Pfarre Stadlau
Gemeindeaugasse 5
1220 Wien

Thema August 2003

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Zukunft der Pfarren

Welche Zukunft haben die Pfarren? An einem Podiumsgespräch kam beim 22. Colloquium Europäischer Pfarrgemeinden (CEP) in Freiburg (Schweiz) mindestens dies zum Ausdruck: Um den veränderten gesellschaftlichen und kirchlichen Bedingungen gerecht zu werden, sind Kreativität und Mut gefordert.

Der Genfer Paul Baertschi sprach es auf dem Podium unverblümt aus: Um Neuem Platz zu machen, sei in den Pfarren manches zum Sterben verurteilt, selbst wenn sich dieses in der Vergangenheit durchaus bewährt habe - was konkret loszulassen sei, müsse allerdings jede Gemeinschaft für sich selber herausfinden. Statt die Zukunft der Pfarreien fast ausschliesslich vom herrschenden Priestermangel her und damit nostalgisch zu denken, müsse man sich doch die Frage stellen - auch im Hinblick auf die unvermeidlich werdenden Gruppierungen der Pfarren zu Seelsorgeverbänden: "Wie können wir, unter Einsatz aller verfügbaren Energie, lebendige Orte der Kraft schaffen?" Die Chance des jetzigen Umbruchs könne gerade darin liegen, die (Pfarr-) Seelsorge von Grund auf neu zu denken.
Junge wollen Kirche über Beziehungen erfahren

Rainer Gehrig, Pastoralassistent und Jugendseelsorger in Freiburg (Deutschland), wies auf den für junge Menschen entscheidenden Beziehungsaspekt hin: "Jugendliche sind auf der Suche nach der eigenen Identität. Dabei sind Beziehungen entscheidend. Entsprechend wollen sie ihre Kirche und ihre Pfarrei über Beziehungen erfahren." Junge Menschen erwarteten Antworten auf Fragen wie: "Wie lebst du, und wie lebst du das, was du glaubst? Wer bist du - wir wollen das im Kontakt mit dir erfahren. Und: Interessierst du dich für mich?" Die Zukunft der Pfarren, so Rainer Gehrig, hänge nicht zuletzt von deren Fähigkeit ab, diese Fragen authentisch zu beantworten: "Jugendliche wollen eine Kirche, die lebendig, echt und wahrhaftig ist und die auch spontan sein kann!"

Dauer-Baustelle, aber…

Zwar sei die Pfarrei eine Dauer-Baustelle, und dies nicht erst seit gestern, doch glaube er mehr denn je an Fantasie, Kraft, Hoffnung und Mut, damit die Pfarre als "Grundzelle" der Kirche weiterhin Ausstrahlungspunkt für das Evangelium sei, sagte Claudio Como, Pfarrer in Udine und CIP-Präsident. Die Pfarren seien zwar aufgerufen, sich in diesen Zeiten des Umbruchs zu verändern, müssen sich aber als Gemeinschaft der Gläubigen keine Sorge um ihr Überleben machen, bekräftigte Bernard Genoud, Bischof von Lausanne-Genf-Freiburg. Schliesslich gebe es die von Gott geführte Kirche seit über 2.000 Jahren. In dieser Zeit habe sie so manches Reich untergehen sehen und habe dabei auch die feindlichsten politischen Systeme überdauert.

Türen öffnen, auch wenn es blitzt und donnert
Kurt Stulz, Bischofsvikar für den deutschsprachigen Teil des Bistums Lausanne-Genf-Freiburg, wies auf die wachsende Bedeutung der Erwachsenen-Katechese hin. Die Pfarren hätten sich mehr denn je auf Menschen einzustellen, die auch in religiöser Hinsicht "gebrochene Biografien" hätten und nun vielleicht das Bedürfnis hätten, ihr Glaubensleben und ihr Glaubenswissen wieder à jour zu bringen : "Wir müssen uns die Frage stellen, wie wir jenen die Türen öffnen können, die seit zwanzig oder dreissig Jahren keinen Kontakt mit der Kirche gehabt haben." Dass es in der Zusammenarbeit von Priestern und Laien häufig konfliktuell blitzt und donnert, kam in verschiedenen Publikumsvoten zum Ausdruck. Eine belgische Pastoralassistentin machte den Grund für diese Spannungen in der kirchenrechtlich immer noch diffusen und kaum definierten Position der Laien aus: "Wann werden wir Laien als Erwachsene endlich auch vom Kirchenrecht ernst genommen?"


Welche Zukunft haben lokale Pfarren in einer immer mobiler werdenden Gesellschaft?

Oder gehört die Zukunft individuellen Bewegungen außerhalb und neben den Pfarren?

 

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Quelle: kipa-apic

Zusammengestellt von F. Herzog