Pfarre Stadlau
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Thema November 2002

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Moral im Geschäftsleben 

Eine neue Skandal-Welle hat die Geschäftswelt erfasst. Nach der Welle der Bilanzfälschungsskandale Anfang dieses Jahres, betreffen die neuesten Enthüllungen den verschwenderischen Lebensstil in den Spitzenetagen.

Ein Spitzenmanager ist angeklagt , eine Million Dollar Umsatzsteuer bei Kunstkäufen hinterzogen zu haben. Derselbe Manager kam schon wegen seines üppigen Lebensstils unter Beschuss: So stellte das “Wall Street Journal” fest, es sei sicher nicht leicht, 15.000 Dollar für einen Schirmständer auf Firmenkosten auszugeben, aber es sei gelungen.
Der Nächste in der Schusslinie war ein früherer Spitzenmanager von General Electric. Nach Enthüllungen, dass eine große Auswahl von Vorteilen die Gesellschaft zwei bis zweieinhalb Millionen Dollar jährlich gekostet hat, teilte der Firmensprecher mit, der  Betroffene werde die Gesellschaft für den Wert aller etwaigen Gefälligkeiten und Vergünstigungen entschädigen, deren er sich seit seinem Ruhestand bedient habe.

Usw. usw.  - die Aufzählung ließe sich fast beliebig fortsetzen.

Als Rechtfertigung wurde in dieser Debatte geltend gemacht, dass der Ex-Spitzenmanager, dadurch, dass er während zwei Jahrzehnten die Gewinne der Aktionäre um mehr als 400 Milliarden Dollar gesteigert habe, mehr Wert sei als alle etwaigen Ruhestandsvergünstigungen. 

Washington Post: “Es gibt ein einziges Ziel, auf das sich Firmen einigen können, und das heißt, gut zu verdienen.” Der Leitartikel schloss mit der Forderung, sich über strengere Gesetze über Geschäftspraktiken zu einigen.

Financial Times: “Das zu Grunde liegende Problem besteht darin, dass wir in einer Zeit leben, die man treffend als 'nach-ethisch‘ bezeichnen könnte.” Die Menschen heutzutage folgten dem Gefühl, sie seien “Emotivisten”, die moralische Urteile relativieren und “ dem Gesetz gehorchen: hilf den anderen und respektiere Sitten und Gebräuche nur dann, wenn sie sich rechnen, dass dies dir persönlich irgendwie nützen wird.”

Und der frühere amerikanische Kultusminister William Bennett schreibt in der Chicago Tribune: “Der Kapitalismus ist ein Wirtschaftssystem, das Tugenden und Charakter voraussetzt. Es entfaltet sie in Kapitalisten nicht von sich aus.” 
Die “Gier ist gut”-Mentalität sei in die Wirtschaftsschulen eingedrungen, argumentierte Bennett. Um dies zu beheben, benötige “der Kapitalismus Kapitalisten mit moralischem und ethischem Halt.”

Eine Situation, in welcher der durchschnittliche Spitzenmanager grob gerechnet 400 mal mehr verdiene als der durchschnittliche Arbeiter in der Produktion, verglichen mit einem Verhältnis von 42 zu 1 vor zwei Jahrzehnten, sei eine “schrecklich schlechte Sozialpolitik” [Bill McDonough, Präsident der New York Federal Reserve (Bundesbank)].

Johannes Paul II. hat in seiner Enzyklika “Centesimus Annuserklärt: “ Der Zweck einer Geschäftsfirma ist nicht einfach der, Profit zu machen, sondern er soll in seiner Existenz selbst als einer Gemeinschaft von Personen gefunden werden, die sich auf verschiedene Weise darum bemühen, ihre grundlegenden Bedürfnisse zu befriedigen und die eine besondere Gruppe im Dienst der ganzen Gesellschaft bilden.” Außer dem Profit, dessen “legitime Rolle” der Papst anerkennt, müssen “weitere menschliche und moralische Faktoren ebenfalls berücksichtigt werden, die auf lange Sicht mindestens ebenso wichtig für das Leben eines Unternehmens sind.”

Es gibt aber ein Gegentrend in der Gesellschaft: „Geschäftlicher Erfolg und Ehrlichkeit schließen einander nicht aus. Es gibt ein „Wirtschaften mit weißer Weste“, erklärte der Unternehmer und Segelweltmeister von 1972, Karsten Meyer, kürzlich bei einem Vortragsabend. Der 64jährige Inhaber einer Firma mit 520 Mitarbeitern war mit 59 Jahren in eine Lebenskrise geraten. Bis dahin zählte er sich zum Jetset. In der Krise habe er das Gefühl bekommen, sich auf nichts mehr verlassen zu können, berichtete Meyer. Darauf habe er sich dem christlichen Glauben zugewandt. Als Konsequenz seien für ihn Lügen tabu und Ehrlichkeit zum obersten Gebot geworden. Allerdings seien auch einige Freundschaften in die Brüche gegangen. Mit Partnern und Konkurrenten gehe er seither offen und fair um. Meyer wörtlich: „Durch den Glauben an Jesus Christus ist mein Leben viel schöner geworden.“

„Wer seine Handlungen nach den Grundwerten christlicher Ethik ausrichtet, wird bemüht sein, ein guter Haushalter zu sein, der mit den ihm anvertrauten Menschen und Werten verantwortungsvoll umgeht. Er weiß, dass er planvoll wirtschaften sollte, dass er nicht mehr ausgeben kann, als er einnimmt, und dass er mit Gewinn arbeiten muss, wenn er in die Zukunft investieren will.“ 

(Klaus-Dieter Trayser; Vermögensberater)

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Wo beginnt die Frage nach der Moral im Berufs- und Geschäftsleben?

Bei den Millionengagen der Spitzenmanager ...

oder schon dann, ...

wenn man auf die Frage "brauchen'S  a  Rechnung?", mit "NEIN" antwortet?

 

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Quelle: Zenit

Zusammengestellt von F. Herzog