Pfarre Stadlau
Gemeindeaugasse 5
1220 Wien
Die Chronik der Pfarre Stadlau
Der Weg ins 20. Jahrhundert
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Der Weg ins 20. Jahrundert

Eisenbahner- und Industrieort
Die Orts-Chronik
Die Wirtschaft
Bevölkerungsentwicklung und -versorgung
Das Stadlauer Amtshaus
Eingemeindung nach Wien



Eisenbahner- und Industrieort

 

Für die Entwicklung des kleinen Bauerndorfes zum "anschlußfähigen" Ort mit mehr als 3000 Einwohnern und den entsprechenden Einrichtungen gab die Donauregulierung und die Errichtung leistungsfähiger Brücken, im besonderen der Bau der Eisenbahnbrücke, den ersten Anstoß.

1870  wurde der Stadlauer Bahnhof dem Verkehr übergeben. Billige Baugründe und der günstige Bahnanschluss boten den Anreiz für Industrielle, hier in den folgenden Jahren zahlreiche Fabriksanlagen zu errichten.
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Der kleine, aber noch immer erkennbare Dorfkern wurde immer mehr von Zinshausvierteln eingeschlossen, die Landgemeinde entwickelte sich zu einem Eisenbahner- und Industrieort. Die Bevölkerung nahm rasch zu und musste mit allem Nötigen versorgt werden.

1871  6 Wohnbauten (Riegelhäuser) für Eisenbahnbedienstete.

1872  Die neue Schule entsteht "auf dem Platz unter dem Dorf" (Schulgasse 15 = Konstanziagasse 26)

1875  wird die 1866 errichtete hölzerne Brücke demoliert und durch einen Damm ersetzt.

* Die sogenannte "Bogenbrücke" über das Mühlwasser bleibt bestehen.
* Beginn der Schifffahrt im neuen Donaubett.
* Bestellung eines Gemeindesekretärs (früher besorgte die Arbeiten der Oberlehrer).
* tritt die Gemeinde in das alleinige Eigentums- und Nutzungsrecht der Gründe, Auen und Haufen durch Grundabtretungen und Geldentschädigung.

In diesem Jahr wird auch am Ende der Klostergasse (heute Gemeindeaugasse), durch eine Allee mit dem Orte verbunden, der Ortsfriedhof errichtet. Bis dahin sind die Verstorbenen der Gemeinde in Kagran beerdigt worden. Nun finden die Einsegnungen der Toten im Ort statt, wozu ein Priester vom Pfarramte St.Georg Kagran delegiert wird.
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1884  Errichtung der Malzfabrik (Hauser & Sobotka), Bau von Beamten- und Arbeiterwohnhäusern.

1885  Dampftramway mit Haltestelle Hirschstetten/­Aspern. Entstehung eines lndustrieviertels entlang der Stadlauer Straße.

1886 die freiwillige Feuerwehr mit ihrem ersten Hauptmann Johann Bauer besitzt auch einen Rettungswagen.

1890  Bau des Klosters in der Hardeggasse.

1893  Eröffnung der Volksschule im Kloster.
Josef Genoch bekommt das goldene Verdienstzeichen.

Ackerbau und Viehzucht werden zurückgedrängt, der Grund wird immer mehr für Fabriksanlagen benötigt. Auch der Bahnhof muss 1897 vergrößert werden. Er ist Vor- und Rangierbahnhof für den Wiener Bahnhof, hat täglich 120 Zugsabfertigungen und beschäftigt etwa 30 Beamte und 590 sonstige Bedienstete.



Die Orts-Chronik

1893  fasste der Gemeindeausschuss den Beschluss, eine Chronik für die Gemeinde Stadlau anzulegen. 

Unter Bürgermeister Joh. Krapfenbauer übertrug der Ausschuss diese Aufgabe dem Lehrer Hermann Jennerwein, der die Nachforschungen bei Ämtern und Behörden 1897 abschloss. Mit der Fortführung wurde Rudolf Wolf, ein Bahnbeamter, beauftragt.

