Pfarre Stadlau
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Thema Juni 2003

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Grundeinkommen zur Sicherung des sozialen Zusammenhalts?

Das im vergangenen Herbst gegründete “Netzwerk Grundeinkommen und sozialer Zusammenhalt hatte gemeinsam mit der Katholische Sozialakademie Österreichs (ksoe) und dem Sozialreferat der Diözese Linz zu der einer Fachtagung des Netzwerks “Grundeinkommen und sozialer Zusammenhalt" eingeladen.

Die Einführung eines von Erwerbsarbeit unabhängigen Grundeinkommens könnte der Gefährdung des sozialen Zusammenhalts gegensteuern - so der Tenor der Fachtagung.

Bereits heute seien zwei Drittel der Arbeitnehmer im Dienstleistungssektor tätig, dieser sei gekennzeichnet durch flexiblen Arbeitseinsatz, hohe Einkommensunterschiede, Entsolidarisierung, Diversifizierung und die Auflösung traditioneller Arbeitsverhältnisse. Die Veränderungen der Arbeitswelt stellen laut der Sozialwissenschaftlerin Wohlgenannt hohe Anforderungen an die berufliche, zeitliche und örtliche Mobilität. „Um menschlich zumutbar und sozial verträglich zu sein“, müsste dieser Flexibilisierung der Arbeits und Lebensgestaltung mit einer allgemeinen Grundsicherung begegnet werden, meinte Wohlgenannt. Dieses müsste von Erwerbsarbeit unabhängig, Existenz sichernd, demokratisch und zugleich leistungsfreundlich sein.

Niemand lebt vom Geld - aber Geld ist das Mittel, sich das zu beschaffen, was zum Leben nötig ist.

Ein Grundeinkommen für alle Menschen dieser Welt- eine Utopie? Viele seriöse Fachökonomen, darunter der Professor an der Universität Paris Yoland Bresson, haben vorgerechnet, dass ein weltweites, unbedingtes, persönliches Grundeinkommen für alle Menschen dieser Welt, zum Beispiel in der Höhe von einem Dollar pro Person und Tag, jedenfalls finanzierbar wäre.

"Geld ist nicht alles, aber ohne gesicherten und von Schande befreiten Geldzufluss können Menschen nur schwer sich aufraffen, als Partner an der Veränderung des Zusammenlebens teilzunehmen", sagt Erich Kitzmüller über Grundeinkommen als wichtigen Schritt zum Gemeinwohl. Er sieht im Grundeinkommen die Voraussetzung für die Entwicklung unterschiedlicher Lebensstile und die Ermöglichung verschiedener Tätigkeiten, als Voraussetzung für jene Änderungen, die für einen verantwortbaren Umgang mit den Ressourcen der Erde notwendig sind.


Den Aspekt der Armutsbekämpfung macht Claus Offe zum Thema, indem er die "Verschwendung" beschreibt, die bei der Vergabe von Sozialhilfe betrieben wird. Jede "bedarfsorientierte" Sozialleistung setzt einen riesigen Apparat in Gang, der alles mögliche prüfen und kontrollieren muss, um Bedürfnisse und Ansprüche festzustellen und Menschen gegebenenfalls "arbeitsgerecht" zu machen und sie dabei zu demütigen und noch weiter an den Rand zu drängen. Grundeinkommen wäre billiger und menschengerechter, so sein Plädoyer.
Für eine menschengerechte Entwicklung der Welt braucht es soziale Innovationen. Die Suche nach Überwindung kriegerischer Auseinandersetzung durch Formen der Konfliktlösung ohne Waffengewalt, die Durchsetzung von Menschenrechten und Mitbestimmungsrechten in weltweiten Entscheidungen durch Soziale Bewegungen, und die weltumspannende Idee eines unbedingten Grundeinkommens für jeden Menschen könnten dazu führen, dass die globale Welt auch eine menschengerechte Welt sein wird.
Es ist Zeit, das Menschenrecht auf Leben zu konkretisieren durch ein Recht auf Einkommen, ein allgemeines, unbedingtes Einkommen für jeden Menschen dieser Welt.


Ist ein unabhängig von einer Erwerbstätigkeit ausbezahltes Grundeinkommen ein Menschenrecht?

Oder unterstützt man damit nur "arbeitsscheue Sozialschmarozzer"?

 

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Quelle: ksoe

Kathpress

Zusammengestellt von F. Herzog