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Pfarre Stadlau Gemeindeaugasse 5 1220 Wien |
Die Chronik der Pfarre
Stadlau Weitere Geschichte der "Gmain" Stadlau |
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Die weitere
Geschichte der Gmain Stadlau Aus den hundert Jahren nach der Zerstörung des Ortes und der Kirche haben wir vorwiegend Nachrichten über Wassermaut, Schenkungen von Maut, Belehnungen mit dem Urfahr und ähnliche auf die Donau bezogene Mitteilungen. 1568 heißt es in einem kaiserlichen Freibrief an das "Torf Stattlau": "was auf Stadlauer Wägen zum Verkauf geführt wird, ist nichts davon schuldig zu vermauthen". Ähnlich haben die Eipeldauer, die an der Befestigung der Brücken in Kriegsnot mitgewirkt hatten, eine Befreiung von der Brückenmaut erhalten (ca. 1490). In der Grenzbeschreibung von 1573 erfahren wir etwas über die Ausdehnung des den Römisch Kaiserlichen Majestäten "mit Bann und Gericht zugehörigen" Ortes: vom Markstein bei den Hirschstettener Gründen verlief die Grenze über eine Wiese ("die Wulzendorferin" genannt) und neben Aspern bis an die Donau, dann weiter über die Donau an eine Au genannt Bauernschüttel, dann an die Kriegau und zum Herzoggrund, bis an die Au des Bürgerspitals zu Wien und zurück zum ersten Markstein gegen die Hirschstettner Gründe. Grenzsteine mit dem Wahrzeichen von Stadlau, einem Fisch, wurden im Prater gefunden, auch an der Grenze von Aspern und im Kagraner Burgfrieden. Einer war im Stadlauer Gemeindehaus aufgestellt mit der Inschrift C.V.M.B. 1762. (C.V.M.B. = Viertel unter dem Manhartsberg). Das Siegel der Gemeinde aus dem Jahre 1599 zeigt den Stadel in der Au. Diese Darstellung findet sich auch ab 1904 in der Zeit der Zugehörigkeit zum 21. Bezirk im Wappen von Floridsdorf. Eine künstlerische Gestaltung schuf der Stadlauer Maler Franz Schrenk etwa 1980 als neues Territorialwappen von Floridsdorf. Der "Stadel" findet sich natürlich auch im Bezirkswappen von Donaustadt, in dem alle Bezirksteile rund um den Kirchenpatron St.Georg (für Kagran) angeordnet sind.
Die neue Gemeinde wird als sehr bedürftig bezeichnet, sie hat Robot und Fischdienst leisten müssen. Zum Fischhandwerk berichtet eine Aufzeichnung von 1686 über den Vergleich zwischen Stadlau und Albern: die Lehrbriefe der Stadlauer Fischerknechte waren in Albern auszufertigen und die Meistergelder zu 3/4 Teilen dorthin abzuliefern. Außer dem Fischfang sind es die Wiesen im Prater und der Feldbau, sowie die Schiffsmühlen an der Donau, die nun die Existenzgrundlage der Stadlauer darstellen. 1724 erfahren wir etwas von der ersten Grundsteuer und von der Verzehrungssteuer ("Zapfenmaß") für Getränke. Es gibt auch schon einen Gemeindewirt. 1730 waren die Einwohner der "10 behausten Güter" von Stadlau, auch "Nachbarschaft" genannt, folgende:
Durch eigene Lehensbestimmungen, sogenannte "Bestandsbriefe", war den Einwohnern der Nutzgenuss sämtlicher zu Stadlau gehörigen Auen, Wiesen, Gewässer, usw. gewährleistet. Diese Briefe wurden immer wieder erneuert, bis sie 1896 gänzlich erloschen. 1727 Von diesem Jahr gibt es eine nette Geschichte aus der Chronik von Aspern: 2 Asperner Schuster beklagen sich "beim Vicedom'schen Amt, dass Christoph Perchtaler, Schuster in Stadlau, trotz Abmahnens, selber, aber auch durch seine Mutter und seinen Bruder in Aspern Schuhe herumtragen und verkaufen lässt". 1736 schenkt die Gemeinde Stadlau 20.000 Ziegel "für große Baulichkeiten" ihrer Pfarrkirche St.Georg Kagran. Von den uns überlieferten Namen kommt 1749 der des Gotthard Stralehner dazu, 1835 scheint Georg Schickh, 1845 Josef Genoch auf. In allen Aufzeichnungen ist der Name Pauer-Bauer vertreten, deren Nachkommen noch heute in Stadlau ansässig sind. 1744 war die Gemeinde Stadlau an den Deutschen Ritterorden gekommen, der als Steuern den Anhaftzins (für die Schiffsmühlen), das Robotgeld (für Ehepaare und Ledige), sowie das Standgeld (von den Kramständen bei Kirtagen) einhob. Im Zusammenhang mit dem Wechsel der Obrigkeit erfahren wir auch