Pfarre Stadlau
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1220 Wien
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Welche Chance hätte Jesus heute geboren zu werden?

- Die Abtreibungsziffern steigen.
- In-vitro-Fertilisation wird täglich vorgenommen.
- Was geschieht bei der Embryonenforschung?
- Ein menschlicher Embryo wurde geklont.

Christliche Bioethik ist mehr gefragt denn je!
Christliche Positionen zur Bioethik 


Die Österreichische Bischofskonferenz:

Die Sorgen der österreichischen Bischöfe beziehen sich vor allem auf den Umgang mit menschlichem Leben und die Achtung vor der Würde der Person sowie auf den Schutz der Jugend.
Die Bischöfe ersuchen dringend, dass unabhängig vom Beitritt zur Bioethik-Konvention allgemein verboten bleibt:
* jede entgeltliche und unentgeltliche „Verwertung“ von lebenden oder absichtlich getöteten menschlichen Embryonen oder Föten,
* jeder gezielte Eingriff in die menschliche Keimbahn,
* jede Erzeugung von menschlichen Embryonen durch jegliche Art von Klonung,
* jede Gewinnung von Stammzellen, die eine Zerstörung von menschlichen Embryonen zur Voraussetzung hat, unabhängig davon, wie diese zustandegekommen sind,
* jede Herstellung hybrider Lebewesen aus Keimzellen oder totipotenten Zellen von Mensch und Tier.

Eine besondere Sorge ist den Bischöfen auch die Entwicklung im Bereich der pränatalen Diagnostik. Aus allen Bundesländern wird berichtet, dass schon der geringste Verdacht auf das Vorliegen einer möglichen Behinderung des Kindes bei einem sehr hohen Prozentsatz der schwangeren Frauen zur Abtreibung führt. Die Bischöfe empfinden es als bestürzend, dass in einem Land, in dem in den letzten Jahren hervorragende Einrichtungen für Behinderte geschaffen wurden, auf diese Weise Selektion betrieben wird. Dringend wäre die gezielte Förderung von Beratungseinrichtungen, die betroffenen Frauen – verbunden mit der Beratung – die möglichen Hilfestellungen anbieten, wenn sie ihr Kind zur Welt bringen. Die katholische Kirche ist bereit, zur Bewältigung dieser Probleme weiterhin ihren Beitrag zu leisten.

Aus der Erklärung der österreichischen Bischöfe zur Bioethik vom 9. November 2001

Die Kongregation für Glaubensfragen:


Vom Augenblick der Empfängnis an muss jedes menschliche Wesen in absoluter Weise geachtet werden, weil der Mensch auf der Erde die einzige Kreatur ist, die Gott „um ihrer selbst willen gewollt“ hat, und die Geistseele jedes Menschen von Gott „unmittelbar geschaffen“ ist; sein ganzes Wesen trägt das Abbild des Schöpfers.
Die menschliche Fortpflanzung erfordert das verantwortliche Mitwirken der Eheleute mit der fruchtbaren Liebe Gottes; das Geschenk des menschlichen Lebens muss innerhalb der Ehe mittels der spezifischen und ausschließlichen Akte der Eheleute verwirklicht werden gemäß den Gesetzen, die ihnen als Personen und ihrer Vereinigung eingeprägt sind.
Instruktion über die Achtung vor dem beginnenden menschlichen Leben und die Würde der Fortpflanzung Nr. 5 (Vatikan 1987)
   
Stephan Leher (designierter Professor für Moraltheologie an der Universität Innsbruck.)

Die Technik der verbrauchenden Embryonenforschung wirft die Frage nach dem Schutz des menschlichen Lebens auf. An diesem Schutz des werdenden Lebens ist in Österreich durch das grundsätzliche Verbot des Schwangerschaftsabbruchs festgehalten. Die Fristenlösung stellt den Schwangerschaftsabbruch straffrei, sie stellt sein Verbot aber nicht in Frage. Diese Tatsache ist für die ethische Bewertung der verbrauchenden Embryonenforschung von Bedeutung.
Aus dem Unrecht der Abtreibung kann nicht das Recht auf Forschung mit den abgetriebenen oder den künstlich erzeugten Embryonen abgeleitet werden. Trotzdem ist der Hinweis auf die Abtreibungsproblematik im Zusammenhang mit der PID (pränatale Dikagnostik) hilfreich.

Viele Katholikinnen und Katholiken haben sich der Erkenntnis angeschlossen, dass die Not und Konfliktsituation einer Frau, die sie zu einer Abtreibung veranlassen, nach Verständnis und Hilfe verlangen, nicht aber nach Verurteilung. Bei der ethischen Problematik der PID geht es um einen ähnlichen Konflikt zweier Leben. Wenn sich eine Frau nach positiver Testung auf eine schwerwiegende Krankheit entschließt, diesen Embryo nicht in ihren Uterus zu übertragen, dann kann dies ethisch toleriert, wenn auch nicht gerechtfertigt werden.
Hier geht es wiederum um den Konflikt zweier Leben. Grundsätzlich anders verhält es sich jedoch im Fall der verbrauchenden Embryonenforschung. Embryonen als Ersatzteillager für menschliches Gewebe und Organe zu instrumentalisieren ist ethisch nicht tolerierbar und daher grundsätzlich abzulehnen.

Die Verbindung von Lebensbeginn mit Lebensschutz gründet in der christlichen Tradition der Heiligkeit des Lebens. Diese verdankt sich dem Glauben an Gott, der jedem Menschen sein unverwechselbares Leben als Individuum schenkt. Der Mensch bleibt aufgefordert, dieses Leben verantwortlich zu meistern. Heute sind die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Lage, die molekularbiologischen Grundlagen des menschlichen Lebens zu erforschen. Sie suchen Gene, analysieren deren Funktion, lernen Fehlfunktionen zu verstehen und entwickeln entsprechende Therapien und Medikamente. Das ist eine großartige Herausforderung. Nicht minder herausgefordert ist die Ethik, diese Entwicklungen fragend zu begleiten.

Neuste Nachricht:

Die "frohe Botschaft" des „Journal of Regenerative Medizine“ vom 25. 11. 2001 Sonntag hatte es in sich: Erstmals und hochoffiziell sei es Wissenschaftern des Biotech-Unternehmens Advanced Cell Technology im US-Staat Massachusetts gelungen, einen menschlichen Embryo zur Stammzellengewinnung zu klonen. Dabei gehe es nicht um die künstliche Zeugung von Menschen, beeilte sich Firmenchef Michael West zu erklären, sondern um „die ersten vorsichtigen Schritte hin zu einer neuen Ära der Medizin.“

Wir warten auf Ihre Meinung dazu im Gästebuch!

Zusammengestellt von G. Jagenbrein, nach Beiträgen in der Furche 46 u. 48/2001