Österreichs Kirchen für starken Sozialstaat
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| Die christlichen Kirchen in Osterreich
treten für einen starken Sozialstaat ein und äußern
Bedenken gegen Tendenzen, soziale Absicherung zunehmend dem Einzelnen
oder privaten Institutionen zu überlassen. Sozial-staatliche
Einrichtungen, unter ihnen die Kranken- und Pensionsversicherungen,
seien zwar immer wieder neu den gesellschaftlichen Entwicklungen
anzupassen. Ihre Finanzierbarkeit sei aber in hohem Maße
“eine Frage des politischen Willens und einer vernünftigen
Verteilung der Lasten, heißt es im “Sozialwort
des Ökumenischen
Rates der Kirchen in Osterreich“ (ÖRKÖ). |
| Der Zugang zu sozialen Dienstleistungen
und deren Qualität muss für alle, unabhängig von
Einkommen und Herkunft, gesichert werden, heißt es
im “Sozialwort‘. Trotz gut ausgebauter sozialer Netze
gebe es in Österreich fast ein Million Menschen, die
am Rande der Armut leben oder arm sind. Man trete daher
im Rahmen des für EU-Staaten verbindlichen Nationalen Aktionsplans
zur Armutsbekämpfung für eine Mindestsicherung für
alle ein. |
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Für den stellvertretenden ÖRKÖ-Vorsitzenden, den
evangelisch-lutherischen Bischof Herwig Sturm, ist das „Sozialwort“
ein Signal von Weihnachten. „Gott wurde Mitmensch, Leidensgenosse
und Zeitgenosse“, sagte Sturm. Die Kirchen sehen
sich herausgefordert, „Hoffnung zu geben in einer Gesellschaft,
die Orientierung sucht“, sie fungieren als „Mund und
Stimme der Ausgeschiedenen“. Zudem signalisiere das „Sozialwort“
als ökumenisches Projekt für das Verhältnis der Kirchen
in Österreich: „Wir können miteinander, und wir
bringen etwas weiter.“ |
| Den ökumenischen Aspekt unterstrich auch der griechisch-orthodoxe
Metropolit Michael Staikos. Das „Sozialwort“
habe „konfessionelle Vorhänge“ zum Fallen gebracht.
Es sei „einmalig, dass alle Kirchen gleichberechtigt mit einer
Stimme auftreten“. Das Sozialwort habe zudem gezeigt, dass
das Fremde nichts Belastendes, sondern eine Bereicherung sei. |
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Der katholische Sozialbischof Maximilian Aichern sprach sich für
eine „faire Austragung von Konflikten" und die Stärkung
des sozialen Zusammenhaltes aus. „Dieser Zusammenhalt
ist gefährdet, wo Menschen ausgegrenzt werden durch eine abwertende
Sprache, wo Schwächere nicht zu ihrem Recht kommen, wo wirtschaftlicher
Erfolg keine Rücksicht nimmt auf die Umwelt und die Rechte
der Jugend und zukünftiger Generationen". |
| Im Kapitel “Arbeit - Wirtschaft
- Soziale Sicherheit“ fordern die Kirchen, den Begriff “Arbeit“
grundsätzlich “neu zu überdenken“. Wer
heute von Arbeit spreche, denke in erster Linie an die Erwerbsarbeit,
obwohl es auch vielerlei andere Arten von Arbeit gebe.
Viele dieser Arbeiten, die “gesellschaftlich unverzichtbar“
seien, würden unbezahlt geleistet, und zwar überwiegend
von Frauen. Das Engagement vieler Frauen für ihre Familien
und in unbezahlter Arbeit für andere sei aber auch “der
wesentlichste Grund für die Armut“ von Frauen.
Im Alter hätten viele Frauen keine, keine genügende oder
keine eigene Pension und seien dadurch von anderen abhängig. |
Für den kirchlichen
Bereich betont das Sozialwort‘ die “Option
für die Armen“ im Sinne einer Anwaltschaft zu
Gunsten der Benachteiligten. In ihren eigenen Sozialeinriehtungen
wie Caritas
oder Diakonie
wollen die Kirchen ihre personellen und finanziellen Möglichkeiten“
einsetzen, um Menschen in Notlagen rasch und wirksam zu helfen“. |
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| Neben Fragen von Arbeit, Wirtschaft und sozialer Sicherheit
widmet sich das gemeinsame Sozialdokument auch den Bereichen Friedenssicherung,
Bildung, weltweite Gerechtigkeit, Verantwortung vor der Schöpfung,
Ehe und Familie, Lebensschutz, der Gestaltung städtischer und
ländlicher Lebensräume. |
| Auch die Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in
Österreich, Prof. Christine Gleixner, bezeichnete das “Sozialwort“
als “Kompass für soziales Denken, Leben, Handeln“.
Sie verwies darauf, dass bei der Erstellung des “Sozialworts“
erstmals in Europa Kirchen östlicher und westlicher Tradition
“auf gleicher Ebene“ zusammengearbeitet und der in der
“Charta Oecumenica“ ausgesprochenen Verpflichtung
entsprochen hätten. Bewusst sei jedem Kapitel ein Bibelwort
vorangestellt, um deutlich zu machen, dass der “jetzt vorliegende
‘Kompass‘ durch das lebendige Wort Gottes getragen und
grundgelegt“ wird. “Entscheidend“ werde sein,
dass der “Prozess Sozialwort“ weitergeht und es zu einem
“intensiven, konstruktiven Dialog zwischen Kirchen und Gesellschaft
in Österreich kommt“. |
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Nehmen die Kirchen und ihre Institutionen soziale Aufgaben
ausreichend wahr?
Wenn kürzlich ein Bischof meinte, "Wir
sind nicht eine Lehranstalt der Soziallehre. Mehr als das müssen
wir den Glauben verkünden", so stellt sich die Frage,
ob sich die Kirchen in sozialen Fragen mehr oder weniger oder gar nicht
engagieren sollen?
Und läßt sich "Gottesdienst" und
"Menschendienst" überhaupt so einfach trennen?
Wie denken Sie darüber?
Schreiben Sie uns Ihre Meinung in unser
FORUM
Quelle:kathpress
ÖRKÖ
Zusammengestellt von F. Herzog
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