1904  erschien die Chronik im Selbstverlag der Gemeinde. Die damals übliche Rechtschreibung und Ausdrucksweise ist beibehalten worden. Es sollte den kommenden Geschlechtern gezeigt werden, "wie Eintracht und selbstloses Zusammenwirken der Bürger zum Heil und Fortschritt geführt haben". Ein Exemplar dieser Chronik wird im Pfarrarchiv aufbewahrt.

Wir entnehmen daraus noch einige weitere Daten zur Illustrierung der raschen Entwicklung unserer Gemeinde bis zur Einverleibung in den 21. Bezirk der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien im Jahre 1904.



Die Wirtschaft

Post- und Telegraphenamt sind mit Fernsprechstelle im Bahnhofsgebäude untergebracht. Der erste Postmeister ist Alois Kuntner, er wird 1898 mit dem Goldenen Verdienstkreuz ausgezeichnet.

Die Fischerei hat wegen Versandung der Donauarme nur mehr sportliche Bedeutung. Die Auen werden vielfach abgeholzt wegen der Durchführung der Sammelkanäle, auch wegen der benötigten Schottergewinnung und dem Verbauungsbedarf. Gemüsebau und Feldgärtnerei nehmen zu. Das Haus Genoch war erfolgreich in der Züchtung schwerer Zugpferde, wie man jährlich in der Pferdeausstellung beobachten konnte.

30 Parzellen der Katastralgemeinde Kagran kommen an Stadlau.

1876  Neue Ortsteile entstehen entlang der Erzherzog-Karl-Straße. Das Dorf Stadlau zieht sich geschlossen hinter der Bahnstrecke entlang.

1886  anerkennenswerte Leistungen bei Feuernot und Wassergefahr erbringt die Freiwillige Feuerwehr unter ihrem Kommandanten Johann Bauer.

1895  leistet die Gemeinde einen finanziellen Zuschuss für den Straßenbau Stadlau-Kaisermühlen, das Gemeindegasthaus wird um 15.000 Gulden verkauft.

1896  überschreibt die Gemeinde den vordem gemeinsamen Besitz grundbücherlich an die einzelnen Mitglieder der früheren "Nachbarschaft". Im selben Jahr wird als Gemeindearzt Dr. Eduard Fahn mit einem Jahresgehalt von 150 Gulden bestellt.

1897  Stadlau gehört nun zum neu gebildeten Gerichtsbezirk Floridsdorf, wo auch die k. k. Bezirkshauptmannschaft ihren Amtssitz hat. Gasbeleuchtung durch Vertrag mit der Gemeinde Wien.



Bevölkerungsentwicklung und -versorgung

Einige Zahlen dazu:

Einwohner in Stadlau

Jahr
Einwohner
1860 219
1880 1034
1890 1773
1900 3168
1910 4490

... zum Vergleich im Jahr 1900:

Kagran: 4456
Hirschstetten: 1533


1900  tritt die neue Kronenwährung in Kraft, die Kanalisation wird durchgeführt.

1901  Ubergangssteg über die Bahnanlage. Beginn einer starken Bautätigkeit wegen zahlreicher Zuwanderer und Fremdarbeiter in den Fabriken. Bezeichnung der Gassen und Straßen mit Orientierungstafeln.
Ein "Bittgesuch" um Aufstellung einer Markthütte auf dem späteren Genochplatz wird vom Bürgermeister in 2 Tagen beantwortet.

1901—1910  Bau der Zweiten Wiener Hochquellenwasserleitung, der Stadlau angeschlossen wird.
Elektrische Beleuchtung des Bahnhofs.

1902  Gemeindeausschusswahlen, bei denen außer Wirtschaftsbesitzern auch Beamte, Gewerbetreibende, Kaufleute und ein Lehrer vertreten sind.

