Pfarre Stadlau
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Thema Februar 2003

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Drei Imperative zur Überwindung der Angst

Eugen Biser, einer der bedeutendsten deutschen Theologen und Religionsphilosophen und Nachfolger von Karl Rahner auf dem einst von Romano Guardini geschaffenen Lehrstuhl für Christliche Weltanschauung, feierte am 6.Jänner seinen 85.Geburtstag. Aus diesem Anlass sprach er sich in einem "Furche"-Interview dafür aus, in der Kirche den Glauben neu zu entdecken und wandte sich entschieden gegen jede "Pädagogik der Angst".

Eugen Biser

Auf die Frage, ob es denn eine Instanz gibt, die dieser Angst des Menschen gewachsen ist und dagegen aufkommt, antwortete Biser "Ja, das Christentum, wenngleich sich da zunächst eine große Barriere in den Weg stellt. Denn die Christen haben sich geeinigt, eine Pädagogik der Angst über die Menschen zu verhängen, und da sind sämtliche christlichen Konfessionen, so sehr es in dogmatischen Fragen Dissens gibt, einer Meinung: Man muss dem Menschen Angst machen, dann pariert er und unterwirft sich den Direktiven der Kirche; dann wird das kirchliche Leben seine Ordnung behalten. Genau das aber steht in krassestem Widerspruch zu dem, was Jesus gewollt hat, wenn es stimmt, dass das Christentum die Religion der Angstüberwindung ist."

Drei "Imperative" des Papstes zur Überwindung der derzeit herrschenden Angst:
"Ja zum Leben", "Achtung des Rechts" und "Solidarität"

Papst Johannes Paul II
Papst Johannes Paul II. hat bei seiner Neujahrsansprache vor dem beim Heiligen Stuhl akkreditierten diplomatischen Corps drei "Imperative" zur Überwindung des Gefühls der Angst, das häufig das Herz unserer Zeitgenossen packt" angeregt.
Als einen der Gründe für dieses verbreitete Gefühl der Angst nannte der Papst insbesondere den "Terrorismus, der in jedem Moment und an jedem Ort zuschlagen kann, das ungelöste Problem des Nahen Ostens im Heiligen Land und im Irak" und "jene Konflikte, die zahlreiche afrikanische Länder daran hindern, sich ihrer eigenen Entwicklung zu widmen; die Krankheiten, die Ansteckung und Tod nach sich ziehen; das schlimme Hungerproblem vor allem in Afrika; die verantwortungslosen Verhaltensweisen, die zur Verarmung und Ausbeutung der Ressourcen der Welt beitragen".

"Doch alles kann sich ändern. Es hängt von jedem einzelnen von uns ab". Und hier setzen die "Imperative" an, die nach Meinung des Papstes notwendig sind, "wenn man vermeiden will, dass ganze Völker und vielleicht die Menschheit selbst dem Untergang preisgegeben werden".

Vor allem müssten insbesondere die Verantwortlichen der Nationen ein klares "Ja zum Leben" sagen.
"Achtung vor dem Leben: hier beginnt alles, da das grundlegendste Menschenrecht sicherlich das Recht auf Leben ist".
"Abtreibung, Euthanasie und Klonen des Menschen drohen den Menschen auf ein bloßes Objekt zu beschränken, sozusagen Leben und Tod auf Bestellung!".
Justizia
Zweitens verlangte der Papst die "Achtung des Rechts", denn "das Leben in Gesellschaft, insbesondere im internationalen Bereich, setzt gemeinsame und unveräußerliche Prinzipien voraus, deren Ziel es ist, die Sicherheit und Freiheit der Bürger und Nationen zu garantieren. Diese Verhaltensregeln sind die Grundlage nationaler und internationaler Stabilität".
"Heutzutage verfügen die verantwortlichen Politiker über sehr angemessene Texte des Rechts. Man muss sie nur auch in die Tat umsetzen. Die Welt wäre ganz anders, würde man beginnen, die unterzeichneten Abkommen auch ehrlich anzuwenden".

Drittens hob der Heilige Vater die "Pflicht zur Solidarität" hervor. "In einer von Information überfütterten Welt, in der es aber paradoxerweise an Kommunikation mangelt und in der die Lebensbedingungen eine skandalöse Ungleichheit an den Tag legen, ist es wichtig, nichts unversucht zu lassen, damit sich alle für das Wachstum und den Wohlstand aller verantwortlich fühlen. Davon hängt unsere Zukunft ab".
"Ein arbeitsloser Jugendlicher, ein zum Außenseiter gewordener behinderter Mensch, verlassene alte Menschen, von Hunger und Elend geplagte Länder lassen den Menschen nur allzu oft verzweifeln und der Versuchung erliegen, sich einzuigeln oder Gewalt anzuwenden", sagte Johannes Paul II. abschließend.

Solidarität


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Quelle: Zenit

Furche

Zusammengestellt von F. Herzog