Pfarre Stadlau
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Thema Dezember 2002

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Das Kind in der Krippe ...!

Das Kind aus dem Reagenzglas ...?

Weihnachten steht vor der Tür. Während wir uns um die Krippe versammeln und die Geburt unseres Herren als den "neuen Menschen" nach Adam feiern, bemühen sich zahllose Forscher rund um den Globus durch Genmanipulation, Embryonen-Selektion oder biotechnische Konstruktionen den "neuen Menschen" auf ihre Art und Weise zu erschaffen.

Ende Oktober trafen sich in Mariazell erstrangige Fachleute aus Medizin, Theologie, Rechtswissenschaft und Medienwelt zu den von der Mariazeller Akademie veranstalteten Mariazeller Gesprächen. 

Ethik in der Forschung - "Menschenzucht?" war der Titel der Veranstaltung

Ethischen Fragen soll in Wissenschaft, Forschung, Ausbildung und in der öffentlichen Debatte mehr Raum gegeben werden. Das wurde auch  in der veröffentlichten Abschlussresolution gefordert. Die Teilnehmer sprachen sich weiter dafür aus, dass die Unantastbarkeit der Menschenwürde auch in der österreichischen Verfassung deutlich deklariert wird.

Vor einer "fortschrittsfeindlichen" Haltung im Bereich der Biotechnik "auf Grund nicht vorhandenen Verständnisses, nicht angeeigneten Wissens und der daraus resultierenden eingeschränkten Beurteilungsfähigkeit" warnte der Wiener Gynäkologe und Vorsitzende der Bioethikkommission, Prof. Johannes Huber. Es sei falsch, Orwellsche Szenarien zu beschwören. Umgekehrt sei die Wissenschaft gefordert, Wertvorstellungen in die Diskussion einzubringen. Allerdings habe er den Eindruck, dass die Zahl der Wissenschaftler mit klaren Werten "immer geringer" werde. Im Rahmen einer notwendigen öffentlichen Debatte sei insbesondere auch der christlichen Tradition ein hoher Stellenwert zuzumessen.

Die Fortschritte in der biomedizinischen Forschung schüren einerseits große Hoffnungen in Therapien für derzeit noch unheilbare Erkrankungen, andererseits aber auch Ängste hinsichtlich der Integrität und Würde des Menschen. Das stellte der in Hagen lehrende deutsche Philosoph Jan B. Beckmann fest. 

"Bisher war es so, dass Wissenschaftler etwas entdecken, etablieren und dann fragen, ob es gut ist", erläuterte Beckmann. Diese Haltung sei nun nicht mehr haltbar. Heute habe "das Können das Dürfen schon weit überschritten", ist der Philosoph überzeugt. Allerdings sei auch die Gesellschaft aufgefordert "zu sagen, wo sie Grenzen gezogen haben will": Man könne diese Diskussion nicht nur den Experten überlassen, "das muss öffentlich gemacht werden", so Beckmann.

Wer meine, der "neue Mensch" werde sich durch Genmanipulation, durch Embryonen-Selektion oder durch biotechnische Konstruktion herstellen lassen, werde immer der Kritik von Christen begegnen. Wer dabei den Christen vorwerfe, "Modernitätsverweigerung" zu betreiben, stehe in "merkwürdigem Gegensatz" zum genau gegenteiligen Vorwurf, wonach der jüdisch-christliche Schöpfungsglaube die Natur entzaubert und damit erst gefährliche Eingriffe in Gang gebracht hätte.

Diözesanbischof Egon Kapellari

Bischof Kapellari verwies auf das biblische Bild vom Menschen als "Gottes Ebenbild", dem die Schöpfung zur Gestaltung und Entfaltung anvertraut ist. Die dabei dem Menschen von Gott gesetzten Grenzen betreffen nicht die menschliche Erkenntnis.  Es gehe um eine Absage an die Versuchung, über andere gottgleiche Macht auszuüben. Grenzen des Eingreifens in die Natur zeichneten sich auch in der Erzählung vom Turmbau zu Babel ab.

Eine heutige Variante des biblischen Turmbaus könnte das "Human-Genom-Projekt" sein, bei dem die genetischen Baupläne und molekularen Bausteine verwendet und embryonales Leben verbraucht werde, um etwa Nerven- oder Muskelzellen zu züchten oder mit Hilfe des Klonens Kopien von sich selbst herzustellen. Hier stehe die Personalität und die "individuelle Würde des Menschen" auf dem Spiel.

Der griechisch-orthodoxe Metropolit Michael Staikos betonte beim Vespergottesdienst im Rahmen der "Mariazeller Gespräche", die Christen seien angesichts der wissenschaftlichen Entwicklungen neu herausgefordert, das Menschenbild vor "Entpersonalisierung und Degradierung" zu schützen.

Der Respekt vor der Persönlichkeit des Menschen gehöre zu den höchsten Idealen und Werten der heutigen Zeit. Die Überzeugung, dass jeder Mensch eine einmalige Person ist, die als solche Rechte und Würde hat, gehe auf den christlichen Glauben und seine Auffassung vom Menschen als Abbild und Gleichnis des dreieinigen Gottes zurück.

Der "ethische Diskurs" sei deswegen so schwer in die öffentliche Diskussion einzubringen, weil sich Naturwissenschaften auf der einen Seite und Geisteswissenschaften und Theologie auf der anderen Seite "weit auseinanderentwickelt" hätten und nur ganz wenige Persönlichkeiten über eine ausreichende Kompetenz verfügten, stellte Bischof Kapellari fest. Umsomehr trat er für die Förderung einer "interdisziplinären Kommunikation" ein; Theologen und andere kirchliche Verantwortungsträger hätten hier Wichtiges beizutragen.

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Bringt die Gentechnik Hilfe in der Medizin?

Oder versündigt sich die Wissenschaft hier an der Schöpfung?

Wo sollen die Grenzen der wissenschaftlichen Forschung gezogen werden?

Kommt für uns der "neue Mensch" noch aus der "Krippe" oder bald aus dem "Reagenzglas"?

 

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Quelle: KAP; Mariazeller Akademie

Zusammengestellt von F. Herzog