Bau des Floridsdorfer Rathauses Am Spitz mit dem 52 m hohen Uhrturm, das seit 1905 als Magistratisches Bezirksamt dient. Alle Amtsstellen für Bezirksangelegenheiten sind hier untergebracht.



Das Stadlauer Amtshaus

 

1902  entsteht das Amtshaus in der Stadlauer Straße, mit Einfahrt für die Freiwillige Feuerwehr, mit Gendarmeriekaserne und Arresten. Die Chronik berichtet stolz über die moderne Gasbeleuchtung und -beheizung sowie die vorzügliche Ventilation. "Als sehr hübsches Gebäude", wird es beschrieben, in dem durch gotisch gerundete Bogenfenster erhellten Oberstock die Gemeindekanzlei, des Amtszimmer des Vorstehers, der große, doppelt hohe Beratungssaal und die Dienstwohnungen" liegen. Gerühmt wird auch das "breite Stiegenhaus" und der "geräumige Hof". "Ein schlanker, zierlicher Turm krönt über einer großen Uhr das ganze Gebäude, dessen Hauptfront mit einer Anzahl Wappenschilder geschmückt ist".

Stadlauer Straße um 1900

rechts: Amtshaus mit Glockenturm
links: Bäckerei Pospisil

1970  Demolierung des Gebäudes, der Turm wird in den Hof der Volksschule Konstanziagasse gebracht (1978) und später im Bezirksmuseum auf dem Kagraner Platz aufgestellt.



Eingemeindung nach Wien

Die Gemeinde stellt ein Wirtschaftsprogramm auf, verhandelt auch mit allem Nachdruck über eine eigene Pfarrgemeinde, sowie über den Anschluss an die elektrische Straßenbahn und die Einbeziehung in die Großstadt.

Dabei äußern Hirschstetten und Stadlau etliche Wünsche an die Stadt Wien:
Kanalisation und Abwasserprobleme der Fabriken, Versorgung mit Hochquellenwasser, öffentliche Verkehrsmittel, neue Straßen, bzw. Verbindung zwischen Reichsstraße und Stadlauer Straße. Weitere Wünsche nehmen Bezug auf die Besteuerung, deren Sätze in Stadlau höher waren als in Wien.

Mittlerweile hat sich in Stadlau auch die Geschäftswelt entwickelt. Es gibt einen Uhrmacher, Glaser, Klempner, Modewaren, ein Restaurant und ein Kaffeehaus; es gibt die Möglichkeit, Fremde zu beherbergen.

Außerdem entwickelte sich ein unpolitisches Vereinsleben mit Wohltätigkeitsveranstaltungen und Vergnügungsabenden, es gab Sport- und Geselligkeitsvereine, eine Eisenbahner-Musikkapelle. Auch der Allg.N.Ost.Volksbildungsverein hatte hier eine Zweigstelle mit Bücherei, Kochschule und 230 Mitgliedern.

Bei schönem Wetter ist Stadlau und seine Umgebung ein beliebtes Ausflugsziel für die Wiener geworden. Am Mühlwasser, dem verbliebenen Arm der Donau, entstand ein "modern eingerichtetes Voll- und Schwimmbad".

1904  endet die Chronik der Gemeinde Stadlau. Die Eingemeindung nach Wien ist vollzogen. Stadlau ist ein Bezirksteil von Floridsdorf.

Aus dem kleinen bäuerlichen Dorf ist ein Eisenbahner- und Industriearbeiterort geworden. Um diese Zeit setzt eine weitere Entwicklung ein, die sowohl in Stadlau wie auch in Hirschstetten dringender Wunsch der Bevölkerung geworden war: eine eigene Kirche zu haben, eine selbständige Pfarrgemeinde zu sein. 

Mit dem  Kommen der Salesianer Don Boscos, dem Bau der Herz Jesu Kirche und der Errichtung der selbständigen Pfarre Stadlau hat in der Geschichte des Ortes eine neue Periode begonnen.