Pfarre Stadlau
Gemeindeaugasse 5
1220 Wien
Die Chronik der Pfarre Stadlau
Ort und Pfarre im Mittelalter
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St. Georg Stadlau - Ort und Pfarre im Mittelalter 

Besiedlung und Pfarrstruktur
Riesige Pfarrgebiete
Das Angerdorf als ältestes Kulturdenkmal
Seelsorge und kirchliche Entwicklung - die mitteralterlichen Großpfarren
Die Donau gibt und nimmt
Die Weiterentwicklung der Pfarrstruktur
Eine Überschwemmung vernichtet das Dorf

Die neue Großpfarre - St. Georg Kagran

Zuvor aber noch ein Blick in die davor liegenden Jahrhunderte:

Hinsichtlich der Besiedlung unseres Raumes ist es verständlich, dass in der Zeit, als die Donau schon Reichsgrenze zwischen Germanen- und Römerreich war, der stets seinen Lauf ändernde Strom, die vielen Inseln und feuchten Auen noch jede Ansiedlung verhinderten. Wir haben es hier mit einem Durchzugsgebiet für den Handel zu tun, der die Legionen und die Bevölkerung der Grenzbefestigungen versorgte, bis dann die Völkerwanderung auch unsere Gegend überflutete.


Besiedlung und Pfarrstruktur

Nach wechselvollen Kämpfen gegen die Böhmen und Ungarn wurden schließlich die Grenzen bis an die March befestigt. Als erster Babenberger kam Luitpold 976 in unseren Raum. Tüchtige Heerführer und treue Staatsbeamte wurden zum Lohn für ihre Dienste mit Ländereien belehnt (manche sogar steuerfrei, die so genannten Freihöfe). Sie holten Dienstleute aus ihrer Heimat: die späteren Lehensnehmer. Den bayrischen Siedlern folgten auch fränkische; in ihnen begann die slawisch-awarische Mischbevölkerung — es waren billige Arbeitskräfte beim Urbarmachen — aufzugehen.

Eine Urkunde für Markgraf Heinrich I. vom 1. Juli 1002 spricht von Kirchen zwischen Kamp und March — das Land war durchaus nicht mehr Ödland. Vor der Entstehung der Pfarrstruktur gab es schon Tauf-, Kloster- und Eigenkirchen.

In der babenbergischen Siedlungsperiode des 11. u. 12. Jahrhunderts entstanden im Gebiet des heutigen 21.und 22.Bezirkes Dorfanlagen, die bis heute in ihrer Grundform erhalten geblieben sind. Es waren planmäßig angelegte Straßen- (Eßling, Hirschstetten) oder Angerdörfer (Kagran). Wir erkennen eine fortlaufende Reihe solcher Straßen- und Angerdörfer vom Fuß des Bisamberges nach Südosten.

Erstmals erwähnt werden: Strebersdorf 1250, Jedlersdorf 1108, Leopoldau vor 1120, Kagran 1220, Hirschstetten 1258, Aspern 1258, Eßling 1258. (1258 Urbare = Zehentverzeichnis aus der Zeit Ottokars von Böhmen 1251-1276). Diese Orte waren zwar schon oft den Gewalten der Donau ausgesetzt, aber doch relativ sicher und konnten ihre Eigenart bewahren. Die ihnen vorgelagerten Orte aber, nämlich Jedlesee 1014, Ringelsee und Stadlau 1160 lagen im Augebiet und sind infolge der Einwirkungen des Stromes verlegt worden oder ganz abgekommen.



Riesige Pfarrgebiete

Die ersten Pfarren hatten riesige Gebiete zu betreuen, aus denen sich später zahlreiche Tochterpfarren entwickelten. Alle Mutterpfarrorte sind auch Marktorte. Der Markt entsteht mit der Pfarre. Das Marktleben entwickelt sich um die Kirche herum, hier versammeln sich an Sonn- und Feiertagen die Menschen, hier spielt sich ein Großteil der Naturalwirtschaft ab. Die Wanderkrämer bieten ihre Waren feil.

