Pfarre Stadlau
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Thema Dezember 2003

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Was ist bloß los mit der „Jugend von heute“?!

Das oft zitierte Image der „Jugend von heute“ entspricht nicht immer den Tatsachen.

Die aktuelle Ausgabe der jährlichen Jugendstudie der FESSEL-GfK Sozialforschung, Jugend Online 2003, zeigt - und anderem - in welcher Hinsicht die Jungen wirklich anders als „die Alten“ und anders als ihr Ruf sind, was ihre Werte, ihre Musik und ihren Zugang zur Konsumgesellschaft angehen.

Es stimmt schon, in mancher Hinsicht ist „die Jugend“ anders als die älteren Generationen: Musik hat für Jugendliche einen besonders zentralen Stellenwert. Die neuen Kommunikations- und Informationstechnologien sind der Generation der 14- bis 24-Jährigen so nahe und selbstverständlich wie keiner anderen. Und auch die Bedeutung des Freundeskreises, ist in diesem Alter unvergleichlich groß. Andererseits, so anders als die Generationen vor ihnen sind die Jugendlichen auch wieder nicht. Es kann keine Rede davon sein, dass sie von bedrohlichem Werteverlust befallen wären, ihr Musikgeschmack bewegt sich keineswegs nur auf der hämmernden Techno-Ebene, und völlig kritiklose Götzendienste an Markenprodukten leisten sie auch nicht, um nur einige Beispiele zu nennen.
Die Werte?

Werteverfall kann man den Jugendlichen nicht nachsagen. Auch ihnen sind in erster Linie Familie und Partnerschaft wichtig, und zwar mehrheitlich, auch ihnen sind im Vergleich dazu die abstrakteren Bereiche wie Politik, Kultur oder Religion weniger wichtig, ganz genau wie den „Alten“.

Der Unterschied zu älteren Generationen ist aber, dass die Jugendlichen weniger bereit sind, sich mit dem Konzept entweder/oder anzufreunden. Sie wollen viel vom Leben. Die Frage nach „Beruf oder Freizeit? Freunde oder Familie?“ beantworten die „youngsters“ kompromisslos lieber mit „Beruf und Freizeit! Freunde und Familie!“

Die Wertetypen

Die Jugend“ ist genauso wenig wie die älteren Generationen nur über ihr Alter definierbar. Es lassen sich in der Altergruppe vier wesentliche Wertetypen erkennen, die sich unter anderem in ihrem Zugang zu „Mainstream“-Werten - in der Weise, wie sie diese akzeptieren oder ablehnen bzw. sich selektiv an ihnen orientieren - unterscheiden:

Die beiden am häufigsten vertretenen Wertetypen unter den österreichischen Jugendlichen sind die „Angepassten“ (34 %) und die „Menschenfreunde“ (31 %), das sind jene Typen, die den gesellschaftlichen Normen ohne weitere Diskussion am nächsten sind – im Fall der „Angepassten“ in Form von Akzeptanz und Identifikation mit der vielzitierten Konsumgesellschaft und den Mainstream-Werten insgesamt, was sie besonders im Rahmen des persönlichen Beziehungsnetzwerks zu ihrer Zufriedenheit realisieren. Im Fall des „Menschenfreunds“ zeigt sich die ausgeprägteste Identifikation mit jenen Normen, die „Nächstenliebe“ und Bildung hochhalten.

Etwas mehr als ein Fünftel der Befragten (21 %) ist den „Kämpfern“ zuzurechnen, die im Gegensatz zum „pflegeleichten“ Mainstream-Typ der „Angepassten“ und dem selektiv angepassten „Menschenfreund“, sich aktiv und ich-zentriert für eine vorteilhafte Position in der Mainstream-Gesellschaft einsetzen.

Die „Gegner“ (14 %) schließlich sind die Rebellischsten. Jedenfalls auf den ersten Blick. Sie orientieren sich nicht am Mainstream oder bestimmten Aspekten davon, aber sie definieren sich dennoch durch ihn, aber indem sie ihn negieren.

Wo sind die "Markenfetischisten"?
Es wäre gelogen zu behaupten, dass Marken überhaupt keine Rolle für die Jugend spielen, aber: es ist weniger als die Hälfte, die prinzipiell an Marken „glaubt“, sie räumen nur Marken in bestimmten Bereichen Stellenwert ein, und sie sind schon allein deshalb preisbewusst, vor allem die jungen Frauen, weil sie nur beschränkte Mittel zur Verfügung haben:

47 % „glauben“ an Markenprodukte, aber 70 % der Jugendlichen achten beim Einkauf eher auf den Preis als auf die Marke. Das müssen sie auch, denn knapp ein Viertel hat nur bis 50 Euro pro Monat zur freien Verfügung, weitere 29 % zwischen 51 und 300 Euro, nur knapp die Hälfte kann mehr als 300 Euro im Monat zum Vergnügen ausgeben. Also: so viele Markenprodukte gehen sich da gar nicht aus, und es gilt Prioritäten zu setzen, die die die vorrangigen Anliegen der Altersgruppe widerspiegeln: soziale Interaktion, Kommunikation und Positionierung des Selbst.

Der größte Teil des Budgets wird in den Lieblingstreffpunkten, den Lokalen, ausgegeben (70 % geben dort regelmäßig Geld aus), gefolgt von Ausgaben für Telefonrechnungen und Kleidung.

Markenprodukte werden am häufigsten bei Kleidung gewählt (von 25 % „regelmäßig“, von 59 % „gelegentlich“) und zwar etwas häufiger von den jungen Frauen. Die jungen Männer legen eher bei Computern oder Unterhaltungselektronik Wert auf Markenprodukte.


Quelle: Jugend Online 2003; Stichprobe: n=1.000 Jugendliche mit Internetzugang von 14 bis 24; Erhebungszeitraum: 22.04.–16.06.2003

Unterscheidet sich die Jugend Heute grundsätzlich von der vor 20, 40, 60 Jahren?

Welche Stellenwert haben die sogenannten "traditionelle" Werte?

Rebelliert die Jugend zuviel? Oder zuwenig?

 

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Quelle: FESSEL-GfK

Zusammengestellt von F. Herzog