etwas sehr Interessantes über die Verwaltung eines solchen kleinen Gemeinwesens: Es musste nämlich damals ein neuer Dorfrichter gewählt werden, doch vorher wurde die Gemeinde befragt, ob sie gegen den über sein Ersuchen in Gnaden entlassenen früheren, den Adam Pauer, Beschwerde vorzubringen habe. Die vorgebrachten Klagen konnten von dem Beschuldigten aufgeklärt werden. Sein Nachfolger wurde Philipp Treißlämpl. Die Dorfbewohner waren nicht nur an ihre Grundherrschaft gebunden, jeder war auch Mitglied des Gemeindeverbandes, der "Nachbarschaft". Jeder war auf den anderen angewiesen durch das gemeinsame Wohnen am Ort und in der Wirtschaftsführung (Dreifelderwirtschaft). Auch die Gemeindewiesen, das Wegsystem waren gemeinsames Anliegen. In diesen Belangen hatte sich ein hohes Maß an Selbstverwaltungsrechten entwickelt, die das Zusammenleben und Zusammenwirtschaften regelten. Organe dieser dörflichen Selbstverwaltung waren der "Dorfrichter", der mehrköpfige Rat der "Geschworenen" und die "Zechleute". Die Inhaber der "behausten Güter" wählten in Anwesenheit der Grundherren beim "Banntaiding" den Dorfrichter. Er besaß örtlich begrenzte Polizeigewalt, war Schätzmeister, Feldmesser, hatte die Kontrolle über die Wirtschaftsführung der "Zechmeister", war um die Ordnung und Reinhaltung in der Gemeinde besorgt, war Aufsichtsorgan beim Hausbau, Zollwache und Berichterstatter — ein vielseitiger "Manager" also. Die "Zechmeister" — sie wurden von der versammelten Pfarrgemeinde gewählt — waren zuständig für die Verwaltung und Erhaltung der Kirche, des Pfarrhofes und der Schule, wie auch für Wallfahrten, Kirtage und dgl. Festgesetzt war z.B.: Sollte der Pfarrer oder Vicarius von Kagran bei dem Richer von Stadlau über Mittag bleiben müssen, sollte dieser 2 Gulden aus der Gemeindekasse erhalten. 1774 ging es um Grenzberichtigungen: Gotthard Stralehner und Ferdinand Pauer waren damals Gerichtsgeschworene. 1786 wurde den Stadlauern der "erweisliche Wildschaden auf ihren Feldern" von dem Superintendenten des Bürgerspitals in Wien vergütet. Das Urfahr hatte noch bis ins 19. Jht. seine wirtschafliche Bedeutung, weil die Taborbrücke (seit 1439) und die Holzbrücke über den Hauptstrom (seit 1838), über die schon die Bahn Wien-Wagram führte, zu weit ab waren und bei niedrigem Wasserstand große Umwege und Mehrkosten erspart werden konnten. Während der Donaukanal im Wesentlichen schon um 1600 entstanden ist (Durchstich des Freiherrn v. Hoyos), kam die Regulierung des Hauptstromes erst 1870 zustande. 1823
schildert ein Bericht, daß die Uberfuhr bei Hochwasser nicht ungefährlich
war: 1830 Auch heuer hielt das Hochwasser reiche Ernte. In Leopoldau wurden von den 94 Häusern des Ortes 60 zerstört, in Stadlau und in Hirschstetten forderte die Uberschwemmung und die große Kälte Opfer an Menschen und Haustieren. Der Pfarrer von Jedlersdorf schildert die dramatischen Szenen in seinem Ort. In Pfarrhaus und Schule waren 600 frierende Hilfesuchende in den oberen Stockwerken zusammengedrängt. Es gab 21 Tote, bis die Stammersdorfer dem Wasser einen Ablauf durch die vereisten Schneemauern gehauen hatten. Und vom Pfarrer von Kagran wird berichtet, dass er 13 Tage lang 111 Personen beherbergen musste. Der Ort Kimmerleinsdorf wurde damals vollständig zerstört (später an höher gelegener Stelle als Franzensdorf wieder aufgebaut). Noch 1891 waren Überschwemmngen eine ernste Gefahr für Stadlau. Bürgermeister Krapfenbauer schrieb an die Schulleitung, daß das Schulgebäude, das Klostergebäude und das Gemeindegasthaus als "Rettungshäuser" ausersehen seien und die Schulleitung geeignete Vorsorge treffen möge. Interessant sind bei näherer Betrachtung auch die immer noch wichtigen Schiffsmühlen; schon rund um 1200 gab es welche und wir wundern uns nicht, dass sie wegen der sich ändernden Donauarme immer wieder auch ihren "Haftplatz" verlegen mussten. Von Aspern heißt es 1256: 14 Lehen, 12 Hofstetten (wir würden sagen Kleinhäusler) und 10 Mühlen. In Aspern war der Sitz der Müllerzunft.