Die Standgelder gehörten vielfach mit zu den Einkünften der Pfarre. Um 1160 hatte Stadlau bereits eine Pfarrkirche, die dem heiligen Georg geweiht war.  Urkundlich erwähnt wird die Pfarre Stadlau erstmals zwischen 1160 und 1168. Das Klosterneuburger Traditionsbuch verzeichnet die Schenkung eines Weingartens durch den Pfarrer Udalricus de S. Georgio Stadelov und seiner Schwester Mathilde an das Stift.

1167   schenkt der Geistliche Sigloh von Stadlau dem Kloster St.Peter in Salzburg einen Weingarten an der Als.

1188   wird Albert plebanus von Stadlo als Zeuge genannt, (plebanus = Leutepriester)

1196   Albrecht de Stadelowe

1293   Die Chronik nennt weiters einen Pfarrer namens Ludwig, und zwischen 1297 und 1318 einen Nikolaus mit Schenkungen an das Kloster Engelszell.

1234   Fürstenhochzeit. Die Bedeutung des Ortes mag auch dokumentieren, dass 1234 der letzte Babenbergerherzog Friedrich II., der Streitbare, die Hochzeit seiner Schwester Konstanzia mit dem Markgrafen Heinrich von Meißen hier "in der großen Ebene von Stadlau" feiern ließ.



Das Angerdorf als ältestes Kulturdenkmal
Anlage und Hausform

Zwei Reihen aneinandergereihte rechteckige Gehöfte umschlossen eine geräumige Grünfläche, den Anger, eine zum gemeinsamen Besitz gehörende Kleintierweide. Entlang der Gehöfte führten zwei Straßen zu einem Falltor am schmalen Ortseingang. An die Straßen nach außen schlossen die Scheunen und Hausgärten bis zu einer zusammenhängenden Hecke an.

Später wurden die Scheunen an den Außenrand verlegt und auch die Zufuhr zu den Wirtschaftsgebäuden erfolgte von dort. Die gesamte Feldflur war in lange Streifen aufgeteilt, an denen jedes Haus seinen Anteil hatte. Sogar im Parzellenplan von 1919 ist dies noch zu erkennen.

Gräben, Hecken und Zäune rund um das ganze Dorf schützten gegen den Wind, wilde Tiere und feindliche Gefahr. Auch in Stadlau gab es Falltor und Gemeindegraben. Für eine solche Dorfanlage ist Kagran besonders charakteristisch: dort ist die Anlage noch deutlich zu erken­nen. Der Umfang des Dorfes richtete sich nach der Zahl der Kolonisten, bei Zuwachs wurde die Anlage einfach verlängert. In Kagran z.B. (1260 "Chagaran") wurde der Ostabschluß durch den späteren Einbau eines Freihofes verändert.

Die Häuser waren "Zwerchhöfe" (zwerch = quer) und sahen etwa so aus: Gegen den Anger zu, also nach innen im Dorf, liegt die Stube, das ist das Schlafzimmer, und die Kammer für die Mädchen: 3 Fenster Front. Daneben das nicht überbaute Einfahrtstor - oder bei größeren Höfen über und noch neben dem Tor zwei bis drei Fenster für das Ausgedinge, damit die Großeltern eventuell sehen, was sich auf dem Anger tut! Das ist das Quergestellte der Anlage.

Hinter der Einfahrt schließt sich der langgestreckte Innenhof an, während hinter der Kammer und Stube regelmäßig die Küche liegt. Ursprünglich war hier die "schwarze Kuchl", die einzige Feuerstelle des ganzen Hofes: an zentraler Stelle, von der aus das Ganze ziemlich überwacht werden kann.

Anschließend an die Küche gibt es etwaige Gesinde-, Burschenräume und die Ställe - und wieder quergestellt - die Scheune und den Wagenschuppen. "Hintaus" befinden sich die Hausgärten und ein Weg um das ganze Dorf herum.



Seelsorge und kirchliche Entwicklung — die mitterlalterlichen Großpfarren

Am Anfang der kirchlichen Entwicklung stand Bonifazius, der Apostel der Deutschen, der Organisator der bayrischen Kirche. Mit der Gründung der Diözese Passau 793 wurde ein wichtiger Schritt für die Ausbreitung des Christentums in unserem Raum getan. In der Zeit der Kolonisation unter den Babenbergern entstand ein weitmaschiges Pfarrnetz — im Raum des heutigen Niederöster­reich gab es um das Jahr 1100 bereits 85 Pfarren - in dem auch Stadlau seinen Platz hatte.

