Pfarre Stadlau
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Thema November 2003

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Von Jahwe zu Yahoo!

Die Kirche und die Medien

Beschwerden darüber, wie die Medien die katholische Kirche und Religion im Allgemeinen behandeln, sind nicht neu. In einer Ansprache vor einem Fachkongress über Journalismus in Seattle sprach Wilton Gregory, Vorsitzender der US-Bischofskonferenz, Probleme bei der Berichterstattung über die Missbrauchsskandale an.

Bischof Gregory habe zwar eingeräumt, dass die Medien dazu beigetragen hätten, bitter nötige Reformen bei der Behandlung von Missbrauchsproblemen anzuregen, die Voreingenommenheit jedoch, mit der über die Angelegenheit berichtet worden sei, habe den Bischöfen und der ganzen katholischen Gemeinschaft unnötigen Schaden zugefügt. Viele in den Medien weisen eine solche Anschuldigung zurück, als ein Beispiel für die Redensart "shooting the messenger" (auf den Boten, der eine unangenehme Nachricht bringt, schießen). Aber eine eingehende Studie über Religion und Presse, die im letzten Jahr veröffentlicht wurde, weist auf schwere Mängel bei der Medienberichterstattung hin.

In seinem Buch "Von Jahwe zu Yahoo!: Die Religiösen Wurzeln der weltlichen Presse", untersuchte Doug Underwood religiöse Haltungen in den Nachrichtenredaktionen. Underwood, viele Jahre lang aktiver Journalist und jetzt außerordentlicher Professor für Kommunikation an der Universität von Washington, führte eine umfassende wissenschaftliche Untersuchung über die Religiosität der Journalisten durch.

Bei seinen Erhebungen ergab sich, dass die Religion durchaus eine Rolle bei der Meinungsbildung von Journalisten spielt, und dass es ein Irrtum ist, wenn man diesen Berufsstand als in der Regel irreligiös oder unbeeinflusst von religiösen Werten abtut. Aber, fügt er hinzu, eine bei den Journalisten häufig vorkommende Eigenschaft ist eine skeptische und empirische Mentalität, die sie für den Sinn der spirituellen Dimension, die im Leben vieler Menschen so wichtig ist, blind macht. Außerdem besteht eine natürliche Spannung zwischen der Recherche nach "nüchternen Tatsachen," dem Geschäft der Journalisten, und der Verkündigung spiritueller Werte und religiöser Glaubensinhalte durch Kirchgänger.
"Wenn einer von einem anderen Planeten käme, müsste er denken, alle Moslems wären Terroristen und alle Katholiken pädophile Priester."
Die "Washington Times" berichtete am 2. Juli von einer in diesem Sommer veröffentlichten Studie, die Underwoods Ergebnisse stützt. Die Untersuchung, die von 29 Studenten des Fachs Religion in höheren Semestern an der Universität von Rochester durchgeführt wurde, habe gezeigt, dass beinahe die Hälfte aller 314 untersuchten Artikel über Religion aus 12 Zeitungen in Wirklichkeit von politischen, juristischen oder kriminellen Aktivitäten handelten. Nur 28 Prozent der Artikel bezogen sich bei der Behandlung des Themas Religion ausschließlich auf Glauben und Werte.

Bemerkenswerterweise handelte die Berichterstattung über den Islam vorwiegend von Verbrechen und Gewalt, und ein Drittel aller Artikel über die katholische Kirche bezog sich auf Verbrechen. "Die Berichterstattung über Katholiken und den Islam war in allen Zeitungen tendenziös," sagte Curt Smith, Dozent für das Fach Englisch, einer der Leiter der Studie.

"Liberale zeigen manchmal mehr Wissbegierde, was die Religion von Afghanistan als was diejenige von Alabama angeht, und mehr Interesse am Lesen der Upanishaden (indischer Bramahnismus aus dem 8. bis 6. Jahrhundert v.Chr.) als am Lesen der Geheimen Offenbarung."

Nicholas Kristof, New York Times

Auf der anderen Seite des Atlantik ist die Berichterstattung der Medien über Religion nicht weniger problematisch. Die Londoner Tageszeitung "The Telegraph" bemerkte, die Zurückweisung des Vorwurfs unfairer Behandlung durch die BBC von allem, was römisch-katholisch sei, klinge hohl. Bestritten wurde dieser Vorwurf von Alan Bookbinder, einem bekennenden Agnostiker, dem Hauptverantwortlichen für die Abteilung Religion der BBC.

Der "Telegraph" schrieb am 10. September dazu, der Mangel der BBC an Achtung vor der Kirche zeige sich deutlich in der überproportionalen Sendezeit für Abweichler in der katholischen Kirche.


Wie behandeln die Medien das Thema Religion?

Wie geht die Kirche mit den Medien um?

Gibt es Gemeinsamkeiten, Zweckbindungen oder eine natürliche Gegnerschaft?

 

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Quelle: zenit

Zusammengestellt von F. Herzog