Fußwallfahrt nach Maria Oberleis 24. - 26.10.2010
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Unter diesem Motto stand heuer unsere traditionelle Herbstwallfahrt. Die Auswahl und die Organisation lag natürlich wieder in den bewährten Händen unseres Franz Weidinger und war daher ein voller Erfolg. Während ich diese Zeilen schreibe, scheint die Sonne herein und ein strahlend blauer Himmel ist zu sehen. Das war die letzten drei Tage nicht so. Doch zuerst ein paar technische Daten:
Sonntag, 24.10.: Nach dem Gottesdienst um 8:00 im Kloster "Maria Frieden" Fahrt nach Ulrichskirchen,
10:00 Beginn der Fußwallfahrt, Tagesstrecke nach Großrußbach 17,7 Km
Montag, 25.10.: Großrußbach – Ernstbrunn, Tagesstrecke 17,1 Km
Dienstag, 26.10.: Ernstbrunn – Maria Oberleis, Tagesstrecke 7 Km

Sonntag, 24.10.2010
Frohen Mutes und voll Erwartungen treffen wir uns bei bedecktem Wetter und mit nicht sehr guten Wettervorhersagen im Gepäck um 7:45 beim Kloster, feiern die Morgenmesse mit und treten gestärkt mit dem Reisesegen die erste Fußwanderung nach Stadlau zur neuen Schnellbahnstation an. Von hier geht es flott über Leopoldau nach Ulrichskirchen. Nach ein paar Gedanken an einem einfachen Wegkreuz beginnt um 10:00 Uhr unsere Fußwallfahrt. Wir sind 20 Teilnehmer, angefangen von P. Hans Randa bis zu unserem unverzichtbaren Begleitfahrzeug (Verpflegung, Getränke und Gepäck) mit dem Lenker Adolf Bürgermeister und Asta Weidinger lauter bekannte Gesichter, alle fröhlich und guter Dinge.

Der Himmel ist verhangen und es gibt sogar stellenweise Nebel, was die uns umgebende Naturlandschaft geheimnisvoll und unberührt erscheinen läßt. Aber es regnet nicht! Wir gehen durch eine wunderschöne Kellergasse, wo auf beiden Seiten die leider nur mehr zum Teil bewirtschafteten Weinkeller in den meterhohen Lößboden hinein gegraben wurden. Vorbei an einer Gedenkstätte mit Soldatengräbern aus dem Jahr 1809 (Krieg gegen Franzosen in Deutsch Wagram) wandern wir zu einer Waldandacht mit einer Marienstatue über einer Quelle. Wir singen ein Ave Maria, gehen durch einen Hochwald und bei abgeernteten Feldern vorbei , bis wir auf einer Waldlichtung eine Wegkreuzung mit fünf Wegen erreichen. Es ist höchste Zeit, da man bei einigen schon den Magen knurren hört. Erfreut finden wir unser erstes Büffet, von Asta und Adolf liebevoll und sehr reichlich vorbereitet. Es gibt sogar Kaffee und Tee und zum Abschluss für alle, die zu viel gegessen haben, etwas wohl mundendes Hochprozentiges. Eine liebe Begegnung ist eine Reiterin mit einem noch jungen und unerfahrenen Pferd, das sich bei der etwas lauten Gruppe nicht vorbei traut. Doch Adolf erinnert sich seiner Jugendjahre auf dem Land, nimmt das Tier am Halfter und geleitet beide ruhigen Schrittes an uns vorbei. Dann marschieren auch wir wieder weiter durch den Hochwald, es ist weiter bedeckt, doch die schönen Herbstfarben der vielen Laubbäume erfreuen uns. Um Punkt 12:00 bleibt Franz stehen und wir beten den Engel des Herrn. Um 12:30 erreichen wir auf dem Glockenberg (360m) ein Marienstandbild, das der Mariazeller Statue gleicht. Weiter geht es zur Aussichtswarte (21 Meter hoch, 75 Stufen), die jedoch wegen des nicht so schönen Wetters nur 9 Personen erklimmen. Die Aussicht ist jedoch überraschenderweise doch ca. 500 Meter weit und wir haben einen schönen Eindruck der sanften Hügel mit den großen Feldern. Um 13:00 kommen wir an einem St. Hubertus Marterl vorbei und erreichen unsere Mittagsrast beim Tennisplatz Unterolberndorf. Wir haben die ersten 10Km unserer Wallfahrt geschafft und freuen uns auf eine gute Mittagsjause. Auf unserem weiteren Weg erreichen wir eine Waldandacht (weißer Verputz, die Figuren heraus geritzt und dunkel) mit einer Mariendarstellung mit Kind, Taube, Rehbock und Reh. Es begegnen uns zwei Wanderer mit vier sehr großen Parasolpilzen, die sie aber nicht hergeben wollen. Dann erreichen wir eine breite und fast ebene Forststraße, die wir für ein Rosenkranzgebet nützen. Um 16:00 sind wir dann in Hornsburg, wo wir in der schön renovierten Ortskapelle kurz beten und singen. Unser Tagesziel Großrußbach erreichen wir bereits um 17:00 und besuchen zuerst die schöne große Kirche, wo wir unser Abendlob beten. Weil die farbigen Glasfenster in der Abenddämmerung so schön leuchten, verzichten wir auf die Kirchenbeleuchtung und singen auswendig „Die Herrlichkeit des Herrn“ und ein „Vater unser“. Um 18:00 gibt es im Bildungshaus Schloss Großrußbach ein warmes Abendessen, sehr liebevoll und gut zubereitet. Und da Wallfahrer gute und stärkende Nahrung benötigen, gibt es auch gleich doppelte Portionen. Um 18:45 beenden wir den Tag mit der Complet in der Schlosskapelle und treffen uns anschließend zum gemütlichen Beisammensein im Kellerstüberl. Es wird noch viel gelacht, erzählt und gesungen, wobei P. Randa mit seiner Gitarre und seinem unerschöpflichen Vorrat an Liedern, die er singen und begleiten kann, uns alle begeistert. Um 22:00 ist für mich und die meisten Zapfenstreich, denn wir sind doch etwas müde und wissen ja nicht, was uns noch alles in Gottes schöner Natur so erwartet. Und so ist es dann auch. Die Wettervorhersagen „Regen den ganzen Tag“ waren nicht ganz falsch.

