Pfarre Stadlau
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Thema Mai 2002

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Neue "Ritenkultur" soll Menschen Zugänge zur Kirche öffnen

Die christlichen Kirchen sind auf der Suche nach neuen Formen der Gestaltung ihrer Riten; diese Formen sollen auch kirchlich wenig oder gar nicht gebundenen Menschen wieder Zugänge zum Glauben bzw. zur Kirche eröffnen. Das wurde bei einem Symposion über "Ritenkultur" deutlich, das von der Theologischen Fakultät der Universität Wien und dem ORF veranstaltet wurde. 

Die Kirche brauche große Offenheit, Sensibilität und Gastfreundschaft für alle Menschen, die religiösen Beistand oder rituelle Begleitung an wichtigen Stationen des Lebens - Geburt, Heirat, Tod - suchen, stellte  Prof. Zulehner fest. Bei der Frage, ob man Menschen zu Sakramenten und anderen kirchlichen Riten "zulässt" oder nicht, müsse immer im Bewusstsein bleiben, dass "der erste Handelnde immer Gott ist, nicht der Mensch". Die Kirche habe die Aufgabe, im Ritual den suchenden Menschen "die Zuneigung Gottes erfahrbar zu machen", so Zulehner, der als Rektor der Fakultät das Symposion leitete.

Bessere "Feier"-Ausbildung nötig

Zulehner forderte eine bessere Ausbildung für jene, die Riten und Sakramente in der Kirche leiten und gestalten. Priester und andere führende Mitarbeiter in den Pfarrgemeinden müssten nicht nur darin geschult werden, eine Gemeinde zu leiten, sondern auch dafür, Riten entsprechend zu "inszenieren" - eine Kunst, die in der Tradition als "ars celebrandi" bezeichnet wird.

Gegen "Katechetisierung" der Liturgie

Wer am liturgischen Ritual der Kirche teilnehmen will, vertraue sich prinzipiell der Kirche und ihrem Glauben an, auch wenn er ihn nicht ausdrücklich teilt, so der Würzburger Liturgiewissenschaftler Prof. Haunerland. Somit könnten die Rituale mit all jenen gefeiert werden, die sich nicht ausdrücklich von dem distanzieren, was die Kirche feiern will, "die also dem rituellen bzw. sakramentalen Geschehen keinen Riegel vorschieben". Zudem warnte er vor einer "Pädagogisierung und Katechetisierung" der Liturgie. Wer eine Liturgie mit Erklärungen darüber überlade, was hier geschieht, zerstöre das Ritual.

"Tradition vs. Erneuerung" der Riten

Der Welser Pfarrer Johann Bräuer bemängelte, die gegenwärtige Sakramententheologie sei zu starr an der Tradition orientiert und zeige sich wenig bereit, auf ein verändertes Selbstverständnis des Menschen einzugehen. Laut der Wiener Theologin Veronika Prüller-Jagenteufel würden gerade in feministischen Kreisen auch kirchliche Riten positiv weiter entwickelt. Sie warnte vor einer Spaltung in eine rituelle "Hochkultur" und eine für "Unverständige". Man könne Liturgie und Riten nicht gegen die "Herzen" der Menschen und ihre Bräuche gestalten, sondern die Kirche müsse sie aufgreifen und einbeziehen.

Leitplanken der Lebensführung und Alltagsbewältigung

Laut Zulehner darf die kirchliche Sakramententheologie nicht den Bezug zu anderen Wissenschaften verlieren, die sich ebenfalls mit dem Phänomen menschlicher Riten befassen. Die Volkskundlerin Olivia Wiebel-Fanderl erläuterte, Rituale aller Art seien einerseits "Leitplanken der Lebensführung und Alltagsbewältigung", anderseits ließen sich an ihnen ethische, weltanschauliche und soziale Überzeugungen ablesen. Sie hätten manchmal "therapeutische" Funktion - etwa als Begräbnisritus-, könnten aber auch zu einengenden Größen werden.

 

- Brauchen wir neue Formen der Riten?

- Bewahren Riten die Tradition?

- Können Riten helfen, einen Zugang zum Glauben zu finden?

- Sind Riten "Leitplanken" in unserem Alltag?

 

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Zusammengestellt von F. Herzog