|
Pfarre Stadlau Gemeindeaugasse 5 1220 Wien |
Die Chronik der Pfarre
Stadlau Der Weg ins 20. Jahrhundert |
01 / 282 22 44 pfarre.stadlau@donbosco.at |
|
Der Weg ins 20. Jahrundert Für die Entwicklung des kleinen Bauerndorfes zum "anschlußfähigen" Ort mit mehr als 3000 Einwohnern und den entsprechenden Einrichtungen gab die Donauregulierung und die Errichtung leistungsfähiger Brücken, im besonderen der Bau der Eisenbahnbrücke, den ersten Anstoß. 1870 wurde der Stadlauer Bahnhof dem Verkehr übergeben. Billige
Baugründe und der günstige Bahnanschluss boten den Anreiz für Industrielle,
hier in den folgenden Jahren zahlreiche Fabriksanlagen zu errichten. Der kleine, aber noch immer erkennbare Dorfkern wurde immer mehr von Zinshausvierteln eingeschlossen, die Landgemeinde entwickelte sich zu einem Eisenbahner- und Industrieort. Die Bevölkerung nahm rasch zu und musste mit allem Nötigen versorgt werden. 1871 6 Wohnbauten (Riegelhäuser) für Eisenbahnbedienstete. 1872 Die neue Schule entsteht "auf dem Platz unter dem Dorf" (Schulgasse 15 = Konstanziagasse 26) 1875 wird die 1866 errichtete hölzerne Brücke demoliert und durch einen Damm ersetzt.
In
diesem Jahr wird auch am Ende der Klostergasse (heute Gemeindeaugasse),
durch eine Allee mit dem Orte verbunden, der Ortsfriedhof errichtet.
Bis dahin sind die Verstorbenen der Gemeinde in Kagran beerdigt worden.
Nun finden die Einsegnungen der Toten im Ort statt, wozu ein Priester
vom Pfarramte St.Georg Kagran delegiert wird. 1884 Errichtung der Malzfabrik (Hauser & Sobotka), Bau von Beamten- und Arbeiterwohnhäusern. 1885 Dampftramway mit Haltestelle Hirschstetten/Aspern. Entstehung eines lndustrieviertels entlang der Stadlauer Straße. 1886 die freiwillige Feuerwehr mit ihrem ersten Hauptmann Johann Bauer besitzt auch einen Rettungswagen.
Ackerbau und Viehzucht werden zurückgedrängt, der Grund wird immer mehr für Fabriksanlagen benötigt. Auch der Bahnhof muss 1897 vergrößert werden. Er ist Vor- und Rangierbahnhof für den Wiener Bahnhof, hat täglich 120 Zugsabfertigungen und beschäftigt etwa 30 Beamte und 590 sonstige Bedienstete. 1893 fasste der Gemeindeausschuss den Beschluss, eine Chronik für die Gemeinde Stadlau anzulegen. Unter Bürgermeister Joh. Krapfenbauer übertrug der Ausschuss diese Aufgabe dem Lehrer Hermann Jennerwein, der die Nachforschungen bei Ämtern und Behörden 1897 abschloss. Mit der Fortführung wurde Rudolf Wolf, ein Bahnbeamter, beauftragt. 1904 erschien die Chronik im Selbstverlag der Gemeinde. Die damals übliche Rechtschreibung und Ausdrucksweise ist beibehalten worden. Es sollte den kommenden Geschlechtern gezeigt werden, "wie Eintracht und selbstloses Zusammenwirken der Bürger zum Heil und Fortschritt geführt haben". Ein Exemplar dieser Chronik wird im Pfarrarchiv aufbewahrt. Wir entnehmen daraus noch einige weitere Daten zur Illustrierung der raschen Entwicklung unserer Gemeinde bis zur Einverleibung in den 21. Bezirk der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien im Jahre 1904. Post- und Telegraphenamt sind mit Fernsprechstelle im Bahnhofsgebäude untergebracht. Der erste Postmeister ist Alois Kuntner, er wird 1898 mit dem Goldenen Verdienstkreuz ausgezeichnet. Die Fischerei hat wegen Versandung der Donauarme nur mehr sportliche Bedeutung. Die Auen werden vielfach abgeholzt wegen der Durchführung der Sammelkanäle, auch wegen der benötigten Schottergewinnung und dem Verbauungsbedarf. Gemüsebau und Feldgärtnerei nehmen zu. Das Haus Genoch war erfolgreich in der Züchtung schwerer Zugpferde, wie man jährlich in der Pferdeausstellung beobachten konnte. 