Kopftuch, Kippa, Kruzifix
Der Streit um religöse Symbole
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Die französische Regierung
hat eine Gesetzesinitiative zum Verbot islamischer Kopftücher
und anderer auffälliger religiöser Zeichen
an öffentlichen Schulen veröffentlicht. Solche Zeichen
seien insbesondere das islamische Kopftuch, die jüdische
Kippa und das christliche Kreuz "in offensichtlich übergroßer
Dimension".
In den öffentlichen Schulen wird demnach das Tragen von Zeichen
und Kleidungsstücken verboten, mit denen auf "auffällige"
Weise die religiöse Zugehörigkeit der Schüler deutlich
gemacht wird. In den Erläuterungen zu dem Gesetzesentwurf
heißt es, durch auffällige religiöse Zeichen
werde die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft "unmittelbar"
erkennbar.
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| Der französische Staatspräsident
Jacques Chirac ist Befürchtungen entgegen getreten, der Staat
wolle die Religionsfreiheit einschränken. Das geplante Gesetz
zum Verbot "aufdringlicher" religiöser Zeichen in
den öffentlichen Schulen solle nicht die Grenzen der weltanschaulichen
Neutralität des Staates verschieben, sagte Chirac
laut Kathpress beim Neujahrsempfang für die Vertreter der Religionsgemeinschaften
in Paris. Frankreich wolle vielmehr die Religionsfreiheit
schützen und Intoleranz in jeder Form entgegentreten.
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Lehrerinnen in Baden-Württemberg
werden in Zukunft zwar christliche Symbole wie Kreuze tragen dürfen
aber kein muslimisches Kopftuch. Auch jüdische Kippas werden
an der Schulen weiterhin erlaubt sein. In der Begründung zu
dem Gesetz heißt es, aufgrund der Regelung sei das
Tragen eines Kopftuchs unzulässig, weil zumindest ein Teil
seiner Befürworter damit "eine mindere Stellung der Frau
als auch eine fundamentalistische, kämpferische Stellungnahme
für ein theokratisches Staatswesen" verbindet. Demgegenüber
dürften Lehrer christliche und jüdische Symbole wegen
der in der Landesverfassung verankerten "christlichen und abendländischen
Erziehungswerte" weiterhin tragen. Das muslimische
Kopftuch ist nach Meinung der württembergischen Kultusministerin
ist "nicht nur ein religiöses, sondern vor allem ein politisches
Symbol". |
| Die Debatte um das Verbot islamischer Kopftücher
und anderer "provokativ zur Schau gestellter religiöser
Symbole" in Frankreichs staatlichen Schulen hat die Menschen
in der arabischen Welt fast noch mehr in Rage gebracht, als die
von dem geplanten Gesetz direkt betroffenen französischen Musliminnen.
Dabei herrscht sogar an türkischen Hochschulen ein Kopftuch-Verbot.
Im muslimischen Tunesien können Kopftuchträgerinnen im
Staatsdienst nicht Karriere machen und auch Nachrichtensprecherinnen
in Ägypten und Libanon haben es schwer, wenn sie mit dem Kopftuch
vor die Kamera wollen. |
| Als Scheich Mohammed Sajjid Tantawi,
das Oberhaupt der angesehenen islamischen Al-Azhar-Universität
in Kairo, vor einigen Tagen erklärte, das Kopftuch sei zwar
eine religiöse Pflicht, den französischen Musliminnen
dürfe aber kein Vorwurf gemacht werden, falls sie es wegen
eines staatlichen Verbots der Franzosen ablegten, brach in Ägypten
ein Proteststurm los. Aufgebrachte Anhänger der Muslimbruderschaft
forderten den Rücktritt Tantawis, der mit seinem Kommentar
ihrer Ansicht nach das Ansehen der wichtigsten religiösen Institution
des sunnitischen Islam beschädigt hatte. |
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Papst sieht Gefahr für Religionsfreiheit
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Johannes Paul II. hatte beklagt, in jüngster
Zeit sei "in einigen Ländern" eine Haltung zu beobachten,
die zu einer Gefahr für die umfassende Respektierung der
Religionsfreiheit werden könne. Zwar werde der persönliche
Glaube überall respektiert, doch gelte dies nicht für
die "gesellschaftliche Dimension der Religionen".
Offenbar in Anspielung auf Frankreich und Belgien führte
Johannes Paul II. aus, man berufe sich bei dieser Tendenz oft
auf das Prinzip der "Laizität". Man müsse
aber zwischen "Laizität" und "Laizismus"
unterscheiden. |
Scheich
Tantawi und
Papst Johannes Paul II
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Der Pariser Kardinal Jean-Marie Lustiger
hat die französische Regierung vor einer durch das „Kopftuchgesetz“
ausgelösten Religionskrise gewarnt. Das Gesetz, das religiöse
Symbole in öffentlichen Schulen verbietet, öffne
„unfreiwilligen Brandstiftern“ Tür und Tor,
sagte Lustiger gegenüber dem Radio France-Inter. Er habe Dutzende
von Berichten aus dem ganzen Land erhalten, wonach in jüngster
Zeit Christen belästigt wurden, weil sie ein Kreuz trugen.
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Wie weit kann und darf die Trennung von Religion und
Staat gehen?
Kann Religion (vgl. 1Kor 1,23), können religiöse
Symbole eine Provokation sein?
Oder können äußere Zeichen der Religiosität
auch Zeichen der Unterdrückung und Geringschätzung sein?
Wie denken Sie darüber?
Schreiben Sie uns Ihre Meinung in unser
FORUM
Quelle:kathnet
religion.orf.at
Zusammengestellt von F. Herzog
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