Pfarre Stadlau
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1220 Wien
Thema Jänner 2002 01 / 282 22 44 pfarre.stadlau@donbosco.at
 

Scheinbar närrisch von Gott sprechen!

Vorbei ist die Weihnachtszeit, die „ruhige“, die  „besinnliche“ Zeit und 
es beginnt der
Fasching, eine „verrückte“, eine „närrische“ Zeit. 

Warum folgt das eine auf das andere?
Was haben die beiden miteinander zu tun? 

In der
Bibel finden wir nichts über ein fröhliches, ein „närrisches“ Treiben 
Jesu und seiner Jünger. 
Es wird uns aber von
gemeinsamen Festen und Feiern berichtet und 
sicher ging es dort auch hin und wieder etwas ausgelassener zu. 

Dürfen wir also „scheinbar närrisch von Gott sprechen?“


Dazu ein paar Gedanken von Bischof Joachim Reinelt aus Dresden-Meißen:

„Gloria in excelsis Deo! Ehre, Herrlichkeit sei Gott in der Höhe!", so klingt es uns von Weihnachten entgegen. Ja, die Herrlichkeit Gottes ist den Menschen erschienen. 
Aber, was ist das für eine Herrlichkeit?

Hans Urs von Balthasars hat einen Abschnitt seines großen Werkes über die „Herrlichkeit" mit der Überschrift „Narrentum und Herrlichkeit" versehen. 
Dort heißt es:

„Aber im Schutz der Narrenfreiheit kommt der Christ auch an Menschen heran, die das offizielle Kirchentum nicht erreicht oder die von den erstarrten Frömmigkeitsformen nicht mehr berührt werden."

Gottesnarren nennt sie die russische Tradition, Menschen, die sich scheinbar närrisch gebärden, die aber gerade dadurch von Gott sprechen. 
Franziskus soll solch ein Narr gewesen sein: wie von Sinnen in seiner Radikalität, scheinbar naiv in seiner Unbedarftheit. 
Philipp Neri war es auf seine Weise: Einen Kardinal, der sich seiner Gemeinschaft anschließt, lässt er als Koch in der Küche arbeiten und die Katzen füttern.
Weihnachtliche Menschen, scheinbar Narren in einer Zeit der Resignation, des Vogel-Strauß-Spielens vor Problemen und voreinander, Menschen, die kindlich und voller Vertrauen auf ihre Mitmenschen und ihr Leben schauen, solche Menschen kommen an, solche Menschen brauchen die Menschen.

„Sie scheinen überhaupt ein ganz positiver Mensch zu sein!", so wurde einem humorvollen Bekannten unlängst ein Kompliment gemacht.


Weihnachten ist eine Einladung, „herrliche Menschen" zu werden, weil das von Gott kündet: „Ein herrlicher Mensch, so unkompliziert, so offen, so voller Lebensfreude, immer mit einem frohen Wort im Mund und einem Lächeln für die anderen."

Auch der Ruf nach dem „erlösteren Aussehen" von uns Christen hat hier seinen Platz.    

Weihnachten ist die Einladung, wieder ein wenig verrückt zu sein, ver-rückt hin in eine Lebensform und -haltung, die Freude ausstrahlt, die uns und andere aufmuntert, die mit einem im tiefsten Inneren verankerten Humor den Mitmenschen, jeden Nächsten aufbauen kann und will.

Vielleicht haben auch wir neu Mut, etwas Verrücktes zu tun: einen Einsamen aus unserem Haus auf ein Stück Stollen einzuladen; denen im Haus, die keinen Glauben praktizieren, eine kleine Aufmerksamkeit zukommen zu lassen; „Gesegnete Weihnacht" in die Nacht um uns hinauszurufen!

Es gibt auch heute Menschen, die sich von der Herrlichkeit Gottes überraschen lassen.

Ihr Bischof Joachim Reinelt


„Aber im Schutz der Narrenfreiheit kommt der Christ auch an Menschen heran, die das offizielle Kirchentum nicht erreicht oder die von den erstarrten Frömmigkeitsformen nicht mehr berührt werden“
so lautet das Zitat von Hans Urs von Balthasars und die zentrale Aussage von Bischof Reinelt in obigem Text.

 

Wie denken Sie darüber? 
Lohnt es sich da nicht, ein wenig „närrisch“ zu werden? 
Schreiben Sie uns Ihre Meinung dazu bitte ins
Gästebuch!

Zusammengestellt von F. Herzog
 siehe auch:
http://kathweb.de/tdh/artikel/555.htm