In den übergroßen Pfarrsprengeln herrschte Pfarrzwang, d.h. Taufen, Trauungen und Begräbnisse mussten im Pfarrort stattfinden. Weite Entfernungen und wenig erfreuliche Straßenverhältnisse machten den Weg zum sonntäglichen Gottesdienst nicht eben leicht. Im Winter verzögerte sich oft genug die Bestattung der Toten.

Auch Stadlau war eine dieser mittelalterlichen Großpfarren; die Grenzen waren im Süden durch den südlichen Hauptarm der Donau gegeben, daher gehörte ein breiter, unübersichtlicher, schwer passierbarer Auengürtel zum Pfarr-  und Ortsgebiet. Die Ostgrenze verlief von der Mündung der Fischa in die Donau nordwärts, im Norden gehörten Seyring und Deutsch-Wagram zum Pfarrgebiet und im Westen Jedlesee, Strebersdorf und Stammersdorf.

Innerhalb dieser Grenzen lagen 33 Orte des südlichen Marchfeldes. Stadlau selbst lag auf einer vorspringenden Landzunge, die im 18.Jht. zur Hälfte zerstört wurde. Die umliegenden Auen waren in Acker-, Wiesen- und Weideland verwandelt worden. "Stadl in der Au" oder mittelalterlich "Stadelov".

Als Pfarre war St. Georg Stadlau eine unmittelbare Neugründung, als eine von vier Pfarren (dazu Wien, Pillichsdorf, Mannswörth), die zu Beginn des 11. Jhts. als grundherrliche Stiftung, vermutlich durch die Stadtherren von Wien (ca.1050) entstanden sind. Stadlau ist im 12. Jht. an den Passauer Diözesanbischof (um 1130) gekommen, ob als Königsgut oder als Erbe, wissen wir nicht. Das Stiftungsgut aller vier Pfarren stammte wohl aus derselben Erb- u. Besitzmasse.

Wir erfahren aus dem Kodex des Passauer Bischofs Otto v. Lonsdorf (1254—1260), dass Stadlau eine sehr ertragreiche Pfründe war. Dieses Zehentverzeichnis über die 33 Ortschaften, die zur "parrochia Stadelov" gehörten, gibt uns darüber Auskunft, dass in allen diesen Ortsgemeinden die Halbierung des Zehenten eingeführt war: ein Teil befand sich in der Hand des Landesfürsten, der andere in der des Passauer Bischofs.


Kagran: Beispiel eines Angerdorfes
(heute Kagraner Platz)

Die Siedlungsgröße der einzelnen Ortschaften war bescheiden. Süßenbrunn z.B.- damals "Prunne"- hatte 28 "beneficia", wie die Lehen (= Bauernhöfe) damals genannt wurden. Das Lehen gehörte dem Grundherren als oberstem Eigentümer, die Bauern hatten nur das Nutzungsrecht. Zum Lehen gehörten das Wohnhaus, Acker, Wiesen und Garten, zusammen als "Hausgründe" bezeichnet - später hießen diese Einheiten "behauste Güter"-, während Gründe, die nicht an ein Haus gebunden und auch verkäuflich waren, "Uberlandgründe" hießen.

Der Markt Stadlau hatte um 1250 rund 50 solcher Lehen; darunter Hirschstetten 19, Gerasdorf 40, Jedlersdorf 26, Deutsch-Wagram 40, Aspern 50, Kagran 38 und Ringelsee 8.



Die Donau gibt und nimmt


Hochwasser und Eisstöße

Hochwasser hatten hatten immer wieder verheerende Folgen für Menschen und Fluren im nördlich der Donau besiedelten Gebiet, so auch in Stadlau.

