Pfarre Stadlau
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Thema Oktober 2002

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Finsternis wird durch das Licht besiegt, nicht durch Waffen

Ein sich selbst als besonders papsttreu gerierender österreichischer Bischof und Liebling der Medien bezeichnete kürzlich in einem Interview den Islam als "eine aggressive Religion" und meinte dann weiter "zwei Türkenbelagerungen waren schon, die dritte haben wir jetzt", nur gehe es heute "halt auf einem anderen Weg".

Fast zeitgleich zu diesen Äußerungen trafen sich in Palermo auf Sizilien Vertreter aller christlichen Kirchen, Moslems und Juden zu einem Dialog um das gegenseitige Verständnis zwischen den Religionen und Kulturen zu fördern. Und der Papst sandte den 450 Vertretern von 12 Religionsgemeinschaften eine Grußbotschaft.

In Fortsetzung des ersten Religionstreffens von Assisi im Jahr 1986 lud die Gemeinschaft Sant Egidio  zu einem Treffen nach Palermo.  Der Papst erinnerte in seiner Botschaft an dieses erste Religionstreffen und meinte, dass diese Begegnung nicht Ausdruck gegensätzlicher Positionen und schon gar nicht gegenseitiger Missachtung sein dürfe, sondern eine Suche nach konstruktivem Dialog, bei dem jeder sich dem anderen öffne. "Erst recht in der heutigen Zeit ist es notwendig, in diesem Geist zu leben" und weiter, dass "Finsternis nicht durch Waffen zerstieben wird, sondern durch das Entzünden von Licht". "Möge von Palermo aus ein neuer Aufruf an alle ergehen, damit sich alle verantwortungsbewusst für Gerechtigkeit und echte Solidarität einsetzen".


Palermo 2002


"Gott ist Frieden,  w
er sich auf Gott beruft, um einen Krieg vom Zaun zu brechen, beleidigt Gott und die Menschen."
(Walter Kasper, Kurienkardinal und Präsident des päpstlichen Einheitsrates)

"Es gibt keine heiligen Kriege." (Mohamed Amine Smaili, moslemischer Theologe von der Universität Rabat)

"Nur der Frieden ist heilig" (René Samuel Sirat, Chef der europäischen Rabbiner-Konferenz aus Paris)

Mit einer Friedensprozession wurde das Weltreligionstreffen für Frieden und Dialog beschlossen. Die Teilnehmer kamen auf dem Polytheama-Platz in Palermo je nach Konfessionen und Glaubensgemeinschaften geordnet zusammen, um dort für Eintracht zu beten.

Man proklamierte und unterzeichnete den Friedensaufruf 2002, worin gefordert wird, dass "das Leid der Welt uns veranlassen möge, ob Gläubige oder Nichtgläubige, gemeinsam nach Wegen des Friedens und der Solidarität suchen".
Die Teilnehmer wiesen auf folgendes hin: "Alle Welt braucht Hoffnung, Hoffnung, um überhaupt mit dem Anderen leben zu können, Hoffnung, um nicht unter dem Eindruck durchlebten Leids zu verbleiben, Hoffnung, um eine Welt errichten zu können, in der alle in Würde zu leben vermögen".
"Die Globalisierung darf nicht nur eine freie Zirkulierung der Güter bedeuten, sondern sie muss auch die Solidarität, den Dialog, die Gerechtigkeit und die Sicherheit aller globalisieren", so heißt es in der Erklärung.

Friede ist fundamentaler Wert für Christen, Juden und Muslime

Kardinal Kasper meinte in einem Interview, dass es ist eine Beleidigung Gottes und der Menschen sei, tausende Menschen 'im Namen Gottes' zu töten und dass der Friede ein "fundamentaler Wert" für Christen, Juden und Muslime sei. "Wenn in einer solchen Zeit die Christen gegeneinander stehen, können sie nicht Zeichen und Instrument des Friedens sein". 

Auf diesem Weg hätten die Christen viel zu geben, weil der Friede auf den christlichen Werten von "Gerechtigkeit, Versöhnung und Vergebung" aufbaue. In diesem Zusammenhang, erlange aber auch der ökumenische Dialog der getrennten Christen, eine nie gekannte Bedeutung,

Gemeinsamer Stammvater Abraham

Ayatollah Ali Taschkiri bezog sich auf Gemeinsamkeiten der drei monotheistischen Weltreligionen, die sich vom Stammvater Abraham ableiten und gemeinsame Werte haben. "Fragen wie Menschenrechte, Gerechtigkeit, Familie und auch Terrorismus sind alles Gegenstände", so der iranische Gelehrte, "die einen gemeinsamen Gesichtspunkt in allen göttlichen Religionen haben." Mit wohlgesetzten Worten plädierte der Ayatollah für das Anti-Gewalt-Mittel Dialog an Stelle eines zwangsläufigen "Kampfes der Kulturen". 

Ohne Dialog wird der Gewalt der Weg geebnet

Amos Luzzatto, Präsident des Verbandes der Israelitischen Kultusgemeinden Italiens,  forderte in Palermo eine intensivere Selbstkritik der Religionen. Alle Religionen verkündeten die Nächstenliebe und den Glauben an Gott. Das allein genüge aber nicht. Die religiösen Menschen müssten sich auch fragen, warum die Prinzipien von Gerechtigkeit und Versöhnung nicht in der Praxis angewandt werden. Der Dialog sei aber die einzige Hoffnung, betonte Luzzatto. Wenn es keinen Dialog gebe, werde der Gewalt der Weg geebnet.

Es bleibt zu hoffen, dass das eintritt, was der Sprecher der Gemeinschaft Sant Egidio, Mario Marazziti, zu Beginn des Treffens äußerte: "Wir wollen, dass der Dialog lang- mittel und kurzfristig das Mittel zur Überwindung der gespaltenen Welt und dieser Mauer ist, welche die westliche christlich-jüdische Welt von der arabischen und muslimischen trennt. "Wir glauben, dass von den Religionen ein wichtiges Zeichen ausgehen kann, um verschiedene Welten einander näher zu bringen und Barrieren zu überwinden, damit Brücken in der Zivilgesellschaft gebaut werden können. Angesichts dieser Herausforderung an die heutige Welt können die Religionen, meine ich, der Globalisierung eine Seele schenken".

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Erleben wir gerade die "dritte Türkenbelagerung", gegen die wir uns so wie 1529 und 1683 mit Waffengewalt wehren müssen?

 

Oder besteht im Dialog die Chance das Gemeinsame zu erkennen, wie es der gemeinsame Stammvater Abraham vorgezeichnet hat?

 

Wie denken Sie darüber? 

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Quelle: Zenith

Zusammengestellt von F. Herzog