30 Parzellen der Katastralgemeinde Kagran kommen an Stadlau. 1876 Neue Ortsteile entstehen entlang der Erzherzog-Karl-Straße. Das Dorf Stadlau zieht sich geschlossen hinter der Bahnstrecke entlang. 1886 anerkennenswerte Leistungen bei Feuernot und Wassergefahr erbringt die Freiwillige Feuerwehr unter ihrem Kommandanten Johann Bauer. 1895 leistet die Gemeinde einen finanziellen Zuschuss für den Straßenbau Stadlau-Kaisermühlen, das Gemeindegasthaus wird um 15.000 Gulden verkauft. 1896 überschreibt die Gemeinde den vordem gemeinsamen Besitz grundbücherlich an die einzelnen Mitglieder der früheren "Nachbarschaft". Im selben Jahr wird als Gemeindearzt Dr. Eduard Fahn mit einem Jahresgehalt von 150 Gulden bestellt. 1897 Stadlau gehört nun zum neu gebildeten Gerichtsbezirk Floridsdorf, wo auch die k. k. Bezirkshauptmannschaft ihren Amtssitz hat. Gasbeleuchtung durch Vertrag mit der Gemeinde Wien. Einige Zahlen dazu:
1901
Ubergangssteg über die Bahnanlage. Beginn einer starken Bautätigkeit
wegen zahlreicher Zuwanderer und Fremdarbeiter in den Fabriken. Bezeichnung
der Gassen und Straßen mit Orientierungstafeln. 1901—1910
Bau der Zweiten Wiener Hochquellenwasserleitung, der Stadlau
angeschlossen wird. 1902 Gemeindeausschusswahlen, bei denen außer Wirtschaftsbesitzern auch Beamte, Gewerbetreibende, Kaufleute und ein Lehrer vertreten sind.
1970 Demolierung des Gebäudes, der Turm wird in den Hof der Volksschule Konstanziagasse gebracht (1978) und später im Bezirksmuseum auf dem Kagraner Platz aufgestellt. Die Gemeinde stellt ein Wirtschaftsprogramm auf, verhandelt auch mit allem Nachdruck über eine eigene Pfarrgemeinde, sowie über den Anschluss an die elektrische Straßenbahn und die Einbeziehung in die Großstadt. Dabei
äußern Hirschstetten und Stadlau etliche Wünsche an die Stadt Wien:
Mittlerweile hat sich in Stadlau auch die Geschäftswelt entwickelt. Es gibt einen Uhrmacher, Glaser, Klempner, Modewaren, ein Restaurant und ein Kaffeehaus; es gibt die Möglichkeit, Fremde zu beherbergen. Außerdem entwickelte sich ein unpolitisches Vereinsleben mit Wohltätigkeitsveranstaltungen und Vergnügungsabenden, es gab Sport- und Geselligkeitsvereine, eine Eisenbahner-Musikkapelle. Auch der Allg.N.Ost.Volksbildungsverein hatte hier eine Zweigstelle mit Bücherei, Kochschule und 230 Mitgliedern. Bei schönem Wetter ist Stadlau und seine Umgebung ein beliebtes Ausflugsziel für die Wiener geworden. Am Mühlwasser, dem verbliebenen Arm der Donau, entstand ein "modern eingerichtetes Voll- und Schwimmbad". 1904 endet die Chronik der Gemeinde Stadlau. Die Eingemeindung nach Wien ist vollzogen. Stadlau ist ein Bezirksteil von Floridsdorf. Aus
dem kleinen bäuerlichen Dorf ist ein Eisenbahner- und Industriearbeiterort
geworden. Um diese Zeit setzt eine weitere Entwicklung ein, die
sowohl in Stadlau wie auch in Hirschstetten dringender Wunsch der Bevölkerung
geworden war: eine eigene Kirche zu haben, eine selbständige Pfarrgemeinde
zu sein. Mit dem Kommen der Salesianer Don Boscos, dem Bau der Herz Jesu Kirche und der Errichtung der selbständigen Pfarre Stadlau hat in der Geschichte des Ortes eine neue Periode begonnen. |