Pfarre Stadlau
Gemeindeaugasse 5
1220 Wien
Die Chronik der Pfarre Stadlau
Neugründung Stadlau
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Die Neugründung von Stadlau

Notzeiten
Die neue Glaubenslehre
Die Gegenreformation
Türkennot und Pest

Der Ort wurde etwas nördlicher als das weggeschwemmte mittelalterliche Stadelove nach der hier üblichen Form des Angerdorfes wieder gegründet.

Die Neugründung bestand aus einem bescheidenen Ortskern mit "10 behausten Gütern"- je 5 traufseitige Häuser mit Vorgärten säumen die etwa 30 Schritte breite Dorfstraße" heute Schickgasse 1-10. (Im DEHIO steht dazu: nördliche Zeile mit ehemaligen Zwerchhöfen, die Straßentrakte traufständig mit seitlichen Toreinfahrten.) Allgemein lassen barocke Neugründungen eine mehr geometrische, regelmäßige Anlage erkennen.

Aus den folgenden Jahrhunderten berichten die Chroniken über viel Leid, Bedrohung und Zerstörung.



Notzeiten

1529 kam die Türkennot über die Gegend. Die Feinde brandschatzten das Marchfeld, verwüsteten alles, bis sie bei Korneuburg gestoppt werden konnten: "ausgeprenndt und geplundert" waren die Orte, die Bewohner "hinweggefuert". St.Martin Aspern lag in Schutt und Asche, Breitenlee blieb sogar 165 Jahre lang öde liegen.

Diese kriegerischen Verwüstungen führten zusammen mit anderen Umständen wie zu viel oder zu wenig Wasser, erschöpfter Boden, Flugsandbildung, Seuchen, Geldentwertung zu "Verödung und zum Verschwinden ganzer Ortschaften". So wurde z.B. Stallern schon 1593 von Kagran und Deutsch Wagram aus bewirtschaftet, dabei hatte es 45 Häuser und ein eigenes Amt gehabt. Chappellen mit 18 Häusern und einer eigenen Kirche war 1544 schon gänzlich verlas­sen. Gerasdorf nahm 1667 das "Chappeller Velt" in Pacht. Auch Süßenbrunn war zu Beginn des 16. Jhts. unmittelbar bedroht durch Krieg und Feuer. Seinen Wiederaufbau verdankt es dem Freiherrn Sigmund von Landau.



Die neue Glaubenslehre

Ein weiteres Großereignis war die Reformation. Wir lesen von den Wirren und der Orien­tierungslosigkeit, von Priestermangel und dem einander Aushelfen der einzelnen Filialen. Im Kagran der Reformationszeit ging es recht stürmisch zu.

1544 war noch ein treu katholischer Pfarrer in Kagran, kurz darauf aber wird von protestantischer Praxis und Werbung berichtet. Hartnäckige Bauern zogen nach Deutsch-Wagram, um nach der protestantischen Lehre Gottesdienst zu halten, besonders das Abendmahl in zweierlei Gestalten zog sie an.

Die unterdrückten Bauern erhofften sich viel von der neuen Lehre, besonders hatten sie unter der adeligen Dorfobrigkeit in Kagran zu leiden (Geschlecht der Meissauer und Enenkel). Es gibt sogar aus dem Jahre 1766 noch ein Protokoll über die Beschwerdeführung der Kagraner Bauern unter ihrem Dorfrichter Georg Niedermayer gegen den Inhaber der Herrschaft Kagran wegen übermäßiger Robot. An den adeligen Freihof in Kagran erinnert heute noch eine Siedlung.

Die lutherischen Prädikanten in Deutsch Wagram und Aspern aber hatten großen Zulauf. Zähe Kleinarbeit wurde im Kagraner Pfarrsprengel geleistet, um die neue Lehre abzuwehren.

1583 waren auch Vertreter von Stadlau dabei, als die Kirchenschlüssel von St.Georg vom Richter des Ortes und seinen Beiständen an den neuen Pfarrherrn ausgeliefert wurden, der — von Passau aus eingesetzt — die alte Lehre bewahren sollte. Dieser versagte aber, die protestantischen Prediger hatten weiterhin Erfolg. Die Landauer in Süßenbrunn folgten auch der neuen Lehre und betrieben ihre weitere Verbreitung, ebenso wie die Enenkel von Kagran, die sich die Lehnschaft auf die Pfarre anmaßten.

1616 jammert der katholische Pfarrer von Kagran:"....die meisten wie auch der Dorfrichter trutzige und halsstörrische Sektierer".



Die Gegenreformation

Erst als die Gegenreformation mit aller Energie betrieben wurde, ging die unruhige Zeit zu Ende, die nur die treu-katholische Gemeinde Gerasdorf und Leopoldau zerstreut hatte.

1627 Kagran war wieder mit einem katholischen Priester besetzt.



Türkennot und Pest

1683  Brand und Türkennot setzten dem Ort Kagran zu. Dazu kam die Pest. Auch in dem neu gegründeten Stadlau gab es 10 Pesttote, die "beim Kreuz" begraben wurden, in Kagran waren es 119. (Das 1952 erneuerte "Pestkreuz" befindet sich auf dem Kinderspielplatz in der Anton Sattler Gasse).

Um diese Zeit entwikelte der Pfarrer Johannes Pogrelz eine segensreiche Tätigkeit in den von der Pest heimgesuchten Ortschaften. Pogrelz ließ aus eigenen Mitteln eine Schule in Kagran bauen, auch stand es dem Pfarrer zu, einen Schullehrer zu bestellen. 1566 ist schon ein solcher erwähnt, er war zugleich Wirt, (wie vielfach üblich). Auch den Kindern von Stadlau, Hirschstetten, von Jedlesee und Jedlersdorf stand diese Schule zur Verfügung. Stadlau zahlte sogar einen Jahresbetrag von 6 Gulden für den Unterricht. Doch heißt es andernorts, dass die Stadlauer Kinder in der Stube des Bauern Schick unterrichtet worden seien, was wahrscheinlich eher zutraf.

1672  wurde unter Pfarrer Pogrelz (1670-1699) die Kirche vergrößert, unter seinen Nachfolgern der Bau der heutigen St.Georgskirche vollendet und zwischen 1742 und 1746 das Innere der Kirche mit einem neuen Hochaltar, Seitenaltären, einer Kanzel und einer Orgel ausgestattet.

1682  Das barocke Friedhofstor neben der Kirche wird erbaut. Es bleibt bis zur Auflassung des Friedhofs im Jahre 1902 (1887 war der neue Kagraner Friedhof eröffnet worden). Die Verstorbenen aus Stadlau konnten schon ab 1875 auf dem Stadlauer Friedhof beerdigt werden.