Thema Jänner 2004 01 / 282 22 44
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Österreichs Kirchen für starken Sozialstaat

Die christlichen Kirchen in Osterreich treten für einen starken Sozialstaat ein und äußern Bedenken gegen Tendenzen, soziale Absicherung zunehmend dem Einzelnen oder privaten Institutionen zu überlassen. Sozial-staatliche Einrichtungen, unter ihnen die Kranken- und Pensionsversicherungen, seien zwar immer wieder neu den gesellschaftlichen Entwicklungen anzupassen. Ihre Finanzierbarkeit sei aber in hohem Maße “eine Frage des politischen Willens und einer vernünftigen Verteilung der Lasten, heißt es im “Sozialwort des Ökumenischen Rates der Kirchen in Osterreich“ (ÖRKÖ).
Der Zugang zu sozialen Dienstleistungen und deren Qualität muss für alle, unabhängig von Einkommen und Herkunft, gesichert werden, heißt es im “Sozialwort‘. Trotz gut ausgebauter sozialer Netze gebe es in Österreich fast ein Million Menschen, die am Rande der Armut leben oder arm sind. Man trete daher im Rahmen des für EU-Staaten verbindlichen Nationalen Aktionsplans zur Armutsbekämpfung für eine Mindestsicherung für alle ein.
Für den stellvertretenden ÖRKÖ-Vorsitzenden, den evangelisch-lutherischen Bischof Herwig Sturm, ist das „Sozialwort“ ein Signal von Weihnachten. „Gott wurde Mitmensch, Leidensgenosse und Zeitgenosse“, sagte Sturm. Die Kirchen sehen sich herausgefordert, „Hoffnung zu geben in einer Gesellschaft, die Orientierung sucht“, sie fungieren als „Mund und Stimme der Ausgeschiedenen“. Zudem signalisiere das „Sozialwort“ als ökumenisches Projekt für das Verhältnis der Kirchen in Österreich: „Wir können miteinander, und wir bringen etwas weiter.“
Den ökumenischen Aspekt unterstrich auch der griechisch-orthodoxe Metropolit Michael Staikos. Das „Sozialwort“ habe „konfessionelle Vorhänge“ zum Fallen gebracht. Es sei „einmalig, dass alle Kirchen gleichberechtigt mit einer Stimme auftreten“. Das Sozialwort habe zudem gezeigt, dass das Fremde nichts Belastendes, sondern eine Bereicherung sei.
Der katholische Sozialbischof Maximilian Aichern sprach sich für eine „faire Austragung von Konflikten" und die Stärkung des sozialen Zusammenhaltes aus. „Dieser Zusammenhalt ist gefährdet, wo Menschen ausgegrenzt werden durch eine abwertende Sprache, wo Schwächere nicht zu ihrem Recht kommen, wo wirtschaftlicher Erfolg keine Rücksicht nimmt auf die Umwelt und die Rechte der Jugend und zukünftiger Generationen".
Im Kapitel “Arbeit - Wirtschaft - Soziale Sicherheit“ fordern die Kirchen, den Begriff “Arbeit“ grundsätzlich “neu zu überdenken“. Wer heute von Arbeit spreche, denke in erster Linie an die Erwerbsarbeit, obwohl es auch vielerlei andere Arten von Arbeit gebe. Viele dieser Arbeiten, die “gesellschaftlich unverzichtbar“ seien, würden unbezahlt geleistet, und zwar überwiegend von Frauen. Das Engagement vieler Frauen für ihre Familien und in unbezahlter Arbeit für andere sei aber auch “der wesentlichste Grund für die Armut“ von Frauen. Im Alter hätten viele Frauen keine, keine genügende oder keine eigene Pension und seien dadurch von anderen abhängig.

Für den kirchlichen Bereich betont das Sozialwort‘ die “Option für die Armen“ im Sinne einer Anwaltschaft zu Gunsten der Benachteiligten. In ihren eigenen Sozialeinriehtungen wie Caritas oder Diakonie wollen die Kirchen ihre personellen und finanziellen Möglichkeiten“ einsetzen, um Menschen in Notlagen rasch und wirksam zu helfen“.

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Neben Fragen von Arbeit, Wirtschaft und sozialer Sicherheit widmet sich das gemeinsame Sozialdokument auch den Bereichen Friedenssicherung, Bildung, weltweite Gerechtigkeit, Verantwortung vor der Schöpfung, Ehe und Familie, Lebensschutz, der Gestaltung städtischer und ländlicher Lebensräume.
Auch die Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, Prof. Christine Gleixner, bezeichnete das “Sozialwort“ als “Kompass für soziales Denken, Leben, Handeln“. Sie verwies darauf, dass bei der Erstellung des “Sozialworts“ erstmals in Europa Kirchen östlicher und westlicher Tradition “auf gleicher Ebene“ zusammengearbeitet und der in der “Charta Oecumenica“ ausgesprochenen Verpflichtung entsprochen hätten. Bewusst sei jedem Kapitel ein Bibelwort vorangestellt, um deutlich zu machen, dass der “jetzt vorliegende ‘Kompass‘ durch das lebendige Wort Gottes getragen und grundgelegt“ wird. “Entscheidend“ werde sein, dass der “Prozess Sozialwort“ weitergeht und es zu einem “intensiven, konstruktiven Dialog zwischen Kirchen und Gesellschaft in Österreich kommt“.

Nehmen die Kirchen und ihre Institutionen soziale Aufgaben ausreichend wahr?

Wenn kürzlich ein Bischof meinte, "Wir sind nicht eine Lehranstalt der Soziallehre. Mehr als das müssen wir den Glauben verkünden", so stellt sich die Frage, ob sich die Kirchen in sozialen Fragen mehr oder weniger oder gar nicht engagieren sollen?

Und läßt sich "Gottesdienst" und "Menschendienst" überhaupt so einfach trennen?

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Quelle:kathpress
ÖRKÖ

Zusammengestellt von F. Herzog