Aus der "Chronik der Gemeinde Stadlau" hsg.1904, S.6
"Ehemals lag Stadlau am rechten Ufer des Stromes, da dieser seinen Lauf früher mehr nordwärts gerichtet hatte; zahlreiche Nebenarme der Donau durchzogen das Ortsgebiet, die Ufer waren mit stark bewaldeten Auen besäumt und litten sehr durch häufige Überschwemmungen; von damals stammte auch die Bezeichnung mancher Auteile als Haufen, da der wilde Fluß ganze Stücke des Ufers wegriß und selbe an irgend einer Stelle des Bettes wieder absetzte, ...."

"Die ersten Mitteilungen über Stadlau beziehen sich auf die Wiederherstellung der weggerissenen und überfluteten Dörfer und kommen in Verordnungen der Markgrafen des Hauses Babenberg vor. Sie reichen bis ins 12.Jht. (1118, 1126, 1172, 1193, 1195, 1210, 1236, 1275, 1295,...)".

Von großen Überschwemmungen wird bis in unsere Jahre berichtet:

1412 Überschwemmung zerstört Stadlau, dieses wird auf der Viehweide wieder aufgebaut
1438 Ganzer Ort samt Kirche von den Wasserfluten zerstört
1501 am Abend vor Mariä Himmelfahrt (Wassermenge: 14.000 m3/sec
1787 "Allerheiligen Hochwasser"
1823 Bericht über die Rettung einer Dienstmagd
1830 Eisstoß - Hochwasser (Vernichtung ganzer Marchfelddörfer)
1862 Februar Hochwasser
1870 Eisstoß zerstört teilweise die Holzbrücke über das Mühlwasser
1897 Wasserstand 1 m unter der Krone des Schutzdammes
1899 Hochwasser im September, um 30 cm höher als 1897
1929 Eisstoß
1954 Juli Hochwasser mit 9.500 m3/sec; der Hochwasserspiegel liegt 2 m unter dem von 1501

Nicht nur der Markt Stadlau, der am nächsten den Armen des unregulierten Donaustromes lag, sondern auch die anderen Orte dieser Großpfarre waren vom Hochwasser bedroht; es gab von 1012 — 1899 152 Hochwässer, davon 48 mit katastrophalen Folgen. Etliche Orte sind überhaupt abgekommen, d.h. der Donau zum Opfer gefallen. (Ringelsee, Krottendorf, Paben, Krainort, Pischelsdorf, Stallern, Capellen, Deindorf, Sachsengang, Wulzendorf). Manche Flur- und Straßennamen erinnern an sie.

Die Donau bedeutete aber nicht nur Bedrohung und Gefahr, sie war auch die Ursache für die wirtschaftliche Bedeutung des Marchfeldortes Stadlau. Der Strom war ein beschwerliches Verkehrshindernis, er war in unzählige größere und kleine Arme geteilt, die oft ihren Lauf wechselten, "Haufen" zusammenschoben, neue Gerinne bildeten. Es war aber wichtig, ihn zu überqueren.

Urfahr und Wassermaut

Es gab in Wien 2 Überfuhren, die von Jedlesee, erwähnt 1392, die im 15.Jht. nach dem Brückenbrief Herzogs Albrecht an Bedeutung verlor. Damals wurde die Taborbrücke als erste Brücke über den Strom gebaut (es waren eigentlich drei Brücken notwendig, weil ja mehrere Arme der Donau überquert werden mussten). Wegen der Beschädigungen der Brücke durch Eisstöße und Überschwemmungen blieb das Urfahr aber noch weiterhin bestehen.

Als zweite Überfuhr war die von Stadlau schon im 12.Jahrhundert von großer Bedeutung, im 13.Jht. mehrfach urkundlich belegt.

1150  steht im Stadlauer Urfahrrecht: "Wer über die Tunaw will und herüber, die soll man enthalb nehmen. Und die drei dorffer Asparn, Wulzendorf und Prietenle: was dieselben auf Ir grünten pawen und ziehen, welcherley das sey, nichts ausgenommen, do geben sie kein Maut". (Capt.Krecmer)   Das Stadlauer Ufer war der Gegenpunkt der Überfuhr von der Stubentorlände entlang der Donauarme zwischen Unterem Werd und Praterinsel. Diesen Weg nahmen die Kaufleute aus Polen und Russland, während die Überfuhr von Jedlesee vor allem bei kriegerischen Auseinandersetzungen benützt wurde.