1860 hatten die Müller ihre Blütezeit, auch war die Mühlengegend ein beliebtes Ausflugsziel der Wiener. Die kaiserlichen Mühlen gaben dann dem Bezirksteil Kaisermühlen seinen Namen. Trotz Hochwasser und Eisgängen hatten die Müller am Strom ausgehalten, durch die Donauregulierung aber verloren die Mühlen den größten Teil der Wasserkraft und wurden aufgelassen. 1788 ersuchte die Gemeinde Stadlau "in ihrem Dörfchen eine Kapelle errichten zu dürfen. Allein, da ihr damaliger Pfarrer Joh. Liberatus Parth in Kagran dieser Bitte entgegen war, indem der Ort nur aus 10 Häusern mit 161 Seelen bestehe, auch die jungen Leute sich dann dem Nachmittag Gottesdienste entziehen würden, so ward ihr Begehren verweigert, und die Bewohner besuchten nach Umständen die Gotteshäuser zu Kagran oder Hirschstetten".
Dieses erste Schulhaus von 1795 stand Ecke Stadlauerstraße und Schickgasse und hatte einen angebauten Glockenturm. Bis 1872 diente es als Schule, dann bis 1904 anderen Zwecken. Die Entwicklung des Schulwesens in Stadlau ...
1825 gibt es in Stadlau ein Wirtshaus, einen Ziegelofen und ein kleines Gemeindehaus. 1835 zählt man 13 Häuser mit 30 Familien, darunter einen Schumacher und einen Schneider. 21 Pferde, 86 Kühe und 15 Schweine. Die Einwohner treiben meist Feldbau, besitzen viele Wiesen im Prater, auch stehen an der Donau 12 Schiffmühlen. Viele beschäftigen sich mit Fischerei. Die Donau bildet hier 5 Arme. 1845 Die Stadlauer verkaufen ihre Lehengründe im Prater an den Erzherzog Ludwig. 1866 Die Preußen stehen vor Korneuburg. Bei Floridsdorf und Stadlau werden Schanzen errichtet. Die Wall-Linie verläuft entlang der Erzherzog Karl Straße. Die Donau bei Stadlau wird überbrückt (hölzerne Jochbrücke). 1870 Ein Teil der Holzbrücke über das Mühlwasser wird durch einen Eisstoß zerstört. Die Stadlauer Eisenbahnbrücke wird am 24.11. dem Verkehr übergeben. 1872 Nach Aufhebung der Herrschaftsgerechtigkeit des Ritterordens waren Stadlau und Hirschstetten einige Zeit lang vereinigt als Gemeinde des Landes Niederösterreich. Doch erfolgte 1872 wieder die Trennung in zwei selbständige Gemeinden. In Stadlau wurde unter dem Bürgermeister Mathias Gampl der erste Gemeindeausschuß gebildet, die Namen Bauer, Genoch, Schick sind darin - wie auch in den späteren Ausschüssen - vertreten. Sie sehen sich durch die in der Folge rasch einsetzende Entwicklung des Dorfes zu einem großstädischen Bezirksteil vor mannigfache Aufgaben gestellt. |