Pfarre Stadlau
Gemeindeaugasse 5
1220 Wien
Thema November 2001 01 / 282 22 44 pfarre.stadlau@donbosco.at
 



Willst du Frieden - bereite Gerechtigkeit

Gewalt schafft immer mehr Gewalt. 
Vergeltung ist keine und bringt keine Gerechtigkeit.
Ohne Gerechtigkeit gibt es keinen dauerhaften Frieden.

Ungerechtigkeit ist kriegsproduktiv! Ein aktuelles Beispiel dafür ist der gegenwärtige Konflikt, der für viele Menschen inmitten des Reichtums die schon lange andauernden Angst konkretisierte. Manche "Vereinfacher" berufen sich auf Gott und meinen damit, alles weitere Nachdenken und Analysieren ausschalten zu können. Was aber hier geschieht, kann sich auf den wahren Gott der Glaubenden weder im Christentum noch im Islam berufen.
Im Hintergrund lauert vielmehr himmelschreiendes Unrecht in der einen Welt. Wir müssen neben der Verführung breiter Bevölkerungskreise in der islamischen Welt für den Terror auch jene Verführbarkeit sehen, die mit den elenden und hoffnungslosen Lebensverhältnissen zu tun hat. Aus dem Kampf der Kulturen wird dann aber ein Kampf um Gerechtigkeit.
Was sind aber die Ungerechtigkeiten in der heutigen globalisierten Welt:
# Die wachsende Kluft zwischen der reichen nordatlantischen Weltregion und dem armen - armgemachten - Süden der Erde.

# Die wachsende Kluft auch innerhalb Europas zwischen jenen, die keinen Zugang zu ausreichender Erwerbsarbeit haben und jenen, die ihren Alltag finanziell abgesichert gestalten können.

# Die wachsende Kluft zwischen den "überflüssig" Gewordenen (Sterbende, Pflegebedürftige, Behinderte, Dauererwerbslose, "störende" Kinder) und denen die darüber urteilen, was "lebenswert" ist. 
Wir brauchen eine klare Option für solidarische Politik. 
Man muss der Freiheit immer Gerechtigkeit abringen (Lacordaire). Es braucht mehr nationale, europäische, globale Gerechtigkeit:
# Wir brauchen eine neue Weltwirtschaftsordnung mit dem Ziel der Globalisierung der Gerechtigkeit.

# Wir brauchen eine Europäisierung Europas mit dem Ziel nicht nur einer Wirtschaftsunion, sondern auch einer Gerechtigkeitsunion.

# Wir brauchen eine nationale Politik, die zukunftsfähig ist indem sie die Balance zwischen mehr Freiheit und mehr Gerechtigkeit herstellt.

Solidarische Politik (national und international) kann nur gemacht werden, wenn sie von Bevölkerungsmehrheiten gewählt wird. Wir wissen aber auch, dass es immer Ängste sind, die entsolidarisieren. Es müssen daher Verhältnisse geschaffen werden, welche der Angst den Boden abgraben.

"Seid ohne Furcht. Ich bin bei Euch alle Tage Eures Lebens." 
Wir Christen sind aus unserem Glauben heraus aufgerufen, furchtlos in dieser Welt mitzuarbeiten, mehr Freiheit und Gerechtigkeit für jeden einzelnen Menschen zu schaffen.

Wir warten auf Ihre Meinung dazu im Gästebuch!

G. Jagenbrein, nach einem Beitrag von Univ. Prof. Dr. Paul M. Zulehner in der Furche 43/2001