Montag, 25.10.2010
Wir erwachen und es nieselt. Um 7:30 beginnen wir den Tag mit der Laudes und anschließend mit einem herrlichen Büffetfrühstück. Abmarsch ist um 9:00 und um 9:30 haben wir ein Marterl mit einer Herz Jesu Darstellung erreicht. Der leichte Regen begleitet uns. Wir erreichen Weinsteig und während wir zur Kirche schreiten, empfängt uns Glockengeläute. Die Mesnerin hat uns Wallfahrer damit würdig empfangen wollen. Nach einer kurzen Andacht vor dem Altar mit der Dreifaltigkeit wenden wir unsere Schritte zur weithin bekannten und sichtbaren Wallfahrtskirche Karnabrunn.

Um 11.30 sind wir angelangt und steigen langsam die 101 Stiegen hinauf. Wieder ertönen die Glocken und begrüßen uns. Wir werden vom Küster und seiner Frau begrüßt, die unsere Andacht (Sext) auf der Orgel begleitet. Dann hören wir den geschichtlich fundierten und sehr interessant vorgetragenen Ausführungen zu, aber nach einer guten halben Stunde ersucht Franz sehr höflich, den Vortrag zu beenden und uns zum wohl verdienten Mittagstisch zu entlassen. Um 12:40 ist Abmarsch. Bis jetzt war es nur feucht über Straßen, Wege und Wiesen gegangen und wir waren nicht allzu sehr verschmutzt. Wir kommen wieder durch Hochwald, über Wiesen und Felder. Aber was hat der Regen vergangener Tage und das feuchte Wetter heute daraus gemacht. Das Weinviertel hat eine sehr fruchtbare Erde, die aber sehr lehmig ist. Und dieser Lehm ist überall. Auch auf unseren Schuhen und Hosen bis zu den Knien. Manchmal werden die Schuhe bis zu 10cm höher und ein paar Kilo schwerer. Und der Lehm pickt und lässt sich nur schwer lösen. Wir hüpfen von Grasbüschel zu Grasbüschel. Aber jede halbwegs erfolgreiche Reinigung ist sinnlos, denn beim nächsten Feldweg geht es wieder von vorne los. Es ist schon sehr anstrengend und es wird auch kälter und windig. Da kommt mir in den Sinn: Jetzt ist es keine Wanderung mehr, nein jetzt ist es eine Wallfahrt. Aber ich höre kein Nörgeln, kein Schimpfen und Jammern, höchstens ein Lachen, wenn der Vordermann besonders viel Gatsch schleppt und die Spuren bereits die Knie erreichen. Um 16:00 erreichen wir ein Marterl mit Maria und Jesuskind, bei dem Franz einen passenden Psalm vorliest. Gleich darauf stehen wir vor einem Marterl mit dem Hl. Josef als Zimmermann und Jesus als Jüngling, der bei ihm lernt und mithilft. Trotz der Hindernisse erreichen wir unser Tagesziel Ernstbrunn bereits um 16:30. Wir werden von den Herz Jesu Schwestern in ihrem Ferienheim für Kinder aufgenommen, das sie extra für uns heute geöffnet haben. Wir stehen verdreckt in der Einfahrt und eine Schwester sagt:“ Ich bewundere euch, dass ihr das bei diesem Wetter auf euch genommen und es geschafft habt“. Da musste ich antworten:“ Und ich bewundere euch, dass ihr uns so verschmutzt überhaupt in das Haus hineinlasst.“ Doch Adolf hat schon Vorsorge getroffen. Ein Gartenschlauch ist angeschlossen und wir werden von Walter einzeln abgespritzt bis zu den Knien. So können wir doch halbwegs rein die Zimmer beziehen. Die Schwestern haben für uns frischen Apfelkuchen und Zwetschkenkuchen sowie Kaffee und Tee vorbereitet. Der herzliche Empfang und die vorbereitete Jause erwärmen unseren Körper und auch das Herz. Ja man sieht, dass die Schwestern viel Erfahrung in der Kinderbetreuung haben. Das funktioniert auch bei den großen Kindern. Nach der Vesper in der Hauskapelle werden wir mit einem köstlichen Abendessen verwöhnt. Nur von der Menge her haben sie sich verschätzt. Es hätten auch 40 Personen satt werden können. Im gemütlichen Aufenthaltsraum treffen wir uns zu einem geselligen Abend. Asta hat sogar Glühwein vorbereitet. P. Randa spielt und singt mit uns die Oldies aus den 5o-iger und 60-iger Jahren und man glaubt nicht, wie viel Text einem noch einfällt. Doch wir sind alle schon sehr müde und fallen in die Betten.