1270  (1.11.) "..crafft dessen das Urfahr in Stadlau denen Planchen Schopfleuthen alda zu Lehen von Ottocare, König von Böhmen, Herzogen in Österreich, Steyer und Kärndten."

1453  6.6.1453 wies König Ladislaus dem Wiener Stadtrat die Erträgnisse der Stadlauer Maut als Ersatz für die Ausbesserung der Türme, Stadtgräben, Bollwerke und Vorstadtzäune zu.

Joseph Hormayr, Wien's Geschichte, Bd.IV/2,S.3:
"1539, 1549 und 1559 wurde schon unter Ferdinand I. die Ausräumung der Donau von Stöcken und rauhen Bäumen allen Besitzern der Auen und der Ufer von Krems bis Wien und den Schiffsleuthen schleunige Förderung an den Urfahren eingeschärft. Die Zeche von Aspern wachte über dessen Beobachtung von Dürnstein bis Wolfsthal an den Grenzmarken von Ungarn."

1679 über die Besatzung: "Es ist ein Schöffmeister, ein Steuerer und 5 Urfahrknechte"

Der Fischfang

Neben den Einnahmen aus der Urfahr bot die Donau auch Verdienst durch den Fischfang. Die Fischer verkauften ihre Ware nach Wien, ebenso versorgte man Wien mit Heu und Holz. Damit die Wiener zu möglichst frischen Fischen kamen, verordnete Herzog Heinrich, die Fischer "sollen ohne Mantel, mit bloßem Haupt, Sommer und Winter, unter Sonne und Regen, auf dem Markt so lange stehen, bis sie ihre Fische verkauft haben".

1684  beschwerten sich die Stadlauer über 15 Schiffsknechte, "welche im Gemeindegasthause im Dorfe in arger Weise exzedirten", unter­fertigt mit "Euer Gnaden gehorsamt N.Richter, geschworne Undt ganze gemain zur Stattel-Aue, allwo 7 Häuser in das Kays.Vicedomb-Ambt gehörig."

1686  wurde ein Original-Vergleich zwischen den beiden Fischer-Handwerken zu Albern und Stadlau geschlossen, nach welchem die Stadlauer die eingehenden Meistergelder an die Lade nach Albern abführen müssen und nur den vierten Teil selbst behalten dürfen und auch die Lehrbriefe der Stadlauer Fischerknechte zu Albern auszufertigen sind.



Die Weiterentwicklung der Pfarrstruktur

Man kann sich leicht vorstellen, dass in einer solchen Großpfarre ordentliche Seelsorge gar nicht möglich war. Die zunehmende Bevölkerungsdichte, die weite Entfernung, die Straßenverhältnisse, das alles ließ den Wunsch der geschlossenen Dorfgemeinden nach einer eigenen Kirche aufkommen. Schon im 12.Jht.bahnte sich eine Abspaltung dieser Großpfarren an. Ende der Babenberger Periode gab es in Niederösterreich bereits 300 Pfarren. Auch in unserem Raum setzte diese Entwicklung ein, indem Groß-Enzersdorf den Ostteil unseres Pfarrgebietes absprengte. Dann wurde um 1300 die Pfarre Aspern errichtet. Gerasdorf hatte schon um 1258 ein Gotteshaus und setzte die Errichtung eines Vikariates durch, dem auch Süßenbrunn  zugewiesen wurde (schon um 1300 erwähnt). Vikariate entstanden auch in Kapellen und Deutsch-Wagram, das 1640 mit Gerasdorf pfarrlich vereinigt wurde.

Die Mutterpfarren widerstrebten natürlich wegen der empfindlichen Einbuße an Samm­lungen, Stolagebühren - auch das Begräbnisrecht war sehr ertragreich - und verlangten Entschädigung.

