P. Franz Wöß, ehem. Pfarrer von Stadlau
Requiem am 4.4.2014 in Stadlau
Nachruf von Maria Fasching (ehem. stv. PGR-Vorsitzende)
01 / 282 22 44
pfarre.stadlau@donbosco.at

Heute fällt mir die schwierige Aufgabe zu, uns ein Stück des Lebensweges von P. Wöß, nämlich jenen, den er von 1987 bis 2002 in der Pfarre Stadlau verbracht hat, in Erinnerung zu rufen.
Stellvertretend für den Pfarrgemeinderat der 15 Jahre, in denen er bei uns als Pfarrer gewirkt hat, möchte ich versuchen, dem Priester und Salesianer Don Boscos, dem Pfarrer, dem Lehrer, dem Bauherrn und dem Menschen P. Wöß gerecht zu werden.

Als er im Herbst 1987 zu Beginn einer neuen Pfarrgemeinderats-Periode in die Pfarre berufen wurde, war die Spannung sehr groß: Kaum jemand kannte ihn hier und was man „über 5 Ecken“ erfuhr, war: ein Intellektueller, Lehrer, eher konservativ; - passt das nach Stadlau?...


unerwarteter Anruf beim Pfarrfest 2002

sein Anfang in Stadlau

P. Wöß kam kurz vor dem Pfarrfest, das damals noch im Herbst stattfand an – und half einmal sofort mit beim Aufbau und beim Getränkekisten schleppen. - Warum ich das jetzt erwähne ist, weil wir ihn in der Pfarre in all den Jahren weiter so erlebt haben: immer da, wenn Hilfe gebraucht wurde, egal ob im seelsorglichen Bereich, beim Geschirrabwaschen, beim Schneeschaufeln oder bei verschiedensten Bauarbeiten. Immer präsent und ansprechbar, immer aufmerksam, immer überpünklich, immer vorbereitet. Wie er das alles bei seiner Fülle von Aufgaben schaffte, ist uns bis heute ein Rätsel.
In den ersten Monaten haben wir ihn im Pfarrgemeinderat, in den verschiedenen Gruppierungen und in persönlichen Gesprächen als aufmerksamen Zuhörer erlebt, der sich erst orientieren und in eine, für ihn fremde Welt erst einleben musste; war er doch deshalb in den Orden der Salesianer Don Boscos eingetreten, um Lehrer und Erzieher zu werden, um Kinder und Jugend für Gott zu begeistern. Er dachte nicht im Entferntesten daran, dass er einmal eine Pfarre leiten sollte. Doch er nahm diese Aufgabe an und versuchte mit all seinen Fähigkeiten, sie gut zu tun.

begnadeter Seelsorger

Als erstes merkten wir an seinen fesselnden Predigten, wie wichtig ihm die Beschäftigung mit der Bibel war. Dies wollte er an uns weitergeben, als Hilfestellung, um im Glauben wachsen zu können, um einen festen Standpunkt zu haben. Es gab Vorträge, Einkehrtage, er holte die Theologische Volkshochschule in die Pfarre.
Auch bei Pfarrausflügen, bei den sogenannten „Augustfahrten“, an die sich viele Ältere sicher noch gern erinnern und die er als Reiseleiter in die schönsten Gegenden unseres Landes organisierte und bei Bildungsreisen z.B. nach Israel oder nach Griechenland, lenkte er unsere Aufmerksamkeit, wann es gerade „passte“, auf die Bibel – ob beim kulturellen Verständnis des Kirchenbaues unterschiedlicher Zeitepochen oder beim Bestaunen der Schönheit der Natur. Besonders in Erinnerung blieben vielen Menschen die Messfeiern auf Bergen, in der Wüste, am Meer. Im gemeinsamen Beten und Singen dankten wir Gott und wuchsen immer mehr zusammen.

Wir verstanden immer besser, wozu er uns als Pfarrgemeinde herausforderte:

  • Zur würdigen und gut vorbereiteten Gestaltung der liturgischen Feiern.
  • Zum Teilen: seit 1989 wird ein Teil des Reingewinnes aus Festen und Flohmärkten an Projekte der Mission gespendet.
  • Zur Aufnahme und Betreuung von bosnischen Flüchtlingsfamilien ab1992.
  • Beim Taizé–Treffen1992/93 in Wien, wo ca. 1000 Jugendliche von Pfarrangehörigen, von Pfarr- und Filialkirche sowie vom Schwestern-Kloster versorgt und betreut wurden.
  • Nicht zuletzt auch zum sorgsamen Umgang mit den Pfarräumlichkeiten und deren Einrichtungen.

