Pfarre Stadlau
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Thema August 2003

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"Kirche, die auf der Stelle tritt, geht nach rückwärts"

Das von Katholiken der Diözese St.Pölten gegründete forumXXIII versteht sich als freie und unabhängige Einrichtung im Geiste Johannes XXIII. und des II.Vatikanischen Konzils und setzt sich mit grundsätzlichen und aktuellen Fragen des kirchlichen, gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Lebens auseinander, um die Zeichen der Zeit im Sinne des Evangeliums deuten.

Anläßlich der Festveranstaltung zum 10-jährigen Bestehens des forumXXIII referierte der Luzerner Theologie-Professor Walter Kirchschläger im niederösterreichischen Stift Herzogenburg zum Thema "Für eine Kirche der Erneuerung".


Prof. Kirchschläger
"Kirche, die auf der Stelle tritt, geht nach rückwärts", bekräftigte Kirchschläger. "Kirche, die sich nicht bewegt, glaubt, keine Fehltritte zu machen. Dabei ist das Fehlen der Schritte nach vorwärts lähmend und baut Leben ab. Kirche, die stehen bleibt, erneuert sich nicht, sie ist blind für die 'Zeitverhältnisse', sie erstarrt."
Nicht alles "unverzichtbares Marschgepäck"

Was sich durch die Jahrhunderte angesammelt und aufgestaut habe, dürfe "weder achtlos beiseite gelassen noch unkritisch gesammelt und mitgenommen werden". Denn nicht alles, was einmal an hoher und höchster Stelle gesagt und danach immer wieder zitiert und wiederholt worden sei, ist deshalb schon "unverzichtbares Marschgepäck des Volkes Gottes".

Nur in Übereinstimmung mit dem Wirken und der Intention Jesu könne "Tradition einen Verbindlichkeitsgrad beanspruchen". Dabei werde es darum gehen, "ob es tatsächlich das biblische Profil Jesu ist, dem die Kirche nachspürt, und ob dabei Wort und Tat deckungsgleich sind".

Strukturelle Fragen angehen

Kirchschläger hält es für angebracht, in diesem Zusammenhang auch strukturelle Fragen der Kirche anzugehen. Er plädierte für ein "Kirchenmodell", das nicht von Angst geleitet ist, sondern "das Zuversicht ausstrahlt, Fantasie begünstigt, umfassende Einheit nicht mit Einheitlichkeit verwechselt und unbeugsames Vertrauen darin hat, dass Gott selbst in der Kraft seines Geistes seine Kirche leitet".

Dabei sei das "Prinzip der Subsidiarität" zu beachten, "mit dem sich Zentralismus in der Kirche nicht verträgt". Klarheit in den eigenen Strukturen sei "Voraussetzung für glaubwürdige Verkündigung.

Absage an kirchliche Zweiklassengesellschaft
Ganz besonderen Wert habe das Konzil aber auf die Mitverantwortung der Laien in der Kirche gelegt. Einer kirchlichen Zweiklassengesellschaft von Klerus und Laien und dem Klerikalismus früherer Tage habe das Zweite Vatikanische Konzil eine Absage erteilt. Wenn die Laien im Sinne dieser Konzilsaussagen ihre Mitverantwortung in der Kirche wahrnehmen, so sei dies "zum Wohl der Kirche".

Papst Johannes XXIII.


Erneuert sich die Kirche oder bleibt sie stehen?

Schreitet sie vorwärts oder rückwärts?

 

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Quelle: kipa-apic

Das gesamte Referat von Prof.Kirchschläger zum download

Zusammengestellt von F. Herzog