Eine Übergangslösung bedeutete die Errichtung von Vikariaten, die noch nicht volle kirchenrechtliche Unabhängigkeit für den betreffenden Ort bedeuteten, aber doch einen Schritt in Richtung auf eigene Pfarren, wie sie im 13.und 14.Jht. von den Grundherren angestrebt wurden. Dem Pfarrer von Stadlau unterstanden manche Orte also nur mehr hinsichtlich der geistlichen Aufsicht und der Besetzungsrechte, er hatte das Patronatsrecht und das Präsentationsrecht. (Pfründenmatrikel des Bistums Passau, 1429)

Der "plebanus" von Stadlau oder "Leutepriester", wie er genannt wurde, konnte z.B. den Priester für das Vikariat Gerasdorf aus­suchen, der allerdings dem Sprachgebrauch der Zeit zufolge als "Pfarrvikar" oder "Pfarrer" angesprochen wurde und auch bereits für Taufen, Trauungen und Begräbnisse zuständig war (um 1455)

Damals war die Kirche in gewisser Weise schon eine "Kirche der Laien", denn diese Initiativen gingen nicht nur vom Klerus, son­dern von den Herr­schaftsbesitzern, aber auch von den bäuerlichen Untertanen aus. Durch Schenkung von Einkünften und Gütern wurde die finanzielle Unabhängigkeit des geistlichen Amtsträgers gewährleistet.



Eine Überschwemmung vernichtet das Dorf

Hatte also St.Georg Stadlau durch diese Entwicklung bereits an Bedeutung verloren, so vernichtete eine schwere Überschwemmung - es heißt allgemein um 1438, aber über die genaue Jahreszahl gibt es mehrere Auffassungen - schließlich Ort und Kirche.

Diese wurde an anderer, sicherer Stelle wieder aufgebaut und ebenfalls dem hl.Georg geweiht. Kagran trat in die Rechte der alten Mutterpfarre ein. So lesen wir in einem Nachtrag 1476 zum Jahr 1429 schon "Stadlau hodie Kagran" (Stadlau, heute Kagran).

Eine andere Quelle ("Unser schönes Floridsdorf", März 1992, Heft 1/2) schreibt:

1402:  Am 29.Juni 1402 trat die Donau mit ihren sämtlichen Nebenarmen aus den Ufern und erzwang damals ihr bis 1875 (Donauregulierung) gegenwärtiges Bett. Dabei gingen die Ort­schaften Ringelsee und Stallern, sowie das frühere Stadlau samt seiner Kirche zugrunde. Die Kapelle in Stadlau bestand schon seit 1160." "Durch 10 Tage hindurch waren Flur und Wiesen ­ und die gereifte Ernte unter Wasser. Eine große Hungersnot war die Folge."

1412  landesfürstliche Erlaubnis, die durch das Hochwasser weggeschwemmten Häuser auf der Viehweide wieder aufbauen zu dürfen. Auch häufige Grenzverschiebungen und -regulierungen waren die Folge der zahlreichen Wasserkatastrophen.

1435  Urfahrrecht von Herzog Albrecht bestätigt.

Spätestens um diese Zeit wurde von den Fluten Ort und Pfarre Stadlau total zerstört. Allerdings wird Stadlau 1439 als landesfürstliche Mautstation erwähnt.

1458  gab es eine Geldentwertung: "Schinderlinge" nannte man die wertlosen Münzen.



Die neue Großpfarre St. Georg — Kagran


St. Georg Kagran
Pfarrkirche für Stadlau bis 1934

1458 war St.Georg schon zum Wahrzeichen Kagrans geworden, das nun selbst Großpfarre war und zwar für Eipeldau (Pfarre ab 1489), Strebersdorf (kam 1540 zu Stammersdorf, das seit 1400 Vikariat war), Gerasdorf (Vikariat um 1300, Pfarre 1640), Deutsch Wagram (1640 zu Gerasdorf), Jedlesee (1790 Pfarre), Jedlersdorf (1783 Pfarre). Bei der Pfarre von Kagran, das 1785 landesfürstlich wurde, verblieben Stadlau bis 1934 und Hirschstetten bis 1953.

Später wurden aus dem Kagraner Pfarrgebiet noch 1963 die Pfarre Neu-Kagran, 1971 die Pfarre Kagraner Anger, 1972 die Pfarre Auferstehung Christi und l978 St.Christoph am Rennbahnweg herausgelöst.