Dienstag, 26.10.2010
Morgenlob ist um 7:00 und anschließend erwartet uns ein reichliches Frühstücksbüffet. Die Schwestern denken anscheinend, wird gehen nach Mariazell, denn sie wollen tatsächlich, dass wir alles, was wir nicht gleich essen können, einpacken und mitnehmen. Wir bedanken uns herzlich und machen uns um 8:15 auf unsere letzte Etappe. Heute ist es trocken, aber dafür weht ein zeitweise heftiger und vor allem kalter Wind. Wir sind aber schon dankbar, dass Franz den Weg etwas abändert und uns von weiterem Lehm und Erde verschont. Der Himmel reißt sogar etwas auf.

Der Herbstwald zeigt sich in seiner schönsten Farbenpracht, wir gehen durch eine lange Kastanienalle bis zum größten Eichenwald Österreichs (über 1400 ha groß). Hier ist es windgeschützt und wir beten wieder einen Rosenkranz. Schließlich erreichen wir um 11:00 die Wallfahrtskirche Maria Himmelskönigin Oberleis. Wir werden schon von Sr. Beate Maria und Sr. Clara erwartet, die mit uns den Abschluss der Wallfahrt feiern und uns ihr Auto für die Heimfahrt zur Verfügung stellen. Nach dem Gottesdienst haben wir noch Zeit für die Besteigung der Aussichtswarte (zuerst ca. 50 Höhenmeter und dann 90 Stufen bei heftigem Wind). Wen wundert es, dass nur mehr sieben Personen übrig geblieben sind, während die anderen sich bereits auf den Weg nach Niederleis in das Gasthaus machen, wo der Mittagstisch vorbereitet ist. Ich sage Euch, so einen herrlichen, schmackhaften und knusprigen Schweinsbraten habe ich schon lange nicht mehr gegessen. Um 14:45 machen wir uns auf den Heimweg mit 3 Autos. Ich sitze in der letzten Reihe, sehe noch zwei Rehe in einem abgeernteten Feld und wache wieder auf, als wir in Hirschstetten die Autostraße verlassen.
Mein Dank gilt Dir, lieber Franz, für Deine viele Arbeit und Zeit, die Du investiert hast. Sie haben sich gelohnt. Danke auch an P. Randa und alle, die für das Gelingen dieser besonders erlebnisreichen und besinnlichen Wallfahrt mitgeholfen haben. Und natürlich herzlichen Dank Euch allen, die Ihr mitgegangen seid, mitgesungen und gebetet habt.

Fotos:
mehrere TeilnehmerInnen

Bericht:
Franz Sommer