORUM

Quellen:
kathpress
Uni-Wien Inst.f. Pastoraltheologie
Herderkorrespondenz

Zusammengestellt von F. Herzog