Parties, Babies und Pensionen
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Auch wenn
die jüngste Debatte über die Sicherung der Pensionen
von Schlagworten voller Klischees und Gemeinplätzen geprägt
war, so ist es doch notwendig sie zu führen. Zur Initiierung
einer solchen Diskussion sind Schlagworte vielleicht nützlich,
um eine ernsthafte Auseinandersetzung mit diesem Thema zu
führen, tut es aber gut, eine Wertedebatte fernab jedweder
Emotion zu führen.
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“Die
Werte der Jugend und ihrer Eltern lagen noch nie so eng beieinander
wie jetzt“ ... |
... betonte
der Präsident der Katholischen
Aktion Österreich (KAÖ), Christian Friesl,
am Mittwoch vor dem Hintergrund der laufenden Debatte um die
Erfüllung des Generationenvertrages. Wenn der heutigen
Jugend vorgeworfen werde, zu sehr materialistischen Werten
anzuhängen statt Kinder zu bekommen, würden Haltungen
beschrieben, die ebenso in der Generation davor anzutreffen
sind, unterstrich Friesl, der als Theologe und Soziologe an
vielen Wertestudien mitgearbeitet hat. Die Lebensziele junger
Menschen seien nicht auf Partys und Urlaubsluxus ausgerichtet,
so der KAÖ-Präsident im Gespräch mit “Kathpress“.
In Wahrheit seien die Werte der Jungen so traditionell wie
jene ihrer Eltern: “Jugendlichen geht es um
sinnvolle Arbeit, verbindliche Beziehungen und Familie
sowie um einen ausreichenden Lebensstandard“, bezog
sich Friesl auf vorliegendes Datenmaterial.
Die meisten Jugendlichen und jungen Erwachsenen würden
Kinder durchaus als Teil ihrer Lebensplanung betrachten, strukturelle
Gegebenheiten erweisen sich laut Friesl jedoch oft als Hemmschuh:
“Wir müssen uns und nicht die Jugend fragen, ob
wir wirklich eine kinder-freundliche Gesellschaft bilden“.
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Für
Wertediskussion statt Generationenkonflikt |
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Johannes
Fenz, Präsident des Katholischen
Familienverbandes Qsterreichs (KFÖ), begrüßt
die Wertediskussion, biete sie doch die Möglichkeit,
sich auf Werte wie Familie mit Kindern zu besinnen. Die Diskussion
dürfe allerdings “nicht in einen Generationenkonflikt
ausarten“, so Fenz in einer Aussendung. Die Entscheidung
für oder gegen Kinder drohe jetzt „zu einer reinen
Politdiskussion auszuarten“. Laut Fenz geht es um Grundsätzliches:
“Kinder zu bekommen ist ein starkes emotionelles
Erlebnis, das in unserer Gesellschaft oft zu Gunsten
materieller Wünsche auf der Strecke bleibt. Hier gilt
es einzuhaken und den jungen Leuten jede finanzielle Unterstützung
zu bieten, sodass Kinder auch leistbar bleiben“. Die
“ständige Verbesserung des materiellen Umfeldes“
für Eltern wie eine Weiterentwicklung des Kinderbetreuungsgeldes,
solle gewährleisten, dass bei der Entscheidung für
oder gegen Kinder Gefühle und nicht Materielles den Ausschlag
geben.
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Laut
einer Studie
des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung
kosten Kinder nicht nur viel Zeit, sondern auch viel Geld, wies
Fenz hin: Obwohl Osterreich im internationalen Vergleich relativ
hohe Familienförderungen aufweise, würden die öffentlichen
Transfers bei weitem nicht ausreichen, um die direkten Kinderkosten
abzudecken. In der aktuellen Diskussion um die Pensionsreform
würden Kinder verkürzt bloß als künftige
Beitragszahler gesehen. “Sie sind aber viel mehr als das“,
so Fenz: “Eine Gesellschaft ohne Kinder ist wie
ein Garten ohne Blumen.“ |
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Welche
Werte hat die Jugend? |
Heutige
Jugendliche haben Werthaltungen, die von Jugendforschern als “postmaterialistisch“
umschrieben werden. Darauf wies die Religionssoziologin Regina
Polak, im Gespräch mit “Kathpress“ hin. Ein bestimmter
Wohlstand werde vorausgesetzt, das Interesse wende sich zugleich
zunehmend immateriellen, “idealistischen“ Werten zu.
Für 70 Prozent der österreichischen Jugendlichen zwischen
14 und 24 Jahren sei “Familie“ ein “sehr wichtiger“
Wert, ebenso hoch ist der Zuspruch für den “Freundeskreis“.
“Treue“ hat laut Polak in den vergangenen zehn Jahren
an Attraktivität gewonnen, Sexualität als Hauptakzent
einer Partnerschaft trat dagegen in den Hintergrund. Die “kleinen
Lebenswelten“ sind mehr im Blick als noch vor einem Jahrzehnt,
“Familie“ sei für viele ein “Sehnsuchtsvokabel“,
das nicht nur Blutsverwandte umfasse, sondern generell einen Lebensraum,
in dem man sich geliebt und geborgen weiß.
Hinsichtlich des Kinderwunsches unterscheidet die Jugendforscherin
zwei gleich große Gruppen: Jeweils 41 Prozent der befragten
Jugendlichen wollen eine fixe Bindung und Nachwuchs oder zunächst
einmal die Jugend genießen und später eine Partnerschaft
eingehen; Kinder seien bei der letzteren Gruppe noch nicht im
Blick, aber auch nicht ausgeschlossen. Nur eine kleine Minderheit
von sechs Prozent gibt an, keine Kinder zu wollen. |
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“Strukturelle Kinderfeindlichkeit“
hemmt |
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Die
Tatsache, dass der Kinderwunsch in der Praxis nicht umgesetzt
bzw. aufgeschoben wird, erklärte Polak mit längeren
Ausbildungszeiten, hohen beruflichen Anforderungen, aber auch
mit dem Bewusstsein der jungen Menschen, dass Kinder Einschränkungen
bedeuten und das Armutsrisiko erhöhen. Jugendliche
würden auch “spüren, dass es so etwas wie eine
strukturelle Kinderfeindlichkeit in unserer Gesellschaft gibt“,
wie Polak sagte: “Kinder haben in einem normalen Erwachsenenleben
und in der Gesellschaft überhaupt keinen Platz. Sie stören“.
Diese Atmosphäre hemme den Wunsch zum Kind.
Zudem herrsche in der jungen Generation ein starker Perfektionismus:
Bevor man sich für ein Kind entscheidet, muss laut Polak
das gesamte Umfeld stimmen: Partnerschaft, Beruf, Wohnung, Geld,
“man will seinen Kindern alles bieten können - das
geht aber nur selten“. Laut der Religionssoziologin gelte
es, überzogene Erwartungen in Richtung Familie zu
relativieren: “Hier könnte sich die junge
Generation von der älteren durchaus eine Scheibe abschneiden.“ |
Wie kinderfeindlich oder -freundlich ist unsere Gesellschaft?
Wie
schwer oder leicht wird jungen Familien der Wunsch nach Kindern gemacht?
Entsolidarisiert
sich die Jugend von der älteren Generation?
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Quelle:
kathpress
Zusammengestellt
von F. Herzog
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