Pfarre Stadlau
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Thema Mai 2003

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Die Kirche lebt von der Eucharistie!

"Ecclesia de Eucharistia"

Papst Johannes Paul II. hat erwartungsgemäß zum Gründonnerstag das angekündigte Weltrundschreiben (Enzyklika) über die Eucharistie und ihren Bezug zur Kirche veröffentlicht. Rasch und reflexartig wurde viel Kritik an dieser Enzyklika laut. Doch was will uns der Papst mit diesem Rundschreiben tatsächlich sagen? Will er tatsächlich ökumenische Bestrebungen zu Grabe tragen oder will er einfach nur einige Klarstellungen zum höchsten Gut der Kirche geben? Es ist an der Zeit sich mit diesen Fragen mehr als nur oberflächlich auseinander zu setzen.

Der Theologe Otto Hermann Pesch ortet die Probleme "ohnehin eher mehr im praktischen Bereich". Evangelische Christen störten sich an einem überzogenen eucharistischen Kult, während Katholiken daran Anstoß nähmen, "wenn immer noch manche evangelische Pfarrer Hostien wieder in die Pappschachtel zurücklegen un den Wein ausschütten".

Das Hauptthema des päpstlichen Schreibens stellt den wechselseitigen Zusammenhang zwischen Kirche und Eucharistie dar. Die Grundaussage lautet immer wieder, dass die Eucharistie die kirchliche Gemeinschaft aufbaut, zu ihr immer tiefer hinführt und die Mitte des Wachstumsprozesses der Kirche ist. Dies wird in vielen Ausführungen und nach allen Seiten hin sowohl von der Kirche wie von der Eucharistie her beleuchtet. Dabei gibt es theologische Grundsatzüberlegungen, meditative Passagen und auch Hinweise zur pastoralen Situation und Bedeutung der Eucharistie. Dies ist besonders auch im Blick auf das Zweite Vatikanische Konzil und die Erneuerung des Gottesdienstes gesagt.

Zur richtigen Erfassung der Tragweite dieses Dokumentes sei eine ruhige Lektüre erforderlich, merken die schweizer Bischöfe in ihrer Stellungnahme an. Ansonsten sei es möglich, dass man darin irrtümlicherweise einen "Kampftext gegen Missbräuche inhaltlicher Art" sehen könnte oder enttäuscht sei vom Sprachgebrauch, der durchaus "traditionell" ausgefallen sei.

Johannes Paul II. setzte mit der Enzyklika die angebrochene neue Epoche - "reich an Hoffnungen, aber ebenso an bedrückenden Unsicherheiten" - unter das Zeichen der Eucharistie. "Zusammen mit dem Papst" ermutigen die Schweizer Bischöfe in ihrem Communiqué die Katholiken der heutigen Welt, ein Zeugnis ihres Glaubens an die Eucharistie zu geben. Sie zitieren und bekräftigen die Worte des Papstes: "Hier ist der Schatz der Erde, das Herz der Welt, das Unterpfand des Ziels, das jeder Mensch anstrebt."

Der Text steht in einem weiten ökumenischen Horizont, aber er ist zuerst eine Aussage für die katholische Kirche. Der Papst nimmt nichts zurück vom ökumenischen Engagement der katholischen Kirche, ja er verstärkt es. Immer wieder zitiert er seine große Ökumene-Enzyklika aus dem Jahr 1995 (Ut unum sint). Er möchte das Feuer der ökumenischen Hoffnung auf dem Weg zur sichtbaren Einheit der Kirche nicht mindern, wenn er im Blick auf eine Gemeinschaft aller Christen beim Herrenmahl vor einem übereilten Vorgehen warnt.

Diese Zurückhaltung kann nur für den ersten Augenblick enttäuschen. Sie stellt freilich zugleich eine große Herausforderung für die Theologie und das Miteinander der Christen dar. Es ist vieles schon möglich und notwendig im Leben und Zeugnis der Christen untereinander. Zum Erreichen des letzten großen Zieles in der Gemeinschaft am Tisch des Herrn brauchen wir jedoch nicht nur mehr Zeit, sondern auch die Überwindung mancher großer Hindernisse.


Eines jedenfalls schein sicher: Das Gespräch muss nun noch intensiver werden. In der Lehre und Praxis der Eucharistie, zu der ganz wesentlich die Gemeinschaft im Herrenmahl gehört, kann man sich nur über einen gelungenen und darum verlässlichen Konsens freuen.


Was spricht für und was spricht gegen eine Mahlgemeinschaft mit nichtkatholischen Christen?

Wieviel Zeit wird noch nötig sein, bis wir endgültig dorthin gelangen?

 

Wie denken Sie darüber?

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Quelle: Deutsche Bischofskonferenz

Katholische Internationale Presseagentur /Schweiz)

Download der Enzyklika "Ecclesia de Eucharistia" (dt.Fassung)

Zusammengestellt von F. Herzog