Pfarre Stadlau
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1220 Wien

Thema Juli 2002

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Welternährungsgipfel 2002 ... und dann ...?

Im Jahr 1948 beschlossen die Vereinten Nationen die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“, deren Artikel 25 lautet:

 Jeder hat das Recht auf einen Lebensstandard, der seine und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet, einschließlich Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztliche Versorgung und notwendige soziale Leistungen, sowie das Recht auf Sicherheit im Falle von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Invalidität oder Verwitwung, im Alter sowie bei anderweitigem Verlust seiner Unterhaltsmittel durch unverschuldete Umstände.“

Mehr als fünfzig Jahre sind es her, seit die UNO mit dieser Erklärung

„Nahrung“ als „Menschenrecht“ 

definierte.

Mehr als fünfzig Jahre später – im Juni 2002 – ruft die FAO (Food and Agricultural Organisation), eine Unterorganisation der UNO, zu einem „Welternährungsgipfel“. Warum? Ist 50 lange Jahre lang nichts geschehen um den Hunger in der Welt zu bekämpfen?

Eines der erklärten Ziele des letzten Welternährungsgipfels 1996 war es, die Zahl der Hungernden bis 2015 zu halbieren. Laut FAO hungerten 1996 840 Millionen Menschen und 2001 826 Millionen. Ein so geringer Rückgang lässt die Hoffnung auf eine Halbierung bis 2015 wohl schwinden.

Wie klein die Wünsche in der Zwischenzeit geworden sind, zeigt folgende Forderung von NGO-Vertretern am Gipfel in Rom: "Bei der Bekämpfung des Hungers kann schon viel erreicht werden, wenn Regierungen Maßnahmen unterlassen, die Bäuerinnen und Bauern schädigen.“ Nicht mehr „aktives Tun“ wird gefordert, sondern „passives Unterlassen“ von schädigendem Verhalten gegenüber den Bauern würde schon hilfreich sein. Eine sehr bescheidene Forderung, die nicht eines gewissen Zynismusses entbehrt! Hier fügt sich nahtlos die Feststellung der FAO vor dem Gipfeltreffen an, dass weltweit die Mittel für Entwicklungshilfe in der Landwirtschaft in den 90-er Jahren um 30% zurückgegangen sind.

 

In seiner Grußbotschaft an die Teilnehmer des Welternährungsgipfels in Rom vom 10. - 13.Juni wies der Papst darauf hin, dass das Hungerproblem nur durch Solidarität gelöst werden kann.

 

von links: UN Generalsekretär Kofi Annan, 

FAO Generaldirektor Jacques Diouf, 

Kardinal-Staatssekretär Angelo Sodano, 
  

Der Heilige Vater stellte fest, wenn die internationale Staatengemeinschaft es bis jetzt nicht geschafft hat, ihr vorgenommenes Ziel der Reduzierung der Hungerleidenden auf die Hälfte zu erreichen, so liegt das "zum Teil an der mangelnden Kultur der Solidarität und den internationalen Beziehungen die nicht selten einem Pragmatismus anhängen, der kein ethisch-moralisches Fundament aufweist. ... Heute ist die Solidarität innerhalb der internationalen Beziehungen mehr denn je dringlich und wird zum inspirierenden Kriterium für jegliche Form von Zusammenarbeit, da man sich des universalen Geschickes der vom Schöpfergott anvertrauten Güter bewusst ist. Dieses Engagement ist gerade deshalb notwenig und legitim, weil die Armut und der Hunger das Risiko mit sich bringen, das harmonische Zusammenleben der Völker und Nationen zu gefährden und den Frieden und die internationale Sicherheit konkret zu bedrohen".

Wird die Stimme des Papstes gehört werden?

Werden die Regierungen der Welt umdenken?

Werden wir alle (auch: DU + ICH!) mehr „solidarisch“ handeln?

Oder treffen sich die Vertreter der internationalen Organisationen und mehr als hundert Staats- und Regierungschefs in fünf Jahren beim nächsten Welternährungsgipfel um die gleiche Situation erneut zu beklagen?

Wie denken Sie darüber? 

Schreiben Sie uns Ihre Meinung in unser Gästebuch.

 

Zusammengestellt von F. Herzog