Thema Februar 2004 01 / 282 22 44
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Kopftuch, Kippa, Kruzifix

Der Streit um religöse Symbole

Die französische Regierung hat eine Gesetzesinitiative zum Verbot islamischer Kopftücher und anderer auffälliger religiöser Zeichen an öffentlichen Schulen veröffentlicht. Solche Zeichen seien insbesondere das islamische Kopftuch, die jüdische Kippa und das christliche Kreuz "in offensichtlich übergroßer Dimension".
In den öffentlichen Schulen wird demnach das Tragen von Zeichen und Kleidungsstücken verboten, mit denen auf "auffällige" Weise die religiöse Zugehörigkeit der Schüler deutlich gemacht wird. In den Erläuterungen zu dem Gesetzesentwurf heißt es, durch auffällige religiöse Zeichen werde die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft "unmittelbar" erkennbar.

Der französische Staatspräsident Jacques Chirac ist Befürchtungen entgegen getreten, der Staat wolle die Religionsfreiheit einschränken. Das geplante Gesetz zum Verbot "aufdringlicher" religiöser Zeichen in den öffentlichen Schulen solle nicht die Grenzen der weltanschaulichen Neutralität des Staates verschieben, sagte Chirac laut Kathpress beim Neujahrsempfang für die Vertreter der Religionsgemeinschaften in Paris. Frankreich wolle vielmehr die Religionsfreiheit schützen und Intoleranz in jeder Form entgegentreten.
Lehrerinnen in Baden-Württemberg werden in Zukunft zwar christliche Symbole wie Kreuze tragen dürfen aber kein muslimisches Kopftuch. Auch jüdische Kippas werden an der Schulen weiterhin erlaubt sein. In der Begründung zu dem Gesetz heißt es, aufgrund der Regelung sei das Tragen eines Kopftuchs unzulässig, weil zumindest ein Teil seiner Befürworter damit "eine mindere Stellung der Frau als auch eine fundamentalistische, kämpferische Stellungnahme für ein theokratisches Staatswesen" verbindet. Demgegenüber dürften Lehrer christliche und jüdische Symbole wegen der in der Landesverfassung verankerten "christlichen und abendländischen Erziehungswerte" weiterhin tragen. Das muslimische Kopftuch ist nach Meinung der württembergischen Kultusministerin ist "nicht nur ein religiöses, sondern vor allem ein politisches Symbol".
Die Debatte um das Verbot islamischer Kopftücher und anderer "provokativ zur Schau gestellter religiöser Symbole" in Frankreichs staatlichen Schulen hat die Menschen in der arabischen Welt fast noch mehr in Rage gebracht, als die von dem geplanten Gesetz direkt betroffenen französischen Musliminnen. Dabei herrscht sogar an türkischen Hochschulen ein Kopftuch-Verbot. Im muslimischen Tunesien können Kopftuchträgerinnen im Staatsdienst nicht Karriere machen und auch Nachrichtensprecherinnen in Ägypten und Libanon haben es schwer, wenn sie mit dem Kopftuch vor die Kamera wollen.
Als Scheich Mohammed Sajjid Tantawi, das Oberhaupt der angesehenen islamischen Al-Azhar-Universität in Kairo, vor einigen Tagen erklärte, das Kopftuch sei zwar eine religiöse Pflicht, den französischen Musliminnen dürfe aber kein Vorwurf gemacht werden, falls sie es wegen eines staatlichen Verbots der Franzosen ablegten, brach in Ägypten ein Proteststurm los. Aufgebrachte Anhänger der Muslimbruderschaft forderten den Rücktritt Tantawis, der mit seinem Kommentar ihrer Ansicht nach das Ansehen der wichtigsten religiösen Institution des sunnitischen Islam beschädigt hatte.

Papst sieht Gefahr für Religionsfreiheit

Johannes Paul II. hatte beklagt, in jüngster Zeit sei "in einigen Ländern" eine Haltung zu beobachten, die zu einer Gefahr für die umfassende Respektierung der Religionsfreiheit werden könne. Zwar werde der persönliche Glaube überall respektiert, doch gelte dies nicht für die "gesellschaftliche Dimension der Religionen". Offenbar in Anspielung auf Frankreich und Belgien führte Johannes Paul II. aus, man berufe sich bei dieser Tendenz oft auf das Prinzip der "Laizität". Man müsse aber zwischen "Laizität" und "Laizismus" unterscheiden.

Scheich Tantawi und
Papst Johannes Paul II

Der Pariser Kardinal Jean-Marie Lustiger hat die französische Regierung vor einer durch das „Kopftuchgesetz“ ausgelösten Religionskrise gewarnt. Das Gesetz, das religiöse Symbole in öffentlichen Schulen verbietet, öffne „unfreiwilligen Brandstiftern“ Tür und Tor, sagte Lustiger gegenüber dem Radio France-Inter. Er habe Dutzende von Berichten aus dem ganzen Land erhalten, wonach in jüngster Zeit Christen belästigt wurden, weil sie ein Kreuz trugen.

Wie weit kann und darf die Trennung von Religion und Staat gehen?

Kann Religion (vgl. 1Kor 1,23), können religiöse Symbole eine Provokation sein?

Oder können äußere Zeichen der Religiosität auch Zeichen der Unterdrückung und Geringschätzung sein?

Wie denken Sie darüber? 
Schreiben Sie uns Ihre Meinung in unser FORUM

Quelle:kathnet
religion.orf.at

Zusammengestellt von F. Herzog