"Kirche, die auf der Stelle tritt, geht nach rückwärts"
|
|
Das von
Katholiken der Diözese St.Pölten gegründete
forumXXIII
versteht sich als freie und unabhängige Einrichtung
im Geiste Johannes XXIII. und des II.Vatikanischen
Konzils und setzt sich mit grundsätzlichen und aktuellen
Fragen des kirchlichen, gesellschaftlichen, politischen
und kulturellen Lebens auseinander, um die Zeichen
der Zeit im Sinne des Evangeliums deuten.
Anläßlich
der Festveranstaltung zum 10-jährigen Bestehens des forumXXIII
referierte der Luzerner Theologie-Professor Walter
Kirchschläger im niederösterreichischen
Stift Herzogenburg zum Thema "Für eine Kirche
der Erneuerung".
|

Prof. Kirchschläger |
"Kirche,
die auf der Stelle tritt, geht nach rückwärts",
bekräftigte Kirchschläger. "Kirche, die sich
nicht bewegt, glaubt, keine Fehltritte zu machen. Dabei ist
das Fehlen der Schritte nach vorwärts lähmend und
baut Leben ab. Kirche, die stehen bleibt, erneuert
sich nicht, sie ist blind für die 'Zeitverhältnisse',
sie erstarrt." |
|
Nicht alles "unverzichtbares Marschgepäck" |
Was sich
durch die Jahrhunderte angesammelt und aufgestaut habe, dürfe
"weder achtlos beiseite gelassen noch unkritisch
gesammelt und mitgenommen werden". Denn nicht
alles, was einmal an hoher und höchster Stelle gesagt
und danach immer wieder zitiert und wiederholt worden sei,
ist deshalb schon "unverzichtbares Marschgepäck
des Volkes Gottes".
Nur in
Übereinstimmung mit dem Wirken und der Intention
Jesu könne "Tradition einen Verbindlichkeitsgrad
beanspruchen". Dabei werde es darum gehen, "ob es
tatsächlich das biblische Profil Jesu ist, dem die Kirche
nachspürt, und ob dabei Wort und Tat deckungsgleich
sind".
|
|
|
Strukturelle
Fragen angehen |

|
Kirchschläger
hält es für angebracht, in diesem Zusammenhang auch
strukturelle Fragen der Kirche anzugehen. Er plädierte
für ein "Kirchenmodell", das nicht von Angst
geleitet ist, sondern "das Zuversicht ausstrahlt,
Fantasie begünstigt, umfassende Einheit nicht
mit Einheitlichkeit verwechselt und unbeugsames Vertrauen
darin hat, dass Gott selbst in der Kraft seines Geistes
seine Kirche leitet".
Dabei
sei das "Prinzip der Subsidiarität" zu beachten,
"mit dem sich Zentralismus in der Kirche nicht verträgt".
Klarheit in den eigenen Strukturen sei "Voraussetzung
für glaubwürdige Verkündigung.
|
|
Absage
an kirchliche Zweiklassengesellschaft
|
| Ganz
besonderen Wert habe das Konzil aber auf die Mitverantwortung
der Laien in der Kirche gelegt. Einer kirchlichen Zweiklassengesellschaft
von Klerus und Laien und dem Klerikalismus früherer Tage
habe das Zweite Vatikanische Konzil eine Absage erteilt. Wenn
die Laien im Sinne dieser Konzilsaussagen ihre Mitverantwortung
in der Kirche wahrnehmen, so sei dies "zum Wohl der
Kirche". |
Papst Johannes XXIII. |
Erneuert sich die Kirche oder bleibt sie stehen?
Schreitet
sie vorwärts oder rückwärts?
Wie
denken Sie darüber?
Schreiben Sie uns Ihre Meinung in unser
FORUM
Quelle:
kipa-apic
Das
gesamte Referat von Prof.Kirchschläger zum download
Zusammengestellt
von F. Herzog
|