Pfarre Stadlau
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Thema Oktober 2003

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Parties, Babies und Pensionen

Auch wenn die jüngste Debatte über die Sicherung der Pensionen von Schlagworten voller Klischees und Gemeinplätzen geprägt war, so ist es doch notwendig sie zu führen. Zur Initiierung einer solchen Diskussion sind Schlagworte vielleicht nützlich, um eine ernsthafte Auseinandersetzung mit diesem Thema zu führen, tut es aber gut, eine Wertedebatte fernab jedweder Emotion zu führen.

“Die Werte der Jugend und ihrer Eltern lagen noch nie so eng beieinander wie jetzt“ ...

... betonte der Präsident der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ), Christian Friesl, am Mittwoch vor dem Hintergrund der laufenden Debatte um die Erfüllung des Generationenvertrages. Wenn der heutigen Jugend vorgeworfen werde, zu sehr materialistischen Werten anzuhängen statt Kinder zu bekommen, würden Haltungen beschrieben, die ebenso in der Generation davor anzutreffen sind, unterstrich Friesl, der als Theologe und Soziologe an vielen Wertestudien mitgearbeitet hat. Die Lebensziele junger Menschen seien nicht auf Partys und Urlaubsluxus ausgerichtet, so der KAÖ-Präsident im Gespräch mit “Kathpress“. In Wahrheit seien die Werte der Jungen so traditionell wie jene ihrer Eltern: “Jugendlichen geht es um sinnvolle Arbeit, verbindliche Beziehungen und Familie sowie um einen ausreichenden Lebensstandard“, bezog sich Friesl auf vorliegendes Datenmaterial.
Die meisten Jugendlichen und jungen Erwachsenen würden Kinder durchaus als Teil ihrer Lebensplanung betrachten, strukturelle Gegebenheiten erweisen sich laut Friesl jedoch oft als Hemmschuh: “Wir müssen uns und nicht die Jugend fragen, ob wir wirklich eine kinder-freundliche Gesellschaft bilden“.

Für Wertediskussion statt Generationenkonflikt

Johannes Fenz, Präsident des Katholischen Familienverbandes Qsterreichs (KFÖ), begrüßt die Wertediskussion, biete sie doch die Möglichkeit, sich auf Werte wie Familie mit Kindern zu besinnen. Die Diskussion dürfe allerdings “nicht in einen Generationenkonflikt ausarten“, so Fenz in einer Aussendung. Die Entscheidung für oder gegen Kinder drohe jetzt „zu einer reinen Politdiskussion auszuarten“. Laut Fenz geht es um Grundsätzliches: “Kinder zu bekommen ist ein starkes emotionelles Erlebnis, das in unserer Gesellschaft oft zu Gunsten materieller Wünsche auf der Strecke bleibt. Hier gilt es einzuhaken und den jungen Leuten jede finanzielle Unterstützung zu bieten, sodass Kinder auch leistbar bleiben“. Die “ständige Verbesserung des materiellen Umfeldes“ für Eltern wie eine Weiterentwicklung des Kinderbetreuungsgeldes, solle gewährleisten, dass bei der Entscheidung für oder gegen Kinder Gefühle und nicht Materielles den Ausschlag geben.

Laut einer Studie des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung kosten Kinder nicht nur viel Zeit, sondern auch viel Geld, wies Fenz hin: Obwohl Osterreich im internationalen Vergleich relativ hohe Familienförderungen aufweise, würden die öffentlichen Transfers bei weitem nicht ausreichen, um die direkten Kinderkosten abzudecken. In der aktuellen Diskussion um die Pensionsreform würden Kinder verkürzt bloß als künftige Beitragszahler gesehen. “Sie sind aber viel mehr als das“, so Fenz: “Eine Gesellschaft ohne Kinder ist wie ein Garten ohne Blumen.“
Welche Werte hat die Jugend?
Heutige Jugendliche haben Werthaltungen, die von Jugendforschern als “postmaterialistisch“ umschrieben werden. Darauf wies die Religionssoziologin Regina Polak, im Gespräch mit “Kathpress“ hin. Ein bestimmter Wohlstand werde vorausgesetzt, das Interesse wende sich zugleich zunehmend immateriellen, “idealistischen“ Werten zu. Für 70 Prozent der österreichischen Jugendlichen zwischen 14 und 24 Jahren sei “Familie“ ein “sehr wichtiger“ Wert, ebenso hoch ist der Zuspruch für den “Freundeskreis“. “Treue“ hat laut Polak in den vergangenen zehn Jahren an Attraktivität gewonnen, Sexualität als Hauptakzent einer Partnerschaft trat dagegen in den Hintergrund. Die “kleinen Lebenswelten“ sind mehr im Blick als noch vor einem Jahrzehnt, “Familie“ sei für viele ein “Sehnsuchtsvokabel“, das nicht nur Blutsverwandte umfasse, sondern generell einen Lebensraum, in dem man sich geliebt und geborgen weiß.
Hinsichtlich des Kinderwunsches unterscheidet die Jugendforscherin zwei gleich große Gruppen: Jeweils 41 Prozent der befragten Jugendlichen wollen eine fixe Bindung und Nachwuchs oder zunächst einmal die Jugend genießen und später eine Partnerschaft eingehen; Kinder seien bei der letzteren Gruppe noch nicht im Blick, aber auch nicht ausgeschlossen. Nur eine kleine Minderheit von sechs Prozent gibt an, keine Kinder zu wollen.
“Strukturelle Kinderfeindlichkeit“ hemmt
Die Tatsache, dass der Kinderwunsch in der Praxis nicht umgesetzt bzw. aufgeschoben wird, erklärte Polak mit längeren Ausbildungszeiten, hohen beruflichen Anforderungen, aber auch mit dem Bewusstsein der jungen Menschen, dass Kinder Einschränkungen bedeuten und das Armutsrisiko erhöhen. Jugendliche würden auch “spüren, dass es so etwas wie eine strukturelle Kinderfeindlichkeit in unserer Gesellschaft gibt“, wie Polak sagte: “Kinder haben in einem normalen Erwachsenenleben und in der Gesellschaft überhaupt keinen Platz. Sie stören“. Diese Atmosphäre hemme den Wunsch zum Kind.
Zudem herrsche in der jungen Generation ein starker Perfektionismus: Bevor man sich für ein Kind entscheidet, muss laut Polak das gesamte Umfeld stimmen: Partnerschaft, Beruf, Wohnung, Geld, “man will seinen Kindern alles bieten können - das geht aber nur selten“. Laut der Religionssoziologin gelte es, überzogene Erwartungen in Richtung Familie zu relativieren: “Hier könnte sich die junge Generation von der älteren durchaus eine Scheibe abschneiden.“

Wie kinderfeindlich oder -freundlich ist unsere Gesellschaft?

Wie schwer oder leicht wird jungen Familien der Wunsch nach Kindern gemacht?

Entsolidarisiert sich die Jugend von der älteren Generation?

 

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Quelle: kathpress

Zusammengestellt von F. Herzog