Salesianer für Kinder und Jugendliche

Als Salesianer Don Boscos galt seine besondere Aufmerksamkeit den Kindern und der Jugend, der Wichtigkeit, sie ins Leben und in den Glauben zu begleiten, im Elternhaus und in den verschiedenen Gruppierungen der Pfarre. Ihnen Wegweiser zu sein und ihnen etwas zuzutrauen, sie zu unterstützen und ernst zu nehmen.
In der Pfarre bedeutete das für ihn die Förderung der Festakademien bei Pfarrfesten, wo Kinder und Jugendliche ihr Können auf der Bühne zeigen konnten, weil er überzeugt davon war, wie wichtig dies für ihre Persönlichkeitsentwicklung sein kann, ebenso wie Gemeinschaftserlebnisse bei Jungschar, Pfadfindern oder in der Kommunion- und Firmvorbereitung.
Eine große Freude bereitete es ihm, als es ihm gelang, das damals noch brach liegende, dicht bewachsene Nachbargrundstück für die Kinder zum Spielen als „Robinsonland“ nutzen zu dürfen.
Jahrelang war er neben den umfangreichen Aufgaben als Pfarrer auch noch Lehrer im Don Bosco Gymnasium Unterwaltersdorf. Mit viel Freude – bezeichnete er die 2 Vormittage pro Woche mit einem Augenzwinkern doch oft als „Urlaubstage“.

Förderung und Weitblick

Die besondere Verantwortung der Laien für die Zukunft der Kirche betonte er immer wieder. Das Offen-Sein für andere, für z.B. Neuzugezogene, den Blick über den eigenen Tellerrand, Kontakte zu pflegen über die eigenen Gruppierungen hinaus und voneinander zu lernen.
Er hatte auch keine Scheu vor kontroversen Diskussionen. Wo es nötig war, vertrat er seine Standpunkte konsequent und mit rhetorischer Überzeugungskraft, hatte aber auch Respekt vor anderen Meinungen, wenn sie begründet waren. Langwierige Diskussionen hielt er nur schwer aus. Das machte ihn „nerwöß“, wie wir es damals scherzhaft nannten. Das zielgerichtete Arbeiten, das Auf-den-Punkt-bringen wie wir es z.B. im Pfarrgemeinderat durch ihn lernten, entsprang seiner Achtung vor dem Engagement der Mitarbeiter, deren Freizeit er nicht über Gebühr in Anspruch nehmen wollte.

Was bleibt aus P. Wöß´ langjähriger Tätigkeit als Pfarrer in Stadlau?

Äußerlich die vielen Renovierungs- und Verbesserungsarbeiten an und in den Pfarrgebäuden, die durch sein persönliches Engagement und dank der vielen Mitarbeiter zum Teil auch in Eigenregie möglich waren.
Nach der notwendigen Sanierung des Kirchendaches, des Turmes und der Fassade wurde 1993 der Innenraum der Kirche renoviert und dabei der Altarraum umgestaltet, mit dem Hintergrund, den „Tisch des Herrn“ in unsere Mitte zu rücken. In die Planung war die gesamte Pfarrgemeinde eingebunden.
Die Umgestaltung des Kirchenvorplatzes, für die P. Wöß auch Meinungen von außen einholte um den Blick zu weiten, erfolgte 1995. Ziel war, die Kirche auch baulich zu öffnen – damals gab es ja noch einen durchgehenden Zaun – und dadurch einladend auf die Menschen zu wirken. Der Brunnen, als besonderer Blickfang, zeigt eine vielfältige Symbolik: Das Wasser, den felsenfesten Grund, die Kreuzform, aus der die 7 Sakramente entspringen.
2001 wurden auch die Priesterwohnungen dem heutigen Standard gemäß adaptiert.
Die Verhandlungen zum Grundstückstausch in der Schickgasse und des damit verbundenen Neubaues des Spielplatzes begannen ebenfalls in seiner Zeit als Pfarrer. Beendet wurden die Bauarbeiten erst 2008.

Neue Aufgaben

2002 musste P. Wöß Abschied nehmen. Es wurde ihm eine noch größere Aufgabe anvertraut: als Provinzial von Österreich. Es fiel ihm nicht leicht – zu sehr hatte er in Stadlau Wurzeln geschlagen und auch Zweifel, ob er dieser Aufgabe gewachsen sein werde, waren da. Doch auch hier setzte er seine volle Tatkraft ein, im Vertrauen, Gott werde ihm die nötige Kraft dazu schenken.
Wie gern er hier Pfarrer war, spürten Sie sicher bei seinen späteren Besuchen, wenn er eingeladen wurde, in Stadlau Messe zu feiern.

Sein "Auftrag" für uns

Als Auftrag für jeden von uns bleibt, unsere Talente zu nützen und sie in die Gemeinschaft einzubringen, jeder auf seine Weise. Dort, wo man hingestellt ist, Gottes frohe Botschaft zu verkünden im glaubwürdigen Vorleben, im liebevollen Umgang miteinander und in der achtsamen Nutzung unserer Umwelt.
P. Wöß hat es uns 15 Jahre lang authentisch vorgelebt. Und so dürfen wir bei allem Schmerz, den es bedeutet, wenn ein Mensch so plötzlich mitten aus dem Schaffen gerissen wird, auch Freude empfinden, dass er unsere Pfarrgemeinde so nachhaltig bereichert hat, dass manches bis heute nachwirkt.

Vergelt´s Gott, P. Wöß!

Nachruf: Maria Fasching,
langjährige stv. Vorsitzende des Pfarrgemeinderates
Fotos:
Franz Hamberger